06.01.2017

Was ist ein Glioblastom?

Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor (Foto: © Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com)

Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor und hat immer eine ungünstige Prognose. Da sich Glioblastomzellen im Gehirn netzwerkartig ausbreiten, ist die Tumorerkrankung schwer behandelbar und bis heute unheilbar.

Bei 95 Prozent aller Patienten treten die gefürchteten Rezidive, also Rückfälle auf. Die Lebenserwartung ist mit durchschnittlich 15 Monaten immer noch gering, und die allermeisten Patienten sterben innerhalb der ersten drei Jahre nach Diagnose. Einige wenige Glioblastom-Patienten leben jedoch sogar fünf Jahre oder länger. Warum das so ist, weiß man bislang nicht.

Diagnostik

Durch die nTMS können auch Glioblastome operiert werden, die als inoperabel gelten
(Foto: © Syda Productions - Fotolia.com)

Ein Glioblastom wird mittels bildgebender Verfahren wie MRT und CT diagnostiziert. Allerdings zeigen die Bilder nicht genau, inwieweit sich der Tumor in einem Funktionsareal befindet. Die Charité und etwa ein Dutzend Universitätskliniken in Deutschland nutzen deshalb die Navigierte transkranielle Magnetstimulation (nTMS) im Vorfeld der Operation. Durch die millimetergenaue Lagebestimmung können auch Glioblastome operiert werden, die ansonsten als inoperabel gelten. Das ist wichtig, denn je radikaler operiert werden kann, desto besser die Prognose. 

Glioblastom: Standardtherapie

Auch Rezidive werden heutzutage operiert (Foto: © tashatuvango - fotolia.com)

Bei neu diagnostiziertem Glioblastom ist derzeit eine Resektion des Tumors, gefolgt von Radio-Chemotherapie mit Temozolomid der gültige Therapiestandard. Manche Glioblastome liegen jedoch so ungünstig, dass sie inoperabel sind. Generell gilt: Durch die Infiltration des Gehirns lassen sich die Grad IV Hirntumore nie ganz vollständig entfernen. Dennoch werden heute auch Rezidive operiert. Das hat zu einer beachtlichen Überlebenszeitverlängerung geführt, so dass mittlerweile jeder vierte Patient noch zwei bis vier Jahre nach der Diagnose lebt. 

Avastin

In Deutschland ist der Wirkstoff Bevacizumab (Handelsname Avastin) nicht zur Behandlung des Glioblastom zugelassen. In Studien konnte nämlich keine Verlängerung des Überlebens nachgewiesen werden. Der Antikörper verbessert aber die Lebensqualität und die wichtige Zeit bis zum ersten Rezidiv. Darum verschreiben viele Ärzte ihren Patienten Avastin. Eine Kostenübernahme muss bei der Krankenkasse beantragt werden. 

Tumortherapiefelder (TTF)

Bei der Therapie mit sogenannten Tumortherapiefeldern (TTF), Handelsname Optune, handelt es sich um eine neue nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeit des Glioblastoms. Die Therapie zerstört die Hirntumorzellen mit elektrischen Wechselfeldern und darf in Deutschland von spezialisierten Ärzten durchgeführt werden. Bislang ist sie kein Ersatz für Operation oder Bestrahlung. Bei rezidivierendem Glioblastom kann Optune allerdings eine Alternative zur Chemotherapie darstellen. Studien hatten gezeigt, dass sich sowohl die rezidivfreie Zeit als auch das Gesamtüberleben im Schnitt um drei Monate verlängert.

Glioblastom: Ansätze für neue Therapien

Wie bei anderen Krebserkrankungen auch richtet sich beim Glioblastom das Augenmerk der Forschung auf die molekulargenetischen Profile. Von Patienten mit MGMT-Methylierung oder einer IDH-Mutation ist zum Beispiel bekannt, dass sie eine höhere Lebenserwartung haben als Patienten ohne diese Merkmale. Forscher hoffen, krebstreibende Mutationen mit spezifisch wirkenden Medikamenten gezielt ausschalten zu können. Zielgerichtete Therapien befinden sich derzeit noch im experimentellen Stadium, das heißt für das Glioblastom liegen noch keine Zulassungen vor.

An der Uni Ulm wird derzeit eine weitere experimentelle Therapie getestet: CUSP 9 ist ein Cocktail aus neun verschiedenen Medikamenten. Im Dezember 2016 ist eine Phase-I-Studie angelaufen, Ergebnisse werden im Sommer 2018 erwartet.

Immuntherapie

Immuntherapien bei Glioblastom: Gegenstand intensiver Forschung
(Foto: © stokkete - Fotolia.com)

Die Immuntherapie weckt auch beim Glioblastom große Hoffnungen. Therapeutische Impfungen stehen dabei genauso auf dem Prüfstand wie Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab. Hirntumorexperten sind überzeugt, dass eines Tages auch Patienten mit Glioblastom von dem neuen Ansatz profitieren werden. Genau wie bei zielgerichteten Therapien befinden sich die neuen Medikamente noch in der klinischen Erprobung. Es gibt aber mitunter die Möglichkeit, über einen individuellen Heilversuch, an die Off-Label-Therapien heranzukommen. 

Von einer Impfung mit dendritischen Zellen wird derzeit wegen hoher Kosten und Nebenwirkungen bei wenig Outcome tendenziell eher abgeraten.

Komplementäre Maßnahmen

Ergänzend zur Standardtherapie empfiehlt die Charité ihren Patienten Weihrauchpräparate, weil damit weniger Kortison benötigt wird. Weihrauch wirkt nämlich abschwellend und entzündungshemmend, zudem wird eine antitumorale Wirkung vermutet. Die Therapiekosten von rund 100 pro Monat müssen die Patienten selbst übernehmen. Darüber hinaus werden etwa die ketogene Diät und Curcuma in der Hirntumorforschung diskutiert. Durchschlagende Ergebnisse lassen noch auf sich warten. 

Glioblastom: Forschungsstand zu Ursachen

Insgesamt ist bislang wenig über Risikofaktoren bekannt. Belege gibt es lediglich dafür, dass Verwandte ersten Grades ein leicht erhöhtes Risiko haben, selbst an einem Hirntumor zu erkranken. Auch ist das Risiko für Menschen, die im Kindesalter einer Kopfbestrahlung oder einer Computertomografie unterzogen wurden, etwas erhöht. Ansonsten bleiben die Ursachen fast immer unklar. Das macht es nahezu unmöglich, der Erkrankung vorzubeugen.

Spezialisten in Berlin

Interview:

Die beiden Hirntumorexperten der Charité, Prof. Peter Vajkoczy und Dr. Martin Misch, über das bislang unheilbare Glioblastom, die Behandlungsfortschritte der letzten Jahre und warum trotz jüngster Rückschläge wieder Licht am Ende des Tunnels ist.