. Hirnschrittmacher

Forscher wollen tiefe Hirnstimulation bei Parkinson verbessern

Ein neuer Ansatz könnte die tiefe Hirnstimulation bei Parkinson verbessern. Computersimulationen legen nahe, dass sich die Stimulationssignale den Symptomen des Patienten anpassen lassen. Dadurch könnten Beschwerden besser gelindert werden, wie Wissenschaftler aus Freiburg berichten.

Parkinson und Tiefe Hirnstimulation: Verbesserungspotenziale durch angepasste Stimulationssignale

Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, für die momentan zwei Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Die Therapie mit Medikamenten und die tiefe Hirnstimulation, auch Hirnschrittmacher genannt. Bei letzterer wird eine Elektrode in das Gehirn des Patienten implantiert, die kontinuierlich Stimulationssignale aussendet. Doch da die Symptome von Parkinson nicht konstant sind, halten Neurowissenschaftler das Verfahren für nicht effizient genug. Besser wäre es, die Stimulationssignale den tatsächlichen Symptomen anzupassen, berichtet das Forscherteam um Dr. Ioannis Vlachos von der Universität Freiburg in der Fachzeitschrift „PLoS Computational Biology“.

Gehirnaktivität wird überwacht

Dass dies möglich ist, haben die Forscher an einem Computermodell gezeigt. Im Gegensatz zur herkömmlichen Schrittmachertherapie handelt es sich bei dem neuen Ansatz um einen geschlossen Regelkreis. Hierbei wird die Gehirnaktivität des Patienten aufgezeichnet und an ein neuroprothetisches Gerät übermittelt. Durch die pausenlose Überwachung der Gehirnaktivitäten, die eine Parkinson’sche Erkrankung auszeichnen, wird das Stimulationssignal permanent den Symptomen angepasst. Das heißt, die gewonnenen Daten bestimmen die Intensität der Stimulation. Ist eine stärkere Stimulation notwendig, sendet das Gerät stärkere Signale aus. Nimmt die Aktivität ab, wird auch das Signal schwächer. Sind die Gehirnaktivitäten normal, bleibt das Gerät inaktiv.

 

Weniger Parkinson Symptome

„Wir hoffen, damit mögliche Nebenwirkungen wie Gang- oder Sprachstörungen zu vermeiden, die bei der konventionellen Behandlung mit Tiefenhirnstimulation entstehen können“, erläutert Neurowissenschaftler Vlachos. Zudem sorge das neue Verfahren für eine längere Lebensdauer der Batterie und größere Wartungsintervalle.

Im nächsten Schritt wollen die Freiburger Forscher die neue Methode am Tiermodell überprüfen. Bis sie an Menschen erprobt wird, wird es vermutlich noch Jahre dauern. Nicht nur bei Parkinson, auch bei Epilepsie oder Schizophrenie könnte der Ansatz Anwendung finden, so die Hoffnung.

Untergang von Nervenzellen

Bei Parkinson sterben die Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, einer schwarzen Struktur im Mittelhirn, nach und nach ab. Weder Medikamente noch Hirnschrittmacher sind in der Lage, diesen Untergang zu stoppen.

Foto: © ralwel - Fotolia.com

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