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18.05.2020

Forscher identifizieren Krankheitsauslöser für Pankreatitis

Forscher der TU München haben eine neue Erklärung dafür gefunden, wie eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse entstehen kann. Bisher sah die Wissenschaft den Auslöser für die Pankreatitis in denjenigen Zellen des Organs, die Verdauungsenzyme produzieren. Jetzt wurde festgestellt, dass offenbar ein Gendefekt in Zellmembranen die entscheidende Rolle spielt.
Pankreatitis Bauchspeicheldrüsen-Entzündung

Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse führt durch die freiwerdenden Verdauungsenzyme zu einer Selbstverdauung des im oberen Bauchbereich liegenden Organs.

An einer chronischen Pankreatitis leiden Menschen, deren Bauchspeicheldrüse sich immer wieder oder dauerhaft entzündet. „Ursache hierfür ist häufig ein jahrelanger Alkohol- oder Zigarettenkonsum. Auch erbliche Faktoren, bestimmte Medikamente oder erhöhte Fett- und Kalziumwerte im Blut können eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen“, sagt Heiko Witt, Professor für Pädiatrische Ernährungsmedizin am Else Kröner-Fresenius Zentrum (EKFZ) der Technischen Universität München (TUM). Ein Forscherteam aus vier Nationen hat jetzt unter seiner Leitung offenbar bahnbrechende neue Erkenntnisse zur Entstehung der Pankreatitis gewonnen.

Wie genau entsteht eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung?

Aber wie genau entsteht die chronische Pankreatitis? Bisher richtete die Forschung hier ihren Hauptfokus auf die sogenannten Azinuszellen der Bauchspeicheldrüse, die die Verdauungsenzyme herstellen. Der Grund: Bei vielen Erkrankten mit erblich bedingter Pankreatitis lassen sich Mutationen in Verdauungsenzymen oder in Molekülen feststellen, die die Wirkung dieser Enzyme hemmen.

 

Neue Perspektiven für die Behandlung und Prävention von Pankreatitis

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Technischen Universität München (TUM) und weiterer Experten aus Deutschland, Japan und Frankreich hat jetzt eine neue organische Ursache für die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ausgemacht: An der Entstehung der Erkrankung sind demnach Mutationen in einem Ionenkanal in der Zellmembran beteiligt, der eine spezifische Durchlässigkeit für Kalziumionen besitzt. Nach Angaben der TU München eröffnen sich damit neue Perspektiven für die Behandlung und Prävention der chronischen Pankreatitis.

Funktionsstörung des Kalziumkanals verursacht Pankreas-Entzündung

In der aktuellen Untersuchung bei europäischen und japanischen Patienten mit nicht-alkoholischer chronischer Pankreatitis stellte sich heraus, dass Gendefekte, die die Funktion des Kalziumkanals TRPV6 stark beeinträchtigen, eine früh einsetzende chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen. „Ein erblicher TRPV6-Defekt ist ein weltweit auftretender, schwerer Risikofaktor für eine chronische Pankreatitis“, sagt Studienleiter Witt.

Was sind Kalziumkanäle?

Kalziumkanäle sind mikroskopisch kleine Komponenten, die eine wichtige Rolle bei den Lebensvorgängen im Körpergewebe spielen – so etwa bei der Muskelanspannung, der Schmerzentstehung oder der Produktion von Hormonen. Mit dem neuen Erklärungsansatz der aktuellen Studie werden im Konzept der Krankheitsentstehung auch neue Funktionsbestandteile der Bauchspeicheldrüse berücksichtigt, die „Gangzellen“: Diese kleiden die im Organ befindlichen Kanäle aus, die die Verdauungsenzyme vom Produktionsort in den Darm leiten.

Neues Verständnis für Entzündung der Bauchspeicheldrüse

In ihrer Entdeckung, dass die gestörte Funktion eines Kalziumkanals offenbar Krankheits(mit)verursacher ist, sehen die Münchner Wissenschaftler neue Ansatzmöglichkeiten sowohl für die Grundlagenforschung als auch in der Patientenbehandlung. Das Fazit des Studienleiters und Ernährungsmediziners Witt lautet: „Die Entschlüsselung der erblichen Grundlagen einer Pankreatitis wird unser Verständnis dieser Formen der genetisch bedingten Bauchspeicheldrüsenentzündung wie auch unser Verständnis der alkoholisch bedingten Pankreatitis entscheidend beeinflussen und neue Forschungsansätze eröffnen, die in der Zukunft möglicherweise auch zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führen.“

Bauchspeicheldrüse: Steuerorgan für den Blutzuckerspiegel

Die Bauchspeicheldrüse ist ein Organ im oberen Teil des Bauchs, das Verdauungsenzyme in den Zwölffingerdarm abgibt. Die Enzyme der Bauchspeicheldrüse spalten Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette der Nahrung im Darm in eine von der Darmschleimhaut aufnehmbare Form. Darüber hinaus werden in der Bauchspeicheldrüse Hormone gebildet, die direkt ins Blut gehen und für die Regulation des Kohlenhydrat-Stoffwechsels über den Blutzuckerspiegel sowie von Verdauungsprozessen verantwortlich sind (Beispiel: Insulin). Eine häufige Organstörung ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse führt durch die freiwerdenden Verdauungsenzyme zu einer Selbstverdauung des Organs.

Foto: AdobeStock/SciePro

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Hauptkategorie: Medizin
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