. Gesundheits-Apps

Fitness-App bringt bei Übergewicht wenig

Fitness-Apps messen Parameter wie Schritte, Aktivitätslevel, Herzfrequenz und Schlafqualität und sollen sogar beim Abnehmen helfen. Doch in einer Studie war der Gewichtsverlust mit einer "Abnehm-App" geringer als ohne die elektronische Hilfe.
Fitness-Apps mit begrenztem Nutzen

Eine Fitness-App konnte in einer Studie die Gewichtsreduktion nicht verstärken

Fitness-Apps werden immer beliebter. Auch beim Abnehmen soll die elektronische Überwachung von Körperfunktionen, Leistung und Kalorienverbrauch helfen. Doch bisher ist nicht wissenschaftlich erwiesen, wie effektiv diese Geräte bei der Gewichtsreduktion tatsächlich sind. Forscher um John M. Jakicic von der University of Pittsburgh untersuchten nun, welchen Zusatznutzen ein Web-basiertes Tracking-Device bei jungen Erwachsenen mit Übergewicht hat. An der IDEA-Studie nahmen 470 Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren teil, deren BMI zwischen 25 und 40 lag.

Zunächst absolvierten alle Teilnehmer für sechs Monate ein auf Verhaltensmaßnahmen basierendes Programm zur Gewichtsreduktion und nahmen dafür an wöchentlichen Gruppensitzungen teil. Danach erhielt ein Teil der Gruppe eine regelmäßige Beratung per Telefon, bekam Memos aufs Handy geschickt und konnte sich Informationsmaterial von einer Website herunterladen. Die Teilnehmer sollten sowohl ihre Ernährung als auch ihre körperliche Aktivität mithilfe eines Tagebuchs, nach den ersten sechs Monaten dann auch mithilfe der Website, festhalten und regelmäßig mit Beratern Rücksprache halten.

Weniger Gewichtsverlust mit der Gesundheits-App

Die zweite Gruppe absolvierte das gleiche Programm, allerdings erfolgte bei ihnen das Monitoring über ein Web-basiertes Gerät, das am Oberarm getragen wurde. So konnten die Teilnehmer ihren Energieverbrauch auf dem Display oder über ihren Computer verfolgen. Auch diese Gruppe erhielt regelmäßige Beratungen per E-Mail oder Telefon.

In beiden Gruppen kam es zum Gewichtsverlust. Allerdings fiel dieser zur Überraschung der Forscher in der Gruppe mit der Fitness-App signifikant geringer aus. Während die Probanden, die mit der App trainierten, im Mittel 3,5 Kilogramm in zwei Jahren verloren, waren es in der Gruppe ohne App 5,9 Kilogramm. Das Ausgangsgewicht war in beiden Gruppen vergleichbar. Interessanterweise trat der Unterschied erst nach einigen Monaten zutage. Betrug der Gewichtsverlust bei allen Teilnehmern in den ersten sechs Monaten noch zwischen 8,4 und 9,4 Prozent, wurden die Unterschiede mit der Zeit immer signifikanter. Nach 24 Monaten betrug der Gewichtsverlust in der Gruppe ohne Fitness-App 6,4 Prozent und in der Gruppe mit dem Device 3,6 Prozent.

Immerhin wurde in beiden Gruppen eine signifikante Verbesserung der Fitness, eine gesteigerte körperliche Aktivität sowie eine verbesserte Ernährung und Körperzusammensetzung erreicht. Das zeigt, dass Interventionsmaßnahmen zumindest in jüngerem Alter noch einen Einfluss auf die Entwicklung von Gewicht und Fitness haben können.

 

Gesundheits-Apps sollen qualitätsorientierter werden

Im Frühjahr dieses Jahres wurde eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie zum Thema „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps“ veröffentlicht, mit der die Qualität solcher Apps untersucht werden sollte. Die am Peter L. Reichertz Institut für medizinische Informatik erarbeitet Studie zeigte, dass zurzeit diagnostische und therapeutische Qualität bei Medizin- und Gesundheits-Apps oft noch eher mangelhaft sind. Zudem halten die angebotenen Gesundheits-Apps die datenschutzrechtlichen Anforderungen häufig nicht ein. Besonders wenn Daten im Ausland gespeichert werden, sollte bedacht werden, dass die Nutzung nicht dem deutschen Datenschutzrecht unterworfen ist. Zudem gestaltet sich bisher die Abgrenzung, welche Apps dem Medizinprodukterecht unterliegen und welche nicht, noch schwierig.

Immerhin zeigte die Studie auch, dass Apps grundsätzlich zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise für Selbstmanagement und Therapietreue sowie für Prävention und Gesundheitsförderung, bieten. Doch umfassende Belege für den tatsächlichen Nutzen fehlen bisher. Mittlerweile gibt es allerdings einige Hinweise, dass Gesundheits-Apps eine positive Wirkung auf die körperliche Aktivität, Ernährungsgewohnheiten und Gewichtskontrolle haben können.

Foto: © alexey_boldin - Fotolia.com

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gesundheitssystem , Telemedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gesundheits-Apps

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Es ist offenbar nicht nur gut für die Verdauung, sondern kann auch das Immunsystem unseres Mundes stärken: gründliches Kauen. Forscher konnten jetzt zeigen, dass durch das Kauen eine bestimmte Art von Immunzellen stimuliert wird, die Krankheitserreger in der Mundhöhle bekämpfen.
Neben Umwelt- und Ernährungseinflüssen ist offenbar auch die menschliche Genetik ein zentraler Faktor für die Besiedlung des Körpers mit Bakterien. Kieler Wissenschaftler konnten jetzt einen Zusammenhang nachweisen zwischen der genetischen Veranlagung für bestimmte Blutgruppen und der Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms. Das kann bestimmte Krankheiten verhindern helfen oder begünstigen.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.