. FSME-Infektion

Forscher sammeln Zecken um FSME-Risiko besser einzuschätzen

Forscher sammeln und filmen Zecken. Die neuen Projekte sollen helfen, das FSME-Risiko für den Menschen besser einzuschätzen, heißt es im Vorfeld des 4. Süddeutschen Zeckenkongresses.
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Forscher sammeln bundesweit Zecken, um das Risiko für eine FSME-Infektion besser vorhersagen zu können

Forscher filmen Zecken beim Krabbeln – um das Risiko für die durch Zecken übertragene FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) besser einschätzen zu können. Darüber berichten Wissenschaftler im Vorfeld des 4. Süddeutschen Zeckenkongresses in Stuttgart. Bei 499 Menschen wurde im vergangenen Jahr die Erkrankung diagnostiziert, die bei Kindern wie Erwachsenen zu Lähmungen oder Tod führen kann. Einziger Schutz ist die Impfung, betont Dr. Gerhard Dobler, Leiter der Virologie und Rickettsiologie am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München und des Nationalen Konsiliarlabors für FSME.

Ein Computermodell soll künftig erlauben, Prognosen zum Zecken-Risiko an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten abzugeben. Grundlage sind bundesweite Beobachtungsdaten. „Insgesamt haben wir fast 100 Standorte ausgesucht, in denen dreimal im Monat Zecken gesammelt und untersucht werden. Dabei handelt es sich um  Mischwälder, Laub- und Nadelwälder, Agrarflächen oder Siedlungsräume“, berichtet Prof. Uta Mackensted von der Universität Hohenheim, Initiatorin des Kongresses.

Forscher sammeln Zecken – um FSME-Risiko besser einzuschätzen

Am Veterinärmedizinischen Universität in Wien werden diese Daten zusammengeführt und ergänzt mit Klimadaten und anderen Phänomenen, etwa ob es ein Jahr mit Buchenmast war, also ein Jahr, in dem ein großes Nahrungsangebot auch den Wildtierbestand ansteigen lässt. „Die Auswertung soll uns Aufschluss geben, wie sich die Situation in Deutschland ändert, ob wir aus der Zeckendichte auch ein Krankheitsrisiko ableiten können oder wann und wo die FSME-Gefahr im kommenden Jahr besonders hoch sein könnte“, erklärt die Parasitologin.

Ein weiteres Untersuchungsziel ist es, zu klären, wie FSME das Verhalten von Zecken ändert: „Wenn Zecken einen Wirt suchen, wandern sie an Grashalmen nach oben und warten dort auf Warmblütler. Eine neue Studie aus Osteuropa deutet an, dass FSME-Viren dieses Suchverhalten von Zecken verlängern könnten“, berichtet Prof.  Mackenstedt. Mit Hilfe von Kameras soll diese Theorie überprüft werden. Dazu legen die Forscher Karrees mit Laubfüllung und senkrechten Stäben an. Die Videoüberwachung hält fest, wie lange und oft die Zecken im Laub nach oben oder unten krabbeln -  und wie hoch damit das Risiko für den Menschen für eine FSME- Infektion ist.

 

Erste Zeckenfälle in den Niederlanden

85 Prozent der FSME-Erkrankungsfälle traten 2017  in Bayern und Baden-Württemberg auf. Doch die Krankheit breitet sich nach Norden aus. „Die Statistik zeigt uns ganz neue Hot-Spots in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Zum allerersten Mal erhalten wir sogar Erkrankungsberichte aus den Niederlanden“, so die Zeckenexpertin Prof. Mackenstedt.

Die Projekte sind Teil des Forschungskonsortiums „Tick-borne encephalitis in Germany“ (TBENAGER) , das unter der Leitung von Dr. Dobler steht. Zu den Mitgliedern gehören neben dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und der Universität Hohenheim auch das Robert-Koch-Institut, das Friedrich-Löffler-Institut und die Landesgesundheitsämter Bayern und Stuttgart. Das Bundesforschungsministerium fördert.

Foto: mirkograul/fotolia.com

Autor: bab
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