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29.07.2017

Forscher entdecken Antibiotikaresistenz-Gen in Milch

In Bakterien, die natürlicherweise in Kuhmilch vorkommen können, haben Forschende der Universität Bern ein Antibiotikaresistenz-Gen entdeckt. Diese Resistenz könnte sich theoretisch auch auf menschliche Bakterien übertragen, wodurch vor allem die Bekämpfung von hartnäckigen Krankenhauskeimen kompliziert werden könnte.
Rohmilch kann gefährlich sein

Forscher haben in Rohmilch ein neues Antibiotikaresistenz-Gen entdeckt

Macrococcus caseolyticus ist eigentlich ein harmloses Bakterium, das auf der Haut von Milchkühen lebt und über das Melken auch in die Milch gelangen kann. Es kann somit in Produkten aus Rohmilch vorkommen, zum Beispiel in Rohmilchkäse. Forscher des Instituts für Veterinär-Bakteriologie der Universität Bern haben nun in Kuhmilch bei Stämmen von Macrococcus caseolyticus ein Gen entdeckt, das gegen den Wirkstoff Methicillin resistent macht.

Bei einem anderen Bakterium, Staphylococcus aureus, hat die Resistenz gegen Methicillin gravierende Auswirkungen: Sie macht das häufig bei Tier und Mensch auf der Haut und den Schleimhäuten vorkommende Bakterium zu einem gefährlichen Keim, der bekannt ist für schwer behandelbare Krankenhausinfektionen. Diese Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämme (sogenannte MRSA) können nur noch mit Kombinationen von Antibiotika bekämpft werden.

Resistenzgen könnte auf Staphylococcus aureus übergehen

Die erworbene Methicillin-Resistenz steht mit bestimmten Genen in Verbindung (mecA, mecB, oder mecC). Diese wurden aber bei Macrococcus caseolyticus nicht gefunden – dort basiert die Resistenz auf einem neu entdeckten Gen (mecD). Dieses hatten die Forscher mit Hilfe einer neuartigen Methode, dem sogenannten Next Generation Sequencing (NGS), identifiziert. Das Team um Vincent Perreten fand zudem heraus, dass das neue Methicillin-Resistenz-Gen mecD die Bakterien gegenüber allen Betalaktam-Antibiotika resistent macht, auch gegenüber der neuesten Generation von Breitbandantibiotika, die gegen MRSA-Infektionen eingesetzt wird.

Weitere Untersuchungen der „Resistenz-Insel“ ergaben, dass diese sich ebenso in das Erbgut von Staphylococcus aureus einfügen könnte. „Da S. aureus und M. caseolyticus sich denselben Lebensraum teilen, könnte dies schon bald in der Natur geschehen“, so Perreten. Bei einer mehrjährigen Untersuchung von Milch von Kühen, die an Euterentzündung litten, hatten die Forscher festgestellt, dass sich darin Macrococcus caseolyticus befand. Euterentzündungen werden häufig mit Penicillin und Cephalosporin behandelt, die wie Methicillin zu den sogenannten Betalaktam-Antibiotika gehören. Die in der Milch isolierten Bakterien waren jedoch dagegen resistent.

 

Bisher keine Übertragung auf Menschen festgestellt

M. caseolyticus mit dem neu entdeckten Resistenz-Gen mecD wurde bisher hauptsächlich bei Kühen identifiziert. In einem Fall wurde es aber auch bei einem Hund isoliert, der an einer Hautinfektion litt. Bislang gibt es aber nach Angaben der Wissenschaftler keine Hinweise auf mecD beim Menschen. Dennoch würde das Überspringen des Gens von M. caseolyticus zu S. aureus die Bekämpfung von Spitalinfektionen zusätzlich massiv gefährden. Die Selektion und somit weitere Verbreitung dieses Gens sollte laut den Forschenden vermieden werden – insbesondere durch eine Einschränkung des unangemessenen Antibiotika-Einsatzes bei Tieren und Menschen.

Foto: © iprachenko - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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