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06.03.2020

Forscher wollen potenzielles Medikament gegen das neue Coronavirus gefunden haben

Um die Vermehrung des Coronavirus im Körper zu stoppen, werden derzeit verschiedene Medikamente getestet. Besonders viel Hoffnung macht offenbar das Medikament Camostat Mesilate. Es ist in Japan zu Behandlung von Bauchspeicheldrüsentzündungen zugelassen.
Bei der Suche nach neuen Medikamenten gegen das Coronavirus sind Forscher auf ein Mittel gegen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse gestoßen. Jetzt müssen klinische Studien folgen

Bei der Suche nach neuen Medikamenten gegen das Coronavirus sind Forscher auf ein Mittel gegen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse gestoßen. Jetzt müssen klinische Studien folgen

Gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 gibt es derzeit weder ein Medikament noch einen Impfstoff. An beidem wird mit Hochdruck geforscht. Zur Behandlung von schwer Erkrankten wurden mangels Alternativen bereits Cocktails aus HIV-, Gripe- und Malaria-Medikamente eingesetzt. Die Fallzahlen sind noch viel zu klein, um auf eine generelle Wirksamkeit zu schließen.

Hoffnung macht unterdessen ein Medikament gegen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) namens Camostat Mesilate. Das Mittel könnte die Vermehrung des Coronavirus im Körper wirksam verhindern. Das lassen die Ergebnisse einer präklinischen Studie vermuten, die jetzt im Fachmagazin „Cell“ veröffentlicht wurden.

Medikament blockiert Eintritt in Lungenzellen

Ein breit aufgestelltes Forscherteam aus Deutschland, an dem Forscher des Deutschen Primatenzentrums, der Charité, des Robert-Koch-Instituts und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung beteiligt sind, hat das Medikament an Zellen von einem Infizierten getestet und dabei festgestellt, dass Camostat Mesilate das Eindringen des Virus in Lungenzellen blockiert. Zu den Studienautoren gehört auch der renommierte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité.  

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Camostat Mesilate auch vor der Krankheit COVID-19 schützen könnte“, sagt der Infektionsbiologe und Erstautor der Studie Markus Hoffmann vom Deutschen Primatenzentrum. Dies sollte nun  im Rahmen von klinischen Studien untersucht werden.

 

Wie sind die Forscher auf das Medikament gestoßen?

Um eine Infektionskrankheit auszulösen, müssen Viren in Körperzellen eindringen. Dazu heften sich die Erreger an geeignete Zellen an und schleusen ihre Erbinformation in diese Zellen ein. Das Forscherteam hatte daher untersucht, wie das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 in Zellen eindringt und dabei die Protease TMPRSS2 als „Hauptverantwortlichen“ identifiziert. Das zelluläre Enzym ist danach für den Eintritt des Virus in Lungenzellen unverzichtbar. Da Camostat Mesilate genau diese Protease hemmt, lag es nahe, das Medikament auch bei Infektionen mit dem Coronavirus zu testen.

Tests mit Coronavirus infizierten Patienten stehen noch aus

Ob Camostat Mesilate nun eine erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeit gegen die vom neuen Coronavirus ausgelöste Krankheit COVID-19 ist, das muss nun an möglichst vielen Patienten untersucht werden. Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Solche Klinischen Studien dauern in der Regel Monate bis Jahre. In diesem Fall könnte es aber etwas schneller gehen, da das Medikament bereits gegen eine andere Erkrankung zugelassen ist und daher als „sicher“ gilt.

Mehr als 90.000 Krankheitsfälle weltweit

Aktuell sind weltweit mehr als 90.000 Krankheitsfälle bestätigt und mehr als 3.000 Menschen sind an COVID-19 gestorben. In Deutschland gibt es bislang über 500 bestätigte Fälle, aber noch keinen Todesfall. Das SARS-Coronavirus-2 breitet sich seit Dezember 2019 aus und ist eng mit dem SARS-Coronavirus verwandt, das in 2002/2003 die SARS-Pandemie ausgelöst hat. Beide Virustypen sind in China vom Tier (vermutlich von Fledermäusen) auf den Menschen übergesprungen und können eine schwere Erkrankung der Atemwege auslösen. 

Foto:© AdobeStock/ Corona Borealis

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin , Corona
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