. Neurodermitis

Forscher finden neue Neurodermitis-Gene

Auf die Suche nach genetischen Ursachen der Neurodermitis hat sich ein Wissenschaftlerteam des Exzellenzclusters „Entzündungsforschung“ und des Helmholtz-Zentrums München gemacht. Sie fanden zehn weitere Bereiche im menschlichen Erbgut, deren Veränderungen das Erkrankungs-Risiko erhöhen.
Neurodermitis führt zu juckender, schuppiger Haut

Zwei von zehn Kindern erkranken an Neurodermitis

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, ist eine lang andauernde und phasenweise auftretende Erkrankung der Haut, die oft zu Entzündungen (Ekzemen) und starkem Juckreiz führt. Ihre Ursachen sind bis heute nicht hinreichend erforscht.

Dem Team um Studienleiter und Clustermitglied Prof. Stephan Weidinger, stellvertretender Direktor der Universitäts-Hautklinik Kiel, gelang es, in einer großen Studie zehn neue DNA-Abschnitte und damit Gene herauszuarbeiten, die das Risiko für die Erkrankung erhöhen.

Neurodermitis-Gene steuern auch andere entzündliche Erkrankungen

Dabei zeigten sich auch Unterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Insgesamt wertete das Studienteam die Daten von rund 350.000 Teilnehmern aus Europa, Amerika, Asien und Australien aus. Darunter waren an Neurodermitis Erkrankte und Gesunde.


Die Mehrzahl der jetzt identifizierten Gene spielen eine Rolle für die Balance des Immunsystems und dessen Reaktion auf Umweltreize und beeinflussen auch das Risiko für andere entzündliche Erkrankungen, heißt es weiter in einer Mitteilung des Helmholtz-Zentrums.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es bei vielen Menschen eine vererbte Anfälligkeit für Entzündungserkrankungen im Allgemeinen gibt. Daneben sind spezielle erbliche und umweltbedingte Einflüsse dafür verantwortlich, dass sich diese Anfälligkeit auf der Haut ausprägt“, so Weidinger. 

Neurodermitis-Gene: Einflüsse von Umwelt-Faktoren klären

Nun soll im Detail aufgeklärt werden, über welche molekularen Mechanismen die identifizierten Genvarianten das Risiko für Entzündungskrankheiten und speziell für Neurodermitis erhöhen. Zudem ist zu klären, wie diese durch Lebensstil- und Umweltfaktoren beeinflusst werden. „Nur so werden wir in der Lage sein, Tests zu entwickeln, die eine Vorhersage des Erkrankungsrisikos erlauben, sowie verbesserte Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen zu entwickeln oder vorhandene passgenauer einzusetzen“, so Prof. Weidinger.

Neurodermitis zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. In Deutschland erkranken etwa zwei von zehn Kindern und jeder zehnte Erwachsene. Mindestens die Hälfte der betroffenen Kinder leidet zeitlebens an der Krankheit, die zu einem erhöhten Risiko für andere entzündliche Erkrankungen wie Asthma, Pollen-Allergie und der Autoimmunerkrankung Morbus Crohn führt. Sie führt auch zu einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Foto: Marco Herrndorf

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

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