06.10.2016

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn, eine systemische Immunerkrankung
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An Morbus Crohn leiden allein in Deutschland über 400.000, europaweit eine Million Menschen. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt kontinuierlich. Typischerweise tritt die chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) erstmals im Alter zwischen 15 und 35 Jahren auf, sie kann aber auch ältere oder jüngere Menschen, vereinzelt sogar schon Säuglinge, treffen. Eine Operation oder ein Medikament, das die Krankheit heilt, gibt es noch nicht.

Morbus-Crohn-Patienten kämpfen mit Symptomen wie krampfartigen Bauchschmerzen, anhaltendem Durchfall und Müdigkeit, die ihre Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark einschränken. Als systemische Immunerkrankung kann sie nicht nur den Verdauungstrakt, sondern praktisch jedes Organ befallen. Bei drei Vierteln der Morbus-Crohn-Patienten entstehen über die Zeit Vernarbungen an der Darmwand, die zu Engstellen führen - schlimmstenfalls kommt es zur Operation.

Therapiemöglichkeiten und Forschung zu Morbus Crohn

An Behandlungsansätzen, die den Entzündungsprozess unterdrücken wird geforscht
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Die Schübe, in denen Morbus Crohn verläuft, werden vor allem mit Kortison bekämpft. Das hat Nebenwirkungen und reicht oftmals nicht aus, um die Entzündung einzudämmen. Wissenschaftler suchen daher nach neuen Behandlungsansätzen, die den Entzündungsprozess unterdrücken. Es gibt Patienten, bei denen eine neue Antikörpertherapie wirksam ist; zwei Medikamente stehen vor der Zulassung. Wir berichten über die Tests vielversprechender Medikamente - beispielsweise zuletzt an der Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg in einer Studie. Auch wenn neue Wirkstoffe vor der Zulassung stehen, wie Ustekinumab oder Mongersen, berichten wir über deren Wirkungsweise und Status. Die Leitlinie „Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa“ gibt Orientierung, aber die Patienten stehen oft vor schwierigen Fragen zwischen Risiken von Nebenwirkungen und möglichen Vorteilen zu entscheiden. Wir informieren darüber, wann und für wen eine TNF-Antikörpertherapie Sinn macht.

Morbus Crohn: Forschungsstand zu Ursachen

e. coli, escherichia coli bacterium
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An den genauen Ursachen für Morbus Crohn wird noch geforscht. Bisher weiß man, dass sie auf einer Fehlantwort des Immunsystems auf die Darmflora beruht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) untersucht die Mechanismen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung im Rahmen eines neuen Schwerpunktprogramms.

Bei einem Viertel der Betroffenen ist die Erkrankung durch eine vererbte Abwehrschwäche zu erklären: Analysen zeigen, dass Morbus Crohn durch viele genetische Merkmale beeinflusst und verursacht wird.

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Ernährung und Lebensweise bei Morbus Crohn

Ein Ausbruch der schubweise auftretenden CED kann aber auch durch die Lebensweise ausgelöst werden, Faktoren sind beispielsweise Rauchen und Stress.

Bei Morbus Crohn spielt die Ernährung eine große Rolle, wir stellen Ihnen vor, worauf Sie achten müssen und stellen Ihnen Lebensmittel vor, denen man nachsagt, den Krankheitssymptomen entgegenwirken zu können. So kann bei Kindern mit Morbus Crohn beispielsweise eine enterale Ernährungstherapie helfen.

Diagnostikmethoden: was gibt es, was ist neu?

Nicht nur Ursachen und Therapien sind unser Fokus – wir beschäftigen uns auch mit den Diagnostik-Methoden. Bislang wird der Krankheitsverlauf mit Röntgenuntersuchungen oder Darmspiegelung und Gewebeentnahme kontrolliert. Ein neues Bildgebungsverfahren, die Elastographie, soll eine nicht-invasive Beurteilung der mechanischen Gewebeeigenschaften des Darms ermöglichen.

Spezialisten in Berlin

In unseren Personen-Portraits stellen wir Ihnen Experten vor, die sich auf das Thema Morbus Crohn und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen spezialisiert haben. Darunter Univ.-Prof. Dr. med. Britta Siegmund, Leiterin der Medizinischen Klinik I mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie an der Charité Campus Benjamin Franklin, Prof. Dr. med. Fritz von Weizsäcker, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik in Berlin und Prof. Dr. med. Marcus Wiedmann, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I, Gastroenterologie und Kardiologie am St. Marien-Krankenhaus.

Schwerpunkte der Schlosspark-Klinik Berlin Charlottenburg sind unter anderem depressive Erkrankungen, Darmchirurgie oder Parkinson. Erkundigen Sie sich über Fakten und Zahlen der Klinik in unserem Porträt.
Das St. Marien-Krankenhaus hat vier medizinische Zentren: Zentrum für Darmerkrankungen, Zentrum für Gelenkersatz, Zentrum für minimalinvasive Chirurgie und Traumazentrum. Lesen Sie in unserem Klinikporträt wie viele Patienten jährlich in der Klinik versorgt werden oder welche Wahlleistungen die Klinik anbietet.