. Diabetesforschung

Forscher testen Insulin-Impfung gegen Typ 1 Diabetes

Bei Typ 1 Diabetes zerstört das körpereigene Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, haben Forscher eine präventive Insulin-Impfung entwickelt. Derzeit wird die Impfung an Kindern mit einem hohen Diabetes-Risiko getestet.
Forscher testen Insulin-Impfung gegen Typ 1 Diabetes

PrePoint-Studie: Wollen herausfinden, ob die Insulin-Impfung dauerhaft vor Typ1 Diabetes schützt

Diabetes Typ 1 beginnt meist schon im Kindesalter. Betroffene müssen ihr Leben lang mehrmals am Tag Insulin spritzen, weil sie nicht mehr genügend Insulin produzieren. Denn bei diesem Diabetes Typ zerstört das körpereigene Immunsystem nach und nach die Insulin produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Ausgelöst wird die Autoimmunreaktion durch Antigene, etwa dem Insulin selbst, die der Organismus fälschlicherweise als „Fremdkörper“ einstuft und bekämpft. Normalerweise entwickelt das Immunsystem eine Immuntoleranz gegen die körpereigenen Proteine, so dass es nicht zu einer Autoimmunreaktion kommt. Zusätzlich stellt der Körper Zellen bereit, die die Zerstörung der eigenen Zellen verhindern.

Insulin-Pulver ruft positive Immunreaktion hervor

Dieses Prinzip hat sich ein internationales Diabetesforscher Team zu Nutze gemacht und eine präventive Insulin-Impfung entwickelt. Mit Hilfe eines Insulin-Pulvers soll eine positive Immunantwort „antrainiert“ werden, wie die Forscher im Fachmagazin JAMA berichten. Erste Ergebnisse einer Studie mit Kindern aus vier Ländern, die ein hohes Erkrankungsrisiko für Typ 1 Diabetes haben, zeigen positive Effekte: Die orale Verabreichung rief bei den Kindern eine positive Immunreaktion hervor. Zu Nebenwirkungen wie einer Unterzuckerung kam es dagegen nicht.

Bei der Pre-POINT Studie handelt es sich um eine Doppel-Blind-Studie. Eine Gruppe der Kinder nahm im Laufe von sechs Monaten eine ansteigende Dosis des Pulvers zusammen mit der Nahrung ein. In der höchsten Dosis (67,5 mg) rief das Insulinpulver schließlich die gewünschte Immunantwort hervor. Die Kontrollgruppe erhielt nur ein wirkungsloses Placebo.

Nach Ansicht von Prof. Anette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung Dresden ist das Besondere an dieser Doppel-Blind-Studie, dass das Insulin prophylaktisch als Impfstoff zu einem Zeitpunkt verabreicht wurde, an dem die Kinder noch keine Autoimmunreaktion – das heißt noch keine Autoantikörper – entwickelt hatten. „Dies ist eine Revolution bei der Behandlung von Typ 1 Diabetes“, sagt Ziegler. „Aber die Vorgehensweise ist nur folgerichtig: Wenn das Immunsystem die schützende Immunantwort nicht von selbst lernt, muss die Medizin eben ein bisschen Nachhilfe geben.“

 

Keine Nebenwirkungen

Auch dass es keine unerwünschten Nebenwirkungen gab, werten die Wissenschaftler als wichtigen Befund. „Das zeigt, dass wir die regulären Vorgänge im Körper eines gesunden Kindes, die eine Typ 1 Diabetes-Erkrankung verhindern, erfolgreich nachgeahmt haben“, kommentiert Studienleiter Prof. Ezio Bonifacio vom DFG Center for Regenerative Therapies an der TU Dresden das Ergebnis. Da das Insulin in dieser Verabreichungsform im Magen aufgespalten wird, hatte es offenbar keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. „Wir vermuten, dass der Hauptanteil der Immunantwort auf das Insulin bereits im Mund abläuft.“

Langzeitwirkung der Insulin-Impfung gegen Typ 1 Diabetes wird erprobt

Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler testen, ob eine Insulin-Impfung den Ausbruch der Erkrankung dauerhaft verhindern kann. „Die Ergebnisse der Pre-POINT Studie sind, ein erster Schritt dahin, Typ 1 Diabetes bei Kindern mit hohem Erkrankungsrisiko möglicherweise verhindern zu können“, sagt Julia Greenstein, von der Juvenile Diabetes Research Foundation (JDFR), die das Projekt finanziell unterstützt. „Sollte der Impfstoff die Autoimmunerkrankung dauerhaft verhindern, wäre der Weg frei für eine flächendeckende Vorsorgeimpfung gegen Diabetes Typ1.“

Neben den Dresdner Wissenschaftlern waren auch Wissenschaftler aus München, Wien, Bristol (England) und Denver (USA) an der Studie beteiligt. 

Foto: © ehrenberg-bilder - Fotolia.com

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