. Initiative zieht Bilanz

Fortschritte gehen an Schmerz-Patienten vorbei

Für eine bessere Versorgung von Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, setzt sich die Initiative „Wege aus dem Schmerz“ ein. Ihr Fazit zur derzeitigen Versorgungslage: Es gibt derzeit wenig Innovationen im Bereich der Schmerzbehandlung.

Menschen, die chronische Schmerzen haben, haben oft einen langen Leidensweg.

„Versorgungsstärkungsgesetz, Morbi-RSA, veränderte Approbationsordnung - es gibt Fortschritte im Gesundheitssystem. Aber viele gehen an den 23 Millionen Menschen mit Chronischen Schmerzen vorbei“. Das schreibt die Initiative „Wege aus dem Schmerz“ in einer Pressemitteilung. Die Initiative setzt sich nach eigenen Angaben seit fünf Jahren gegen Unter- und Fehlversorgung bei chronischen Schmerzen ein. 

Versorgungslage der Menschen, die an Schmerzen leiden, hat sich seit Jahren nicht verbessert

„Obwohl Chronischer Schmerz in den vergangenen fünf Jahren in den Medien und in der Politik durchaus Aufmerksamkeit erfuhr, hat sich die Versorgungslage der Betroffenen kaum verändert. Trotz der Aufnahme des Krankheitsbildes in den Morbi-RSA ist die Anzahl der Schmerztherapeuten in Deutschland gleichbleibend niedrig. Und die vereinzelten Projekte Integrierter Versorgung sind zwar positiv - entfalten jedoch in der Fläche keine Wirkung“, erklären die Initiatoren von „Wege aus dem Schmerz“. Schmerzerkrankungen würden von Allgemeinärzten immer noch viel zu schlecht erkannt. Patienten brauchten nach wie vor Hilfestellung, um ihr Leiden Ärzten, Angehörigen, Freunden, Arbeitgebern und Kollegen vermitteln zu können, so Schmerzpatientin Marianne Simon, die seit ihrer Kindheit an chronischen Schmerzen leidet und eine Selbsthilfegruppe leitet.

 

Schmerzexperten fordern Aufnahme der Schmerzmedizin in die Bedarfsplanung 

Auch die Repräsentanten der Deutschen Schmerzliga, PD Dr. Michael Überall, und der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, Dr. Gerhard Müller-Schwefe, machen in der Pressemitteilung deutlich, dass in Sachen Schmerzversorgung in Deutschland noch viel zu tun ist:  „Menschen mit chronischen Schmerzen sind in Deutschland heute immer noch unterversorgt. Zwölf Millionen Betroffenen stehen lediglich 1.066 ambulant schmerzmedizinisch tätige Ärzte gegenüber", wird Überall zitiert. Dies würde dem Leid der Menschen sowie der Komplexität des Krankheitsbildes nicht gerecht. Für eine flächendeckende Versorgung wären mindestens 2.000 schmerztherapeutische Einrichtungen notwendig, in denen Ärzte, Physiotherapeuten und Psychologen zusammenarbeiten, schreibt die Initiative. Hauptursache sei, dass die Ausbildung und die Verteilung der Mediziner im Bundesgebiet nicht nach dem Bedarf erfolgt. „Solange die Schmerzmedizin nicht von den Kassenärztlichen Vereinigungen in deren Bedarfsplanung mitaufgenommen wird, ändert sich auch nichts an der schlechten Versorgungslage für die Patienten", so Müller-Schwefe.

Auch die Arzt-Patienten-Kommunikation spiele eine zentrale Rolle, so Dr. Andreas Ludäscher, Geschäftsführer bei Pfizer: "Es geht darum, Patienten den Dialog auf Augenhöhe mit ihren Ärzten zu ermöglichen. Denn nur so können sie mit ihrem individuellen Krankheitsbild von integrierten, multimodalen Therapiekonzepten profitieren."

Foto: Fotolia - Halfpoint

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

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