. Alterungsprozess

Forscher finden Anti-Aging Protein „Chip“

Das Protein „Chip“ ist auch als Anti-Aging-Helfer aktiv. Das fanden Forscher aus Bonn und Köln heraus. Als Verjüngungskur eignet es sich aber offenbar derzeit noch nicht.
Ein Protein, das beschädigte Eiweiße abtransportiert, soll auch den Alterungsprozess beeinflussen. Es heißt "Chip"

Ein Protein, das beschädigte Eiweiße abtransportiert, soll auch den Alterungsprozess beeinflussen. Es heißt "Chip"

Fitbleiben und dadurch langsamer Altern – nicht jedem gelingt das gleich gut. Beim Alterungsprozess spielt nämlich nicht nur der Lebenswandel eine Rolle, sondern auch unsere DNA. Von besonderer Bedeutung ist dabei ein genetisches Programm, das durch den Insulinrezeptor gesteuert wird. Der wiederum wirkt wie eine Bremse auf unsere Lebenserwartung, weil mit der Drosselung des Zuckerspiegels viele andere Prozesse heruntergefahren werden. Versuche mit Knock-out-Mäusen hatten gezeigt, dass die Labortiere tatsächlich wesentlich länger lebten, wenn der Insulinrezeptor außer Gefecht gesetzt war.

Insulinrezeptor verkürzt Lebenserwartung

Forscher der Universitäten Köln und Bonn wollten nun wissen, wie der Insulinrezeptor normalerweise in Schach gehalten wird. Dabei stießen sie auf das Protein Chip: Das Protein sorgt demnach dafür, dass der Rezeptor den zellulären Abbau- und Recyclingsystemen zugeführt wird. „Damit wird die Lebenserwartungsbremse gelöst und Chip entfaltet eine Anti-Aging-Aktivität“, erläutert erklärt Prof. Dr. Thorsten Hoppe, einer der beiden Hauptautoren der Studie vom Exzellenzcluster CECAD der Universität zu Köln. Da dies nicht nur im Fadenwurm und in Fruchtfliegen, sondern auch beim Menschen so sei, sei das Protein für die Forscher „hoch interessant.“

Bislang wurde „Chip“ mit der Entsorgung von fehlerhaften Proteinen in Verbindung gebracht. Dass das Eiweiß auch Insulinrezeptoren entsorgt, ist neu. Dennoch scheint es zwischen beiden Funktionen eine Verbindungen zu geben. Da die Proteine, die von Chip entsorgt werden, vermehrt im Alter auftreten und deren Anhäufung zu Demenz und Muskelschwächen führt, stellten die Forscher im Fadenwurm und in menschlichen Zellen degenerativen Erkrankungen nach. Dabei beobachteten sie, dass dann nicht mehr genug Chip für den Abbau des Insulinrezeptors zur Verfügung steht. „Frühzeitiges Altern ist die Folge“, so Hoppe.

Chip nicht per se ein Jungbrunnen

Das legt die Vermutung nahe, dass mehr „Chip“ weniger Altern bedeuten könnte. Doch das scheint ein Irrglaube zu sein, wie Hauptautor Dr. Jörg Höhfeld vom Institut für Zellbiologie der Universität Bonn berichtet: „So einfach ist es leider nicht“, sagt er. „Bei zu viel CHIP werden auch unbeschädigte Proteine dem Recycling zugeführt und so der Organismus geschwächt.“ Die Forscher wollen das Wissen jetzt für weitere Untersuchungen nutzen. Ein Anti-Aging-Medikament ist aber derzeit noch Zukunftsmusik. 

Die Studie ist soeben  im Fachmagazin „Cell“ unter dem Titel „The Ubiquitin Ligase CHIP Integrates Proteostasis and Aging by Regulation of Insulin Receptor Turnover“ erschienen

Foto: © Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com

 
Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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