. Omega-3-Fettsäuren

Fischöl wirkungslos bei Herzkrankheiten?

Fischöl-Präparate sind für das Herz offenbar nicht gesünder als Olivenöl. Das ergab eine Studie italienischer Forscher, die versuchten, mit Fischöl das Risiko für Herzinfarkte zu senken. Die Teilnehmer der Studie waren Risikopatienten für kardiovaskuläre Ereignisse.
Fischöl

Fischöl ist offenbar nicht gesünder als Olivenöl

Fischöl gilt vielen als wahres Wundermittel. Es soll das Herz-Kreislauf-System schützen, die Entwicklung von Demenzen hinauszögern und Entzündungsvorgänge im Körper positiv beeinflussen können. Nun hat ein italienisches Forscherteam in einer doppelblinden und placebokontrollierten Studie untersucht, ob sich durch die regelmäßige Einnahme von Fischöl tatsächlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Mortalität durch Herzinfarkt oder Schlaganfall senken lassen.

Rund 12.500 Patienten nahmen an der Analyse teil. Im Durchschnitt waren sie 64 Jahre alt und galten als Risikokandidaten für Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Ereignisse. Fast jeder zweite war Diabetiker, bei knapp jedem dritten waren atherosklerotische Veränderungen bekannt, und jeder fünfte wies mindestens vier Risikofaktoren auf. Einen Herzinfarkt hatte allerdings noch keiner erlitten.

Kein Unterschied zu Placebo

Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Während eine Gruppe über einen Zeitraum von fünf Jahren täglich Fischölkapseln, die ein Gramm Omega-3-Fettsäuren enthielten, zu sich nahmen, schluckten die anderen Patienten täglich eine Kapsel mit einem Gramm Olivenöl. Verglichen wurden zunächst die Sterberate aus kardiovaskulären Ursachen sowie die Raten nichttödlicher Herzinfarkte und Schlaganfälle. Als eine Zwischenauswertung nach einem Jahr zeigte, dass die Ereignisrate insgesamt die erwarteten zwei Prozent deutlich unterschritt, wurde ab diesem Zeitpunkt als Studienendpunkt die Kombination „Tod aus kardiovaskulärer Ursache“ und „stationäre Aufnahme wegen eines Herz-Kreislauf-Leidens“ festgelegt.

Nach fünf Jahren konnten die Forscher keine signifikanten Unterschiede zwischen der Verum- und der Kontrollgruppe feststellen. In beiden Gruppen wurden die primären Studienendpunkte von rund 11 Prozent der Teilnehmer erreicht. Eine Ausnahme bildeten allerdings die teilnehmenden Frauen: Bei ihnen lag die Rate für kardiovaskuläre Ereignisse um 18 Prozent niedriger, wenn sie die Fischölkapseln zu sich genommen hatten.

 

Studienlage zu Fischöl bisher uneinheitlich

„Unsere Ergebnisse liefern keine Hinweise, dass Omega-3-Fettsäuren bei kardiovaskulären Risikopatienten, die noch keinen Infarkt erlitten haben, irgendeinen präventiven Nutzen in puncto kardiovaskulärer Morbidität oder Mortalität entfalten würden“ kommentierten die Forscher ihre Studie. Die Ergebnisse lassen nach Angabe der Studienautoren keine andere Interpretation, als dass Fischöl in Kapseln ohne Nutzen für das Risiko von Herzinfarkten oder Schlaganfällen seien.

Allerdings wandten die Forscher ein, dass das negative Ergebnis eventuell auf ein in Italien insgesamt niedriges kardiovaskuläres Risiko zurückgehe. Auch sei die weitere präventive Therapie aller Studienteilnehmer recht intensiv gewesen, so dass die Morbidität und Mortalität niedrig ausgefallen sei. Allerdings zeigt sich auch die bisherige Studienlage zum Nutzen von Fischöl für das kardiovaskuläre Risiko uneinheitlich. Von den bisher über 3.000 Studien aus den vergangenen 40 Jahren zu dem Thema sind einige positiv, andere negativ ausgefallen. Eindeutige Ergebnisse lassen sich daraus bisher nicht ableiten.

© Schlierner - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herz

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.