Frauen sterben häufiger an Herzerkrankungen als Männer

Frauen sind häufiger herzkrank als Männer - und haben eine schlechtere Prognose – Foto: ©puhhha - stock.adobe.com
Die Zahl der Sterbefälle durch Herzerkrankungen hat leicht zugenommen. Es sterben dabei mehr Frauen als Männer. Das geht aus dem Deutschen Herzbericht 2017 hervor, den die Herzstiftung jetzt in Berlin vorstellte.
Im Jahr 2015 starben insgesamt 117.518 Frauen gegenüber 103.993 Männern an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) beziehungsweise einem Herzinfarkt, an Herzklappenerkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und angeborenen Herzfehlern. Die Sterbeziffer bei Herzschwäche für Frauen lag 2015 um 64,4 Prozent über dem Wert der Männer, bei den Herzrhythmusstörungen lag der Wert 51,1 Prozent über dem der Männer.
Frauen sterben häufiger an Herzerkrankungen als Männer
Dass Frauen häufiger an Herzerkrankungen sterben als Männer könnte mehrere Ursachen haben: „Diese Unterschiede lassen darauf schließen, dass Frauen mit diesen Herzkrankheiten eine ungünstigere Prognose als männliche Patienten haben. Mögliche geschlechtsspezifische Besonderheiten etwa bei der Wirkung von Herzmedikamenten, anatomische Unterschiede an Herz und Gefäßen sowie unterschiedliche Symptomatik von Herzkrankheiten müssen in der herzmedizinischen Versorgung berücksichtigt werden“, fordert Prof. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
Häufigste Todesursache ist bei beiden Geschlechtern die koronare Herzkrankheit - die Grunderkrankung des Herzinfarkts - mit 128.230 Sterbefällen im Jahr 2015 (2014: 121.166) und die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit 47.414 Sterbefällen 2015 (2014: 44.551). Die Sterbefälle bei den Klappenkrankheiten stiegen von 16.064 (2014) auf 16.987 (2015) an, bei den Herzrhythmusstörungen nahmen die Todesfälle von 25.774 auf 28.425 zu.
Ländervergleich: Weniger Kardiologen, mehr Herzinfarkt-Tote
Die zum Teil starken Unterschiede in der Sterblichkeit an Herzkrankheiten zwischen den Bundesländern bestehen fort. Die meisten Herzinfarkttoten beklagt weiterhin Sachsen-Anhalt mit 82 Gestorbenen pro 100.000 Einwohner, in Brandenburg mit 83, Thüringen mit 69 und Mecklenburg-Vorpommern mit 68, während die niedrigsten Werte Schleswig-Holstein mit 42, Hamburg mit 46, Nordrhein-Westfalen mit 49 und Bayern mit 51 Herzinfarkttoten pro 100.000 Einwohner aufweisen.
"Kritisch sehen wir, dass die Bundesländer mit der geringsten Kardiologendichte zugleich gegen eine überdurchschnittlich hohe Infarktsterblichkeit ankämpfen", so Prof. Meinertz. Thüringen mit der geringsten Kardiologendichte hat für 31.922 Einwohner einen Kardiologen, während das Saarland auf einen Kardiologen für 17.467 Einwohner kommt.
Auch Herznotfallambulanzen (Chest-Pain-Units, CPU) sind ungleich verbreitet. CPUs sind für die Versorgung von Patienten mit Herzinfarkt und unklarem Brustschmerz wichtig. Thüringen mit drei und Sachsen-Anhalt mit vier CPUs zählen zu den Regionen mit der geringsten CPU-Dichte.
Kürzere Versorgungswege für Herznotfälle gefordert
"Besonders in Regionen mit einer niedrigen Ärztedichte sind Verbesserungen in der kardiologischen Versorgung durch mehr ambulante Diagnostik oder Therapie ein möglicher Ansatz zur Senkung der Sterblichkeit durch Herzkrankheiten. Bundesländer mit hoher Infarktsterblichkeit sollten für kürzere Versorgungswege für Herznotfallpatienten mehr CPUs aufweisen", sagt Prof. Meinertz.
Viele Klinikeinweisungen und Sterbefälle könnten durch verbessertes Wissen über die Krankheitssymptome, richtiges Notfallverhalten bei den Betroffenen und Vorsorgemaßnahmen wie frühzeitige Blutdruck- oder Pulsmessung vermieden werden. Deswegen seien Anstrengungen in der Aufklärung unverzichtbar, betont Meinertz.
Risikokrankheiten vom Kindesalter an entgegenwirken
In die Prävention müsse die Gesundheitspolitik in Deutschland noch umfassender investieren als bisher, um der Entstehung von Risikokrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin) in der Bevölkerung bereits im Kindesalter gegenzusteuern.
"Es bedarf eines umfassenderen Ansatzes, der für die Bevölkerung Rahmenbedingungen für gesunde Lebensgewohnheiten durch körperliche Aktivitäten oder gesunde Ernährung und systematische Aufklärung über Risikofaktoren in den Kitas, Schulen und Betrieben schafft", so der Mediziner.
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