. Schweizer Studie untersucht "Gender-Gap"

Frauen überleben ihren Herzinfarkt heute fast so oft wie Männer

Die Herzinfarktsterblichkeit im Krankenhaus hat sich in den letzten 20 Jahren halbiert. Von diesem positiven Trend profitieren auch Frauen, die bislang öfter an einem Herzinfarkt starben als Männer. Das zeigen aktuellen Daten aus der Schweiz.
Gender-Gap schließt sich: Frauen sterben immer noch öfter an einem Herzinfarkt als Männer. Doch auch bei ihnen geht die Herzinfarktsterblichkeit deutlich zurück

Gender-Gap schließt sich: Frauen sterben immer noch öfter an einem Herzinfarkt als Männer. Doch auch bei ihnen geht die Herzinfarktsterblichkeit deutlich zurück

Ein Herzinfarkt ist ein dramatisches Ereignis, das tödlich enden kann. Dank des medizinischen Fortschritts ist die Herzinfarktsterblichkeit jedoch in den letzten 20 Jahren gesunken. Eine aktuelle Studie aus der Schweiz zeigt jetzt eine Halbierung der Sterberate auf. Die Daten beziehen sich allerdings nur aufs Krankenhaus – das heißt auf alle Patienten, die das Glück hatten, rechtzeitig gerettet zu werden.

Obwohl auch in anderen europäischen Ländern die Herzinfarktsterblichkeit ähnlich stark sinkt wie in der Schweiz – in Deutschland seit Anfang der 1990er um knapp 45 Prozent – hat die Schweizer Studie auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Barcelona für Aufmerksamkeit gesorgt. Denn die neue Arbeit hat insbesondere die Geschlechterunterschiede, die sogenannte „Gender-Gap“ beleuchtet. Noch in den 1990er Jahren lag vor allem bei jüngeren Frauen unter 60 Jahren die Herzinfarkt-Mortalität deutlich über jener der Männer. Nach den Schweizer Daten von mehr als 50.000 Personen scheinen Frauen diese Lücke aufzuholen:

Frauen sind beim Infarkt älter und morbider

Danach ging von 1997 bis 2016 die Sterblichkeit im Krankenhaus bei Männern mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI – ein besonders schwerer Herzinfarkt) von 9,8 auf 5,5 Prozent zurück, bei Frauen von 18,3 auf 6,9 Prozent. Beim Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) ging die Sterblichkeit bei Männern von 7,1 auf 2,1 Prozent zurück, bei Frauen von 11,0 auf 3,6 Prozent. Bei Patienten unter 60 Jahren war ein Sterblichkeitsrückgang nur bei Frauen zu beobachten, nicht aber bei Männern.

„Frauen haben zwar immer noch eine höhere stationäre Herzinfarktsterblichkeit als Männer, möglicherweise weil sie beim Auftreten des Infarkts im Durchschnitt acht Jahre älter sind und mehr Risikofaktoren und Komorbiditäten aufweisen als Männer“, sagte Studienautorin Dr. Dragana Radovanovic vom Schweizerischen Herzinfarktregister AMIS Plus beim Kardiologenkongress in Barcelona. „Aber der Geschlechterunterschied bei der Sterblichkeit geht kontinuierlich zurück, was mit dem verstärkten PCI-Einsatz bei Frauen zusammenhängen könnte.“

 

 Mehr Katheterinterventionen

Die Studie zeigte, dass Ärzte immer öfter zu dieser Maßnahme greifen: Zwischen 1997 und 2016 stieg die Anzahl der Katheterinterventionen bei Männern mit STEMI von 60 auf 93 Prozent und bei Frauen von 45 auf 90 Prozent an.

Der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Prof. Dr. Eckart Fleck, erklärte mit Blick auf die Schweizer Daten: „Die in Barcelona vorgestellten Daten bestätigen einen Trend, den wir auch in Deutschland beobachten“. Neben einem effizienteren Rettungs- und Notarzt-System seien vor allem die Verbesserung der strukturellen und therapeutischen Maßnahmen, die in den Krankenhäusern leitliniengerecht umgesetzt werden, für die deutliche Reduktion der Mortalität beim akuten Herzinfarkt verantwortlich. Einen wichtigen Beitrag habe hier die bessere Diagnostik des Herzinfarkts geleistet.

Laut Herzbericht ging in Deutschland die Herzinfarkt-Sterblichkeit zwischen dem Jahr 2000 und 2014 bei Frauen um 30,7 und bei Männern um 24,8 Prozent zurück. Frauen holen also auch hierzulande auf. Betrachtet man die letzten 25 Jahre und beide Geschlechter ist die Herzinfarktsterblichkeit in deutschen Krankenhäusern um insgesamt 44,79 Prozent zurückgegangen.

Foto: © spotmatikphoto - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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