. Elektrokonvulsionstherapie

Forscher: EKT wird bei Depressionen zu selten angewandt

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist bei schweren Depressionen nachweislich wirksam. Nun konnten US-amerikanische Forscher zeigen, dass das Risiko für einen Krankheitsrückfall durch eine EKT erheblich reduziert werden kann. Dennoch gibt es kaum Kliniken, welche die Behandlung anbieten.
Depressionstherapie

Die EKT kann Patienten mit schweren Depressionen helfen

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT), auch Elektrokrampftherapie genannt, kann ansonsten therapieresistenten Patienten mit schweren Depressionen helfen. Dennoch haften der Behandlung immer noch viele Vorurteile an – und das, obwohl sie heute ohne Schmerzen abläuft. Auch die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen. Zwar kann es vorübergehend zu Gedächtnisstörungen kommen, doch meist sind diese leicht und die Patienten erholen sich nach der Behandlung schnell.

Dennoch wird die EKT nach wie vor selten angewandt und die meisten psychiatrischen Kliniken verfügen nicht einmal über ein EKT-Gerät. Das ist das Ergebnis von Forschern um Dr. Eric Slade von der Universität in Baltimore. Sie haben untersucht, wie häufig die EKT in US-amerikanischen zur Anwendung kommt. Dazu werteten sie die Daten von rund einer halben Million Patienten aus, die zwischen August 2015 und März 2017 stationär in einer psychiatrischen Klinik aufgenommen worden waren. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal JAMA Psychiatry

Nur wenige Kliniken bieten EKT an

Die Forscher bemängelten, dass es zu wenig Kliniken gibt, die EKT-Geräte haben und bei denen Ärzte arbeiten, die damit umgehen können. Offenbar schrecken Aufwand und Kosten viele Kliniken von der Therapie ab. Nach Berechnungen der Mediziner um Slade erhielten lediglich 1,5 Prozent der Patienten mit schweren affektiven Störungen, die im Untersuchungszeitraum erstmals in einer Klinik aufgenommen worden waren, eine Elektrokonvulsionstherapie. In neun von zehn Kliniken mit psychiatrischen Patienten wurde das Verfahren gar nicht erst angeboten.

Die Wissenschaftler konnten auch zeigen, dass die EKT das Risiko für einen Rückfall bei den behandelten Patienten senken konnte. So mussten nur 6,6 Prozent der Patienten, die eine EKT erhalten hatten, innerhalb eines Monats erneut aufgrund ihrer Erkrankung in einer Klinik aufgenommen werden. Bei Patienten, die keine EKT erhalten hatten, waren es hingegen 12,3 Prozent. Nach Berücksichtigung verschiedener Faktoren war die Wiederaufnahmerate nach einer EKT um 46 Prozent geringer als ohne. Männer sprachen dabei offenbar besser auf die Behandlung an als Frauen, Patienten mit bipolaren oder schizoaffektiven Störungen besser als solche mit unipolarer Depression. Das Alter schien keine große Rolle bei der Ansprechrate zu spielen.

Wirkmechanismus der EKT nach wie vor unbekannt

In vielen Fällen können Depressionen gut mit Psychotherapien und/oder Medikamenten behandelt werden. Doch manche Patienten sprechen auf keine dieser Behandlungen an oder erleiden immer wieder Rückfälle. Aufgrund der hohen Suizidrate ist dann eine andere wirksame Therapie besonders wichtig. Seit einiger Zeit gibt es daher auch die Diskussion, die EKT für niedrigere Risikoklassen zuzulassen.

Die Autoren der aktuellen Studie kritisieren, dass die EKT zu selten angewandt wird. Möglicherweise, so die Forscher, würden Klinikbetreiber umdenken, wenn sie stärker an den Kosten bei der kurzfristigen Wiederaufnahme psychiatrischer Patienten beteiligt werden würden: „Wenn Kliniken einen Teil der Kosten für ungeplante Wiederaufnahmen selbst tragen müssten, würden sie den Wert einer EKT und anderer Verfahren, die das Risiko für Rehospitalisierungen mindern, besser schätzen lernen.“

Die Wirksamkeit der Elektrokrampftherapie wurde in zahlreichen Studien belegt und ist unzweifelhaft. Dennoch ist bisher nach wie vor unklar, wie genau die Behandlung wirkt. Es gibt jedoch Hinweise, dass sie die Neubildung von Nervenzellen anregt.

Foto: © Africa Studio - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychische Krankheiten , Suizid , Therapieverfahren , Depression , Angst , Schizophrenie , Psychopharmaka

Weitere Nachrichten zum Thema Depressionen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Anlässlich des internationalen Tages der Gehörlosen machen Gehörlosen-Verbände auf die Situation der bundesweit ca. 80.000 gehörlosen Menschen aufmerksam und werben zudem für das Erlernen der Gebärdensprache, um Betroffenen mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Hoher Blutdruck ist ein Männerproblem, niedriger Blutdruck eins der Frauen: Das klingt nach Klischee – und trifft im Grundsatz trotzdem zu. Im Alter ziehen die Frauen aber an den Männern vorbei. Der Risikofaktor hat aber nichts mit Bewegungsmangel oder ungesunder Ernährung zu tun.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.