. Herzinfarkt Familienstudie

Forscher finden Herzinfarkt-Gen

Herzinfarkte gehen größtenteils auf den Lebensstil zurück. Doch manche Menschen sind auch erblich vorbelastet. Forscher haben jetzt zwei Gen-Mutationen identifiziert, die bei gemeinsamem Auftreten das Herzinfarktrisiko dramatisch erhöhen.
Forscher finden Herzinfarkt-Gen

Den Herzinfarkt im Erbgut: 23 Herzinfarktpatienten in nur einer Familie

Die “Deutsche Herzinfarkt-Familienstudie” geht seit 1997 genetischen Ursachen für den Herzinfarkt auf die Spur. Besonders interessant für die Wissenschaftler sind Familien, in denen gehäuft Herzinfarkte auftreten. So stießen Wissenschaftler der Universität Lübeck und vom Deutschen Herzzentrum München auf eine ungewöhnlich große Familie aus Deutschland: 23 Familienmitglieder erlitten bereits einen Herzinfarkt.

Dass dies kein Zufall, sondern erblich bedingt ist, konnten die deutschen Wissenschaftler zusammen mit ausländischen Kollegen von 34 weiteren Institutionen aus sieben Ländern nun belegen. Demnach erhöhen zwei mutierte Gene namens GUCY1A3 und CCT7 dramatisch das Herzinfarktrisiko. Vereinfacht gesagt wirken sich die gen Gen-Mutationen auf den Stickstoffmonoxid (NO)-Signaltransduktionsweg in Blutplättchen (Thrombozyten) aus. Dies führt zum vermehrten Verkleben der Blutplättchen, was dann wiederum einen Herzinfarkt stark begünstigt.

Genetische Varianten von GUCY1A3 erhöhen Herzinfarktrisiko in der Bevölkerung

„Der für uns sehr überraschende Befund war, dass in dieser Familie nicht nur eine Mutation vorkommt, sondern gleich zwei, die zudem auch noch dasselbe Enzym betreffen. Wenn diese zusammenkommen, ist das Herzinfarktrisiko dramatisch erhöht”, sagt Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München. Die Forscher vermuten zwar, dass die beiden Mutationen nur in dieser Familie zusammen vorkommen. Aber: Anhand der Analyse von 30.000 Herzinfarktpatienten und 80.000 Kontrollen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass nicht nur die sehr seltenen Mutationen im GUCY1A3-Gen das Herzinfarktrisiko erhöhen: In der Bevölkerung treten sehr viel häufiger Varianten im GUCY1A3–Gen auf, die ebenfalls das Herzinfarktrisiko signifikant erhöhen.

„Zusammengefasst konnten wir zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der stickstoffmonoxid-abhängigen Hemmung der Thrombozytenaktivierung und dem Herzinfarktrisiko gibt“, erläutert Christian Hengstenberg. Aus ihren Ergebnissen schlussfolgern die Wissenschaftler, „dass in Familien nicht nur nach einer krankheits-verursachenden Mutation gesucht werden sollte, sondern dass auch die Interaktion von zwei, möglicherweise auch mehreren, genetischen Veränderungen berücksichtigt werden muss.“

Next-Generation Sequencing machte die Entdeckung möglich

Möglich wurde diese Entdeckung durch das sogenannte Next-Generation Sequencing. Mit dieser Methode kann man heute sehr präzise das Erbgut von Personen untersuchen und krankheits-verursachende genetische Veränderungen (Mutationen) nachweisen. In ihrer aufwändigen Studie untersuchten die Wissenschaftler 30.000 genetische Varianten. Am Ende filterten sie die beiden  Mutationen in den Genen GUCY1A3 und CCT7 heraus.

Die Studie mit dem Titel “Dysfunctional nitric oxide signalling increases risk of myocardial infarction” ist soeben im Fachmagazin Nature erschienen

Foto: © Ana Blazic Pavlovic - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz , Herzinfarkt , Genmutation

Weitere Nachrichten zum Thema Herzinfarkt

| Metoprolol ist ein bekannter Betablocker, der zu den wichtigsten Arzneistoffen gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen gehört. Bei frühzeitiger Gabe kann Metoprolol zudem die Schwere eines Herzinfarkts reduzieren und damit den möglichen Schaden eindämmen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Im Rahmen einer Chemotherapie treten bei den Patienten häufig Neuropathien an Händen und Füßen auf. Nicht selten bleiben diese noch Jahre nach der Behandlung bestehen und können sogar zu einem erhöhten Sturzrisiko führen.
Cannabis gilt schon lange als Trigger für Schizophrenie und andere psychotische Störungen. Tatsächlich zeigen Studien: In der kiffenden Community treten dreimal so häufig Psychosen auf wie in der Allgemeinbevölkerung.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.