. Neue Medikamente

Forscher sagt Alzheimer den Kampf an

„In der Generation unserer Kinder wird es kein Alzheimer mehr geben.“ Dies behauptet der Alzheimer-Forscher Roger Nitsch. Er hat den Wirkstoff Aducanumab erfunden, der aktuell in einer Phase-3-Studie getestet wird.
Alzheimer-Forscher sind zuversichtlich: Es wird ein Heilmittel gegen Alzheimer geben

Alzheimer-Forscher sind zuversichtlich: Es wird ein Heilmittel gegen Alzheimer geben

Die Pille gegen Alzheimer gibt es noch nicht. Doch glaubt man dem Alzheimerforscher Prof. Roger Nitsch vom Institut für Regenerative Medizin der Universität Zürich wird es sie bald geben. „Wir sind fast da, es dauert nur noch ein paar Jahre. In der Generation unserer Kinder wird es kein Alzheimer mehr geben“, sagte er bei beim Alzheimer’s & Parkinson’s Diseases Congress (AD/PD) am Freitag in Wien.

Nitsch ist Erfinder des Wirkstoffs Aducanumab, der zurzeit in einer Phase-3-Studie an einer großen Probandenzahl getestet wird. Der Antikörper richtet sich gegen die für Alzheimer charakteristischen Plaques aus Beta-Amyloid. In ersten klinischen Tests hatte sich der Wirkstoff im Alzheimer-Frühstadium als sicher und wirksam erwiesen. Hirnschwellungen, wie sie bei hoher Dosis gelegentlich auftraten, konnten durch eine niedrigere Dosis zurückgedrängt werden. Die Probandenzahlen waren aber zu klein, um verlässliche Rückschlüsse ziehen zu können. Die aktuelle Phase-3-Studie umfasst nun 2.300 Teilnehmer. Belastbare Ergebnissen werden erst in einigen Jahren erwartet.

Pillen gegen Alzheimer-Plaques in Entwicklung

Daneben werden derzeit weitere Wirkstoffe gegen Alzheimer in klinischen Studien getestet, die ebenfalls Eiweißablagerungen im Gehirn angreifen. Bisherige Medikamente versuchen dagegen die Hirnleistung zu stimulieren – mit geringem Erfolg.

„Wir haben die Hoffnung, irgendwann ein Heilmittel zu finden. Diese Hoffnung ist auch mit dem Namen Roger Nitsch verbunden“, sagte Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Lorrain von der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI).

Roger Nitsch war der erste Wissenschaftler, der eine Projektförderung der AFI bekam. Damals, 1996, forschte Nitsch noch am Zentrum für Molekularbiologie der Universität Hamburg. Im Projekt „Untersuchung von erinnerungsspezifischen Rezeptoren“ beschäftigte sich Nitsch mit für die Erinnerung relevanten Genen und wie sie durch Alzheimer-Medikamente beeinflusst werden können. „Die Förderung der Alzheimer Forschung Initiative war für mich der erste Grant nach meiner Rückkehr aus Boston. Diese Förderung hat mir meine weitere Arbeit ermöglicht“, sagte Nitsch in Wien. Noch vor dreißig Jahren sei er von Medizinern und Forschern ausgelacht, als er sagte, dass er sich für das Thema Alzheimer-Forschung interessiere. „Damals wusste niemand, dass Alzheimer eine richtige Krankheit ist“.

 

Aducanumab noch nicht verfügbar

Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) engagiert sich seit 1995 in der Alzheimerforschung und hat seither rund über 8,4 Millionen Euro für verschiedene Forschungsansätze bereitgestellt. An der Entwicklung von Aducanumab ist die gemeinnützige Initiative nicht beteiligt ist und hat nach eigenen Angaben auch keine Verbindungen zur Pharmaindustrie. Das Alzheimer–Medikament wird von der US-Biotechfirma Biogen entwickelt und ist derzeit nur im Rahmen der Studie erhältlich.

Foto: © designua - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Neurowissenschaften , Alzheimer
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alzheimer

| Wer Fragen rund um das Thema Alzheimer hat, selbst betroffen ist oder einen erkrankten Angehörigen pflegt, kann sich an das Alzheimer-Telefon wenden. Die Berater unterstützen die Ratsuchenden beim Umgang mit der Erkrankung, konkreten Fragen zur Behandlung und der Suche nach Unterstützungsangeboten.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.