06.01.2017

Was ist eine Allergie?

Schon kurz nach dem Kontakt mit auslösenden Allergen treten Symptome auf (Foto: © Underdogstudios)

Für etwa 16 Millionen Allergiker beginnt mit der Blütezeit von Erle, Hasel, Birke & Co die Heuschnupfen-Saison. Schon treten die ersten Beschwerden auf: die Nase juckt, der Hals kratzt, die Augen tränen und die Nase läuft.

Bei Heuschnupfen missversteht das Immunsystem des Körpers die harmlosen Eiweiße der Pollen als gefährliche Krankheitserreger, der Organismus produziert Antikörper, um sie zu bekämpfen. Dabei setzt er große Mengen des Botenstoffes Histamin frei. Das Ganze geht schnell: bereits wenige Minuten nach dem Kontakt mit dem auslösenden Allergen treten die Symptome auf. Pollen-Apps wie die App der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst sagen die tägliche Belastung mit bestimmten Pollen vorher.

Da der Aufbau der Allergene von Stein- und Kernobst dem der Birkenpollen sehr ähnlich sind, kommt es bei vielen Pollen-Allergikern zu sogenannten „Kreuzallergien“.

Aber auch auf Hühner-Eiweiß, Kuhmilch, Nüsse oder Fisch können Menschen allergisch reagieren. Die Folge von Lebensmittelallergien sind Darmprobleme, Jucken im Mund oder Atemnot. Die Symptome gegen die einer Lebensmittelunverträglichkeit abzugrenzen gelingt nur mit einer gründlichen Diagnostik.

Allergien entstehen im Wesentlichen aufgrund genetischer Faktoren und Umwelteinflüssen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie zu entwickeln steigt, wenn die Eltern an einer Allergie leiden. Es gibt aber offenbar kein einzelnes Allergie-Gen.

Um drohenden Folgeerkrankungen wie allergischem Asthma entgegenzuwirken, raten die Krankenkassen dazu, einer Allergie entgegen zu wirken - durch eine Hyposensibilisierung.

Therapiemöglichkeiten und Forschung

Augentropfen mit Cromoglycin können die Symptome lindern (Foto: © Andrey Popov)

Die erfolgreichste Therapie einer Pollen- oder Hausstauballergie besteht in der sogenannten Hyposensibilisierung, einer spezifischen Immuntherapie (SIT). Bei dieser Impf-Therapie, wird die Toleranz der allergieauslösenden Eiweiße über Jahre verbessert. Die Gabe der Allergene, die den Körper wieder an die Allergene gewöhnen soll, kann aber auch große Nebenwirkungen haben: es kann, im schlimmsten Fall, ein anaphylaktischer Schock ausgelöst werden.

Antihistaminika, kortisonhaltige Nasensprays und Augentropfen mit Cromoglycin können die Symptome einer Allergie lindern. Gegen die zugrundeliegende Krankheit können sie - im Gegensatz zu einer Immuntherapie - nichts ausrichten. Und sie sind nicht nebenwirkungsfrei.

Hyposensibilisierung ohne Nebenwirkungen: Forschung

Forscher testen Tablette gegen Birkenpollenallergie (Foto: © PhotoSG)

Die Nebenwirkungen einer Immuntherapie zu verringern, haben sich Mainzer Forscher zur Aufgabe gemacht. Das „Verstecken“ der allergieauslösenden Eiweiße in Nanokapseln, die sich erst am Zielort öffnen, soll die Impfung vor den körpereigenen Abwehrstoffen schützen können. Sie ist bisher erfolgreich an Tieren geprüft worden.

Am Interdisziplinären Centrum für Allergologie in Leipzig (LICA) wird eine orale Therapie gegen Heuschnupfen in einer Studie getestet. Sie soll gegen Birkenpollen immunisieren.

Eine orale Immuntherapie wurde auch gegen Hausstaubmilben-Allergie erfolgreich in einer randomisierten, placebokontrollierten und doppelblinden Studie getestet. Sie weist nur geringe Nebenwirkungen auf, die Beschwerden durch die Allergie sollen durch die orale Therapie deutlich verringert werden.

An einer völlig neuen Therapie-Strategie forscht derzeit die Arbeitsgruppe Zelluläre Immunologie an der Charité und am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ): sie haben herausgefunden, das auch Allergiker über einen effektiven Schutzmechanismus gegen Allergene verfügen, der allerdings kleine Lücken aufweist. Zukünftig soll es Impfungen gegen diese Lücken geben.

Forschungsstand zu den Ursachen/ Prävention

Allergie-Prävention im Säuglingsalter

In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die frühe Gabe bestimmter Nahrungsmittel spätere Allergien verhindern kann. Das Zufüttern von Lebensmitteln wie Kuhmilch, Ei, Fisch, Weizen, Sesam und Erdnuss in den ersten sechs Lebensmonaten wird jetzt auch in Bezug auf die Verbesserung der Hautbarriere der Kinder untersucht. Die Grundannahme einer Studie von Forschern der Universität Cork in Irland und des King’s College in London besteht darin, dass Störungen der Hautbarriere für spätere Lebensmittelallergien verantwortlich seien. Ergebnisse einer anderen Studie deuten darauf hin, dass der Hautkontakt mit Fremdproteinen - wie Kuhmilch oder Erdnussproteinen - helfen könnten, spätere Allergien zu verhindern. 

Hautbarriere und Allergien

Bei der Prävention von Neurodermitis - die atopische Dermatitis tritt oft gemeinsam mit einer Pollen- oder Hausstaubmilbenallergie auf,  scheint die Stärkung der natürlichen Hautbarriere eine Rolle zu spielen. Die Behandlung von erblich vorbelasteten Säuglingen mit einer wirkstofffreien Creme-Therapie, konnte das spätere Auftreten der Neurodermitis in etwa einem Drittel der Fälle verhindern.

Veränderungen im menschlichen Erbgut, die das Erkrankungsrisiko für Neurodermitis erhöhen, fanden Wissenschaftler des Exellenzclusters „Entzündungsforschung“ des Helmholtz-Zentrums München. Ziel ist es, „Tests zu entwickeln, die eine Vorhersage des Erkrankungsrisikos erlauben, sowie verbesserte Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen zu entwickeln oder vorhandene passgenauer einzusetzen“ so Prof. Weidinger von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Fakultät an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Hygiene und Allergien

Allergien und Asthma treten seltener bei Kindern auf, die auf einem Bauernhof mit Tieren aufwachsen. Die Mechanismen die für den sogenannten Stallstaub-Effekt sorgen, sind einer Studie untersucht worden. Der Stallstaub stimuliert ein schützendes Enzym.

Das Ergebnis einer Studie der University of British Columbia stützt die Hygiene-Hypothese, wonach eine zu saubere Umwelt die Anfälligkeit für Allergien und Asthma fördert. Daraus ergibt sich eventuell ein neuer Behandlungsansatz um Asthma zu verhindern. So könnten Säuglingen in den ersten drei Monaten FLVR-Keime gegeben werden. Aktuelle Patientendaten der AOK Nordost zeigen allerdings, dass Neurodermitis und Heuschnupfen auch bei Landkindern zunehmen

Spezialisten-Interview

Zu den Ursachen und zur Prävention von Lebensmittel-Allergien sprach Gesundheitsstadt Berlin mit Prof. Regina Treudler, Leiterin des Leipziger Interdisziplinären Centrums für Allergologie (LICA) am Universitätsklinikum Leipzig. 

Zum Interview

Spezialisten in Berlin

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Torsten Zuberbier ist Geschäftsführender Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité, Leiter Allergie-Centrum-Charité - Universitätsmedizin Berlin sowie Leiter der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF). Auch PD Dr. med. Barker hat sich auf die Untersuchung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Atmungskrankheiten und Allergien spezialisiert. Er ist Chefarzt der klinik für Kinder- und Jugendmedizin im HELIOS Klinikum Emil von Behring, Berlin-Zehlendorf.

Die Charité - Universitätsmedizin Berlin gehört zu den größten Universitätskliniken Europas. Der Campus Mitte befindet sich im Stadtzentrum und ist Sitz des Vorstands. Im Porträt können Sie mehr über Zahlen und Fakten der Klinik erfahren.