. Prostatakarzinome

Forscher warnen vor Überdiagnostik bei Prostatakrebs

Fast 50 Prozent aller Männer über 70 haben einen unentdeckten Prostatakrebs. Die meisten dieser Karzinome machen keinerlei Beschwerden. Forscher warnen deshalb vor Überdiagnosen und unnötigen Behandlungen.
Prostatakrebs

Droht eine Überdiagnostik bei Prostatakrebs?

 Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. In Deutschland erhalten rund 70.000 Männer pro Jahr die entsprechende Diagnose. Die tatsächliche Zahl der Betroffenen dürfte sogar noch höher liegen, denn oft bleibt Prostatakrebs unentdeckt. Das bestätigt eine aktuelle Studie, nach der fast jeder zweite Mann über 70 Jahren einen latenten Prostatakrebs hat.

Die Tatsache, dass Prostatakrebs so oft unentdeckt bleibt, ist nach Auffassung der Studienautoren jedoch nicht unbedingt ein Problem – manchmal könnte sogar das Gegenteil der Fall sein. Denn die Forscher befürchten, dass mit immer genaueren Untersuchungsmethoden viel zu oft ein Prostatakrebs diagnostiziert und dann auch behandelt werden könnte, der auch ohne Therapie nie Probleme gemacht hätte. Sie warnen daher vor möglichen Überdiagnosen bei Prostatakrebs und den daraus resultierenden Behandlungen mit all ihren Nebenwirkungen.

Jeder Zweite über 70 hat latenten Prostatakrebs

Die Wissenschaftler vom Centre for Research in Evidence Based Practice in Gold Coast in Australien werteten für ihre Meta-Analyse 29 Studien aus, in denen insgesamt bei mehr als 8.000 Männern ohne vorbekannten Prostatakrebs im Rahmen der Autopsie die Vorsteherdrüse histologisch untersucht worden war. Das Ergebnis: Bei jedem zweiten Mann über 70 wurde nach seinem Tod ein Prostatakarzinom gefunden, das zu Lebzeiten unentdeckt geblieben war. Bei den 60- bis 69-Jährigen wies rund ein Drittel der Männer einen vorher nicht diagnostizierten Prostatakrebs auf, bei den über 80-Jährigen waren es 59 Prozent. Alle untersuchten Männer waren an einer anderen Todesursache verstorben.

Interessanterweise konnte über den gesamten Studienzeitraum, der die Jahre zwischen 1948 und 2013 einbezog, keine Steigerung der Prostatakarzinom-Prävalenz festgestellt werden. Im Gegensatz dazu steht die Detektionsrate, die vor allem mit der Verbreitung von PSA-Tests dramatisch angestiegen ist. Zwar ist nicht auszuschließen, dass es tatsächlich eine Steigerung von aggressiv wachsenden Tumoren gibt, doch zumindest bei langsam wachsenden Tumoren scheint dies nicht der Fall zu sein. Die steigenden Zahlen beim Prostatakrebs insgesamt könnten also auch nur durch die besseren Diagnosemethoden begründet sein.

Behandlung nicht immer notwendig?

Die Forscher um Studienleiterin Katy Bell warnen daher vor Überdiagnosen bei einem Prostatakrebs-Screening: „Wenn Biopsie und Beurteilung dieser Tumoren ante mortem stattgefunden hätten, wären wahrscheinlich viele als hochgradig eingestuft und aktiv behandelt worden“, so die Studienautoren. Sie fordern daher bessere Methoden zur Unterscheidung von aggressiven und harmlosen Prostatakarzinomen. Denn ernstzunehmen ist die Diagnose durchaus – immerhin sterben rund 12.000 Männer jedes Jahr an Prostatakrebs.

Foto: © BlueSkyImages, Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Prostatakrebs

| Vom 4. bis 8. September 2017 findet die Themenwoche Prostatakrebs statt, um die Öffentlichkeit über den häufigsten Tumor des Mannes aufzuklären. Fünf Tage lang informiert die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) gemeinsam mit Kooperationspartnern über das Thema Prostatakrebs.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer abnehmen möchte, greift gerne auf Obst zurück. Es ist vergleichsweise kalorienarm und lecker. Ernährungsexperten raten allerdings von zu vielen Obstmahlzeiten am Tag ab. Die zuckerhaltigen Snacks könnte den gegenteiligen Effekt bewirken.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.