Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
02.08.2017

Forscher finden neues Mittel gegen Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen

Eine Substanz, die für die rheumatoide Arthritis entwickelt wurde, könnte ein neuer Therapieansatz gegen Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sein. Wissenschaftler waren auf das Mittel aufmerksam geworden, weil es vielversprechende Effekte an Herzgewebe zeigt.
Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sind Volksleiden. Eine neue Substanz macht Hoffnung auf eine wirksamere Therapie

Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sind Volksleiden. Eine neue Substanz macht Hoffnung auf eine wirksamere Therapie

Der Wirkstoff Rimacalib war ursprünglich zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) entwickelt worden, erwies sich in klinischen Studien jedoch nicht als ausreichend wirksam. Nun könnte sich die Substanz auf einem ganz anderen Gebiet bewähren: als Herzmedikament.

Wissenschaftler der Uniklinik Regensburg hatten vielversprechende Effekte an Herzgewebe beobachtet, als sie nach einer neuen Therapie gegen Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen suchten. Laut Studienleiter Prof. Lars Maier schließt der Wirkstoff eine Lücke, die trotz der enormen Patientenzahlen bisher nicht geschlossen werden konnte.

Substanz könnte Lücke in der Herztherapie schließen

 „Die untersuchte Substanz SMP-114, auch Rimacalib genannt, setzt an einem zentralen Pathomechanismus bei der Entstehung von Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen an, der von den aktuell verfügbaren medikamentösen Therapien noch nicht ausreichend behandelt werden kann“, sagt der Leiter der Inneren Medizin am Uniklinikum Regensburg mit Blick auf die erfolgreich verlaufenen Laborversuche an menschlichen Zellen.

 Hintergrund ist, dass bei den beiden Herzerkrankungen der Calciumhaushalt gestört ist, so dass die Kontraktionskraft des Herzens vermindert ist. Hervorgerufen wird die fehlerhafte Calciumversorgung des Herzens durch ein Leck des zellinternen Calciumspeichers, dem sarkoplasmatischen Retikulum (SR). Die Hemmung des SR-Lecks gilt daher als neue Therapiemethode, doch bislang fehlte eine passende Substanz. Mit Rimacalib scheint das Team um Maier nun einen Wirkstoff gefunden zu haben, der für die Behandlung im Menschen eingesetzt werden kann.

 

Einsatz am Menschen noch lange hin

„Wir konnten zeigen, dass Rimacalib das Calciumleck im sarkoplasmatischen Retikulum deutlich verringert, was in unserem Modellversuch die Zellfunktionen verbesserte und in Folge auch Rhythmusereignisse wirksam verhinderte“, erläutert Co-Autor Dr. Stefan Neef. Dadurch sei das Potenzial von Rimacalib für einen neuartigen Therapieansatz zur Behandlung von Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen erwiesen worden.

Nun wollen die Wissenschaftler die Einsatzmöglichkeiten im Menschen erforschen „und im besten Fall für unsere Patienten im klinischen Einsatz nutzbar zu machen“, so die Regensburger Wissenschaftler.

 Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Herzinsuffizienz , Herzrhythmusstörungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzschwäche

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Zuckungen, Taubheitsgefühle, Krampfanfälle: Psychische Extremsituationen in der frühen Kindheit können sich bei Erwachsenen in Form von irreführenden körperlichen Symptomen äußern, die oft Fehldiagnosen auslösen. Dann werden beispielsweise „epileptische Anfälle" behandelt, die keine sind – manchmal jahrelang. Als erstes Uniklinikum bundesweit bietet das in Bonn jetzt für „dissoziative Störungen“ eine Spezialsprechstunde an.


Kinder reagieren besonders sensibel auf Giftstoffe im Tabakrauch. Ihr Körper kann Gifte dazu noch schlechter abbauen. Wer als Erwachsener in Gegenwart von Kindern raucht, erhöht deren Risiko, Asthma und andere Krankheiten zu bekommen. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Deutschen Lungentags am 25. September hin.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin