. Neue Studie zu Morbus Parkinson

Forscher sind Dyskinesien bei Parkinson auf der Spur

Warum treten ungewollte Überbewegungen (Dyskinesien) nicht bei allen Parkinson Patienten auf? Dieser Frage gehen jetzt Wissenschaftler aus Würzburg nach. Einen ersten Verdacht haben sie schon.
Forscher sind Dyskinesien bei Parkinson auf der Spur

Bilder aus dem Gehirn sollen neue Informationen über Dyskinesien liefern

Morbus Parkinson ist anfangs gut behandelbar. Das Medikament L-Dopa gleicht den Dopamin-Mangel im Gehirn aus, der durch das Absterben von Nervenzellen der Gehirnregion Substantia nigra entsteht. Allerdings kann L-Dopa das fortschreitende Absterben der Gehirnzellen nicht stoppen. Im Verlauf der Erkrankung ändert sich daher auch die Wirksamkeit der L-Dopa-Therapie, denn die Anzahl der Zellen, die L-Dopa benutzen können, nimmt gleichermaßen ab. Zudem verändert sich die Aktivität der verbleibenden Zellen, was zu neuen Bewegungsstörungen führen kann. Neben dem On-Off-Phänomen – einem plötzlichen Wechsel von guter zu schlechter Beweglichkeit – gehören hierzu vor allem ungewollte Überbewegungen, die sogenannten Dyskinesien.

Parkinson: an Dyskinesien sind mehrere Botenstoffe des Gehirns beteiligt

„Im Verlauf der Therapie kommt es bei vielen Patienten zu Dyskinesien“, sagt Professor Ioannis Isaias von der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg. „Aber längst nicht bei allen Patienten treten diese unkontrollierbaren Zuckungen der Arme oder Beine auf.“ Warum das so ist und was sich möglicherweise gegen Dyskinesien tun lässt, das will ein Team von Neurologen und Nuklearmedizinern in Würzburg jetzt in einer Studie herausfinden. Die Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Disease (USA) unterstützt das Projekt mit rund 114.000 US-Dollar.

„Aus Untersuchungen am Tiermodell ist bekannt, dass bei der Entstehung der Dyskinesien mehrere Botenstoffsysteme des Gehirns beteiligt sind, wie zum Beispiel das cholinerge System“, erläutert Isais. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass die Aktivität des cholinergen Systems eine nervenschützende Wirkung auf das Dopamin-System haben könnte, das bei Parkinson-Patienten hauptsächlich beeinträchtigt ist.

Wechselwirkung zwischen Dopamin- und cholinergen-System

Diese Spur wollen der Neurologe und seine Kollegen nun weiter verfolgen. Mit Hilfe der sogenannte SPECT-Technik nach (Single Photon Emission Computer Tomography) wollen die Wissenschaftler unter anderem die Wechselwirkungen erforschen, die im Gehirn von Parkinson-Patienten zwischen dem Dopamin-System und dem Cholinergen-System ablaufen. Die SPECT-Technik erlaubt die funktionelle Darstellung der Vorgänge im Gehirn. Auch spezielle neue Marker, die die Aktivitäten des cholinergen Systems sichtbar machen, sollen zum Einsatz kommen.

Die Studie schließt 100 Parkinson-Patienten ein

Rund 100 Parkinson-Patienten sollen zunächst Marker verabreicht bekommen, die im Gehirn gezielt an das cholinerge System binden. Mittels einer 40 Minuten dauernden SPECT-Untersuchung entstehen schließlich detaillierte Einblicke in den Gehirnstoffwechsel von Patienten mit und ohne Dyskinesien.

Die Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich Anfang 2015 vorliegen. „Vielleicht können wir damit künftig vorhersagen, bei welchen Parkinson-Patienten unter L-Dopa Dyskinesien auftreten werden“, erläutert Prof. Isaias das Vorhaben. „Und vielleicht bekommen wir dadurch auch neue Anhaltspunkte dafür, wie wir diesen Patienten besser helfen können.“

Foto: © sudok1 - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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