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Folge der Pandemie: 48 Prozent mehr Krankenhauseinweisungen wegen Essstörungen

Montag, 27. Juni 2022 – Autor:
Die Pandemie hatte Folgen für die psychische Gesundheit. Jüngere waren stärker belastet als Ältere, Frauen mehr als Männer. Die Krankenhauseinweisungen wegen Essstörungen stiegen in den Corona-Zeiten um 48 Prozent.
Besonders Essstörunegn haben in der Pandemie zugenommen

– Foto: Adobe Stock/fotoak80

Die Pandemie hatte auch Folgen für die psychische Gesundheit. Jüngere waren stärker belastet als Ältere, Frauen mehr als Männer, das zeigen Studien. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Essstörungen stieg in den Corona-Zeiten um 48 Prozent.

Das wurde im Vorfeld des Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Berlin bekannt. Zentrales Thema sind in diesem Jahr die psychosomatischen Auswirkungen der Pandemie.

Belastende Ereignisse rufen psychische Reaktionen hervor

"Grundsätzlich rufen belastende Ereignisse wie Angst vor Ansteckung und Tod, finanzielle Sorgen, soziale Isolation und Überforderung, zum Beispiel durch Parallelität von Beruf und Kinderbetreuung während der Schulschließungen, psychische Reaktionen hervor – das ist erstmal normal und kein Zeichen einer psychischen Störung", sagt Prof. Stephan Herpertz, Präsident des Deutsches Kollegiums für Psychosomatische Medizin.

"So mehren sich aktuell die Hinweise, dass die Dynamik der psychischen Reaktionen unmittelbar dem infektionsepidemiologischen Geschehen zu folgen scheint – also mit abnehmenden Fallzahlen auch die psychischen Belastungen zurückgehen", so Herpertz, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum, in einer Pressemitteilung.

 

Junge Menschen in der Pandemie stärker belastet

Relativ konsistent zeigt sich über verschiedene Studien und Erhebungen hinweg, dass junge Menschen in der Pandemie psychisch stärker belastet waren als ältere und Frauen mehr als Männer. "So haben sich beispielsweise mehr junge Menschen und mehr Frauen als Männer während der Lockdowns einsam gefühlt", sagt Prof. Hans-Christoph Friederich, Vorsitzender der DGPM und Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg.
 
Besonders vulnerabel waren während der Pandemie erwartungsgemäß jene, die schon zuvor mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen hatten: So zeigt eine aktuelle kanadische Übersichtsarbeit mit 53 Studien und insgesamt 36.485 Betroffenen mit Essstörungen einen starken Anstieg von Angstzuständen, Depressionen und Verschlechterungen der Essstörung.

Folge der Pandemie: 48 Prozent mehr Krankenhauseinweisungen wegen Essstörungen

Als Folge der Pandemie stiegen die Krankenhauseinweisungen für alle Essstörungen  dem Review zufolge gegenüber Vor-Corona-Zeiten im Durchschnitt um 48 Prozent. "Ausschlaggebend war hierbei vor allem die Trias aus Verlust der Tagesstruktur, Rückgang sozialer Beziehungen und der häufig kompensatorisch gesteigerte Konsum von digitalen Medien", so Herpertz.
 
Wichtig für die Aufarbeitung und den Umgang mit den psychischen Folgen der Pandemie sei momentan vor allem zu eruieren, welche psychischen Belastungen oder Erkrankungen sich unter welchen Umständen verstetigen, wie man dies verhindern und den Betroffenen am besten helfen könne, so die Experten.

"Zudem hat die Pandemie nochmal ein Schlaglicht auf bereits lange bestehende Problematiken geworfen: Die Unterversorgung und die Wartezeiten auf einen Therapieplatz etwa, aber auch kaum beachtete, jedoch sehr relevante gesamtgesellschaftliche Probleme wie Einsamkeit, die auf gesellschaftlicher, kommunaler und individueller Ebene besser adressiert und auch in der Gesundheitsversorgung erfasst werden müssen", so Friederich.

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