Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
23.11.2015

Fortschritt bei Suche nach Malaria-Impfstoff

Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Heidelberg sind einem wirksamen Impfstoff gegen Malaria ein kleines Stück näher gekommen: Es gelang ihnen, Malaria-Erregern einen Teil ihres Erbgutes zu amputieren. Ihre Studie veröffentlichten sie im Journal Genome Biology.
Die durch Mücken übertragene Malaria-Erkrankung kann tödlich sein

Die Stechmücke überträgt beim Blutsaugen Malaria-Erreger

Die gentechnisch veränderten Parasiten können sich im Wirtskörper nicht mehr vollständig entwickeln und sind daher ein leichtes Ziel für das Immunsystem. Eine Impfstudie mit Mäusen brachte trotzdem keinen 100-prozentigen Erfolg, heißt es weiter in einer Mitteilung des Universitätsklinikums.

Zwar waren die meisten geimpften Tiere anschließend vor Infektionen geschützt, ein kleiner Teil der abgeschwächten Parasiten schaffte es aber, den Schaden am Erbgut zu kitten. Sie verwendeten dazu einen Reparaturmechanismus, mit dem man bei den Erregern nicht gerechnet hatte.

Fortschritt bei Suche nach Malaria-Impfstoff

"Wir haben wieder einmal gelernt, wie widerstandsfähig diese Einzeller sind", sagt Prof. Friedrich Frischknecht vom Zentrum für Infektiologie. "Trotzdem sind wir sicher, dass sich die neue Technik  in Kombination mit anderen Strategien dazu eignet, einen sicheren Impfstoff zu entwickeln."

Bisher ließen sich maximal drei Gene der Parasiten ausschalten. Studien-Autor Mirko Singer und seine Kollegen der Abteilung Parasitologie gingen noch einen Schritt weiter: Mit Hilfe eines DNS-schneidenden Proteins trennte er einen Abschnitt des Genoms mit rund 200 Genen von der restlichen Erbinformation ab.

Dazu ergänzte er das Erbgut der Erreger um den genetischen Bauplan für das benötigte Schneideprotein, eine sogenannte Zinkfinger-Nuklease. Rufen die Parasiten bei ihrem Eintritt in die Leberzellen bestimmte Informationen ihres Erbguts ab, die sie für ihre weitere Entwicklung benötigen, aktivieren sie automatisch auch die Nuklease, die das Genom zerteilt.

 

Einige Malaria-Erreger überleben dennoch

Die dabei entstehenden nahezu glatten Schnittkanten hätten eigentlich irreparabel sein sollen, der Parasit schaffte es zur Überraschung der Forscher in wenigen Fällen aber trotzdem. „Die nächste Herausforderung besteht nun darin, den Reparaturmechanismus mit mehrfachen Schnitten komplett zu überfordern", so Forscher Singer.

Mehr als 300 Millionen Menschen erkranken jährlich an Malaria, einer Krankheit der Ärmsten in Afrika, Südasien und Südamerika. Mehr als eine halbe Million sterben jedes Jahr daran. Betroffen sind besonders Kinder unter fünf Jahren. Die Erreger, sogenannte Plasmodien, werden von Stechmücken übertragen und befallen als erstes Leberzellen.

Malaria: Bisherige Medikamente führen zu Resistenzen

In der Leber entwickeln sie sich zu einer aggressiven Form weiter, die in rote Blutzellen eindringt, sich dort vermehrt und die Blutzellen zerstört. Dies verursacht die lebensgefährlichen Symptome wie Fieber, Blutarmut bis hin zu Organversagen.

Es wurden inzwischen zahlreiche Medikamente zur Bekämpfung der Parasiten im Körper entwickelt, doch meist entwickeln sich früher oder später Resistenzen. Helfen kann wahrscheinlich auf lange Sicht nur eine Impfung. Ein Impfstoff für Kinder, der bereits vor der Zulassung steht, wirkte in Tests nur bei einem Drittel der Geimpften.

Foto: Claffra

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Malaria

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.

Mitarbeiter im Gesundheitswesen kämpfen an vorderster Front: Viele kamen während der Pandemie an die Grenzen dessen, was Menschen aushalten können. Eine Studie der Universität Bonn zeigt: Besonders in einer Berufsgruppe haben Ängste und Depressionen behandlungsbedürftige Dimensionen erreicht.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin