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20.06.2019

Forscher testen Antibiotikum als Mittel gegen Depression

Forscher der Charité Berlin testen derzeit ein Antibiotikum als Mittel gegen Depressionen. Patienten, die an der Studie teilnehmen möchten, können sich noch bis September 2019 dafür bewerben.
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Bei einigen Patienten, die an Depressionen leiden ist das Immunsystem aktiviert. Das liefert einen neuen Therapie-Ansatz

Ein Drittel der Patienten, die an Depressionen leiden, sprechen auf die herkömmlichen Medikamente nicht an. Forscher suchen daher nach neuen Behandlungsansätzen. Prof. Isabella Heuser, Leiterin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité - Universitätsmedizin Berlin auf dem Campus Benjamin Franklin, testet jetzt ein Antibiotikum als Wirkstoff gegen die psychische Erkranung.

Hintergrund: Obwohl keine Infektion durch Bakterien, Viren oder Pilze vorliegt, ist bei einigen Patienten das Immunsystem aktiviert. Noch ist unklar, was Ursache und was Wirkung ist: Wird durch Stress zuerst das Immunsystem aktiviert und löst die Depression aus? Oder werden durch eine Depression vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die das Immunsystem stimulieren? Stressantwort und Immunantwort sind bekanntermaßen eng miteinander verflochten.

Minocyclin soll überaktives Immunsystem beruhigen

"Auch wenn wir die pathophysiologische Kausalkette noch nicht aufzeigen können: Das bedeutet nicht, dass wir nicht versuchen können, das überaktive Immunsystem zu beruhigen", sagt Heuser, "und zwar mit Minocyclin, einem bewährten und gut verträglichen Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline." Es wirke nicht nur antibakteriell, sondern auch entzündungshemmend und neuroprotektiv, schütze also Nervenzellen und -fasern.

Minocyclin kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden, die das Gehirn normalerweise vor Krankheitserregern oder Stoffen schützt, die im Blut zirkulieren. Das ist in diesem Fall entscheidend, denn das Gehirn hat sein eigenes Immunsystem, was ebenfalls aktiviert wird, wenn der Körper entzündungsfördernde und entzündungshemmende Botenstoffe, die sogenannten Zytokine, ausschüttet.

 

Immunantwort beeinflusst Ausschüttung von Endorphinen

Und was passiert im Gehirn, wenn dessen Immunsystem auf die Barrikaden geht? "In bestimmten Hirnarealen, wie dem Limbischen System, das unsere Emotionen reguliert, beeinflussen Zytokine die Wirkung von Botenstoffen wie Dopamin, Noradrenalin und Acetylcholin", erläutert Isabella Heuser in einer Pressemitteilung der Freien Universität (FU) Berlin. "Das führt zu Verhaltensänderungen."

Störungen des Limbischen Systems, das auch für die Ausschüttung von Glückshormonen (Endorphinen) verantwortlich ist, werden als Ursache verschiedener Erkrankungen angesehen, darunter posttraumatische Belastungsstörungen, Autismus und eben auch Depressionen

Forscher testen Antibiotikum als Mittel gegen Depressionen

In einer multizentrischen Doppelblindstudie testet Forscherin Heuser derzeit die Wirksamkeit des Antibiotikums Minocyclin als Mittel gegen Depressionen an 160 Probanden. Dabei wissen weder die Versuchsleitung noch der Patient, wer den Wirkstoff, und wer ein Placebo erhält. Beteiligt sind neben der FU Berlin die Universitätskliniken  Aachen, Erlangen, Frankfurt, Göttingen, München und Regensburg sowie das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

Die Studienteilnehmer erhalten über sechs Wochen eine gleichbleibende Dosis Minocyclin und werden in dieser Zeit einmal wöchentlich ausführlich zu ihrem Befinden befragt. Nach sechs Monaten werden sie erneut einbestellt. Vor und nach der Antibiotikatherapie wird ihnen Blut abgenommen und auf alle bekannten Zytokine hinuntersucht. "Wir hoffen, am Ende zeigen zu können, dass Probanden, die diese Entzündungsmarker haben, tatsächlich positiv auf das Antibiotikum reagiert haben", erklärt Isabelle Heuser

Interessierte Patienten können sich bis September 2019 bewerben

Noch bis September 2019 können sich Interessierte für die ambulante Minocyclin-Studie bewerben (vera.clemens@charite.de). Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass zuvor zwei abgeschlossene antidepressive Therapieversuche mit unterschiedlicher Medikation fehlgeschlagen sind. Mit den Ergebnissen der Studie ist Anfang 2020 zu rechnen.

Foto: fizkes/fotolia.com

Foto: ©fizkes - stock.adobe.com

Autor: bab
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