Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Forscher entwickeln neue Therapie gegen Rolando-Epilepsie

Montag, 1. November 2021 – Autor:
Die Rolando-Epilepsie tritt bei Kindern vornehmlich im Schlaf auf. Ein neuer Ansatz des Universitätsklinikums Tübingen scheint die epileptische Aktivität, teilweise unterdrücken zu können. Die entsprechende Studie wurde nun in der Fachzeitschrift „Cell Reports Medicine“ veröffentlicht.
Rolando-Epilepsie bei Kindern: Leise Laute während des Schlafs wirken sich offenbar günstig auf epileptische Aktivität aus

Rolando-Epilepsie bei Kindern: Leise Laute während des Schlafs wirken sich offenbar günstig auf epileptische Aktivität aus – Foto: © Adobe Stock/ hoto_mts

Die Rolando-Epilepsie ist eine häufige Form der Epilepsie bei Kindern. Kennzeichnend ist, dass die epileptischen Anfälle hauptsächlich im Schlaf auftreten. Die Anfälle sind meist kurz, es kann zu Zuckungen im Bereich des Gesichtes und vorübergehenden Sprechstörungen kommen. Da die Anfälle eher selten sind und üblicherweise mit dem Beginn der Pubertät verschwinden, entscheiden sich viele Eltern und Kinder gegen die Einnahme von Tabletten. Jedoch werden Lern- und Sprachschwierigkeiten, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen mit der Rolando-Epilepsie in Verbindung gebracht.

Neuer Therapie-Ansatz ohne Medikamente

Hoffnung auf eine nicht-medikamentöse Therapie macht nun ein Ansatz des Universitätsklinikums Tübingen. Werden betroffenen Kindern im Schlaf kurze Laute vorgespielt, können messbare Ausschläge in der Hirnaktivität teilweise unterdrückt werden. Dies wurde an sieben betroffenen Kindern mittels Elektroenzephalogrammen (EEG) gezeigt. Die Rate und Intensität der epileptischen Entladungen, die als Spikes bezeichnet werden, reduzierten sich durch die leise abgespielten Laute.

Gleichzeitig zeigten die EEG-Messungen, dass Schlafspindeln durch die Laute stimuliert werden. Dabei handelt es sich um ein Aktivitätsmuster, das wichtig für die Verarbeitung von Gedächtnis im Schlaf ist. Während der epileptischen Anfälle ist diese wünschenswerte Hirnaktivität bei den betroffen Patienten gestört, wie die Forscher ebenfalls zeigten. Hierfür wurde die Hirnaktivität der erkrankten Kinder mit der von sieben gesunden Kindern verglichen.

 

Messbar mehr gesunde Schlafspindeln

„In Folge der Laute traten die gewünschten Schlafspindeln im EEG auf“, sagt Studienleiter Dr. Hong-Viet Ngo vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Uni Tübingen. Schlafspindeln seien ein Indikator dafür, dass plastische Prozesse im Gehirn ablaufen, die zur Festigung von Gedächtnisinhalten führen. „Wir hoffen, einen Ansatz gefunden zu haben, um die mit der Erkrankung verbundenen ungünstigen epileptischen Entladungen ein wenig zu unterdrücken“, sagt der Wissenschaftler.

Folgestudien mit mehr Kindern sind nun nötig, um den Effekt des neuen Ansatzes zu erhärten. Unklar ist bislang auch noch, inwieweit die Unterdrückung der Spikes zu kognitiven Verbesserungen bei den betroffenen Kindern führt. Die Studie „Auditory stimulation during sleep suppresses spike activity in benign epilepsy with centrotemporal spikes“ wurde in der Fachzeitschrift „Cell Reports Medicine“ veröffentlicht.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Epilepsie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Epilepsie

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Interview mit Dr. med. Axel Panzer, Neuropädiater und Leiter des Epilepsie-Zentrums an den DRK Kliniken Berlin I Westend
 
Weitere Nachrichten
Plötzlicher Herzstillstand: Für zufällig Anwesende oder Angehörige ist das selbst eine Extremsituation. Aus Aufregung oder aus Angst davor, etwas falsch zu machen, wird oft gar nichts gemacht. Dabei kommt es hier wirklich auf Minuten an – und durch entschlossenes Handeln kann man Leben retten. Eine App der Deutschen Herzstiftung begleitet Laien dabei, im Herznotfall richtig zu reagieren.


Sie gehört zu den heftigsten Schmerzerfahrungen, die Menschen machen können. Schauplatz der Attacken ist das besonders stark mit Nerven versorgte und deshalb besonders empfindliche Gesicht. Frauen trifft es häufiger als Männer, meist beginnt die Schmerzkrankheit ab einem Alter von 40: die Trigeminusneuralgie.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin