. Rote-Hand-Brief

Fingolimod: Kontraindikationen wurden erweitert

Fingolimod wird bei der Behandlung bestimmter Fälle von Multipler Sklerose eingesetzt. Nun informiert der Hersteller Novartis in einem Rote-Hand-Brief über neue Kontraindikationen des Medikamentes bei Patienten mit vorbestehenden kardialen Erkrankungen.
Fingolimod bei MS

Fingolimod ist für die Behandlung der hochaktiven MS zugelassen

Seit 2011 ist das Präparat Gilenya (Fingolimod) zur Therapie der hochaktiven schubförmig-remittierend verlaufenden Multiplen Sklerose (MS) auf dem europäischen Markt erhältlich. Dass das Medikament das Risiko schwerwiegender Herzrhythmusstörungen – einschließlich polymorpher ventrikulärer Arrhythmien (PVA) – erhöhen kann, ist bereits bekannt und in der Packungsbeilage beschrieben. Dennoch wurden in der Praxis weiterhin Fälle von PVA berichtet, die zum Teil tödlich endeten. Daher wurden die Produktinformationen von Fingolimod nun ergänzt.

Novartis erweitert Warnliste

Dem Hersteller Novartis und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zufolge ist Fingolimod nun unter anderem kontraindiziert bei:

  • Patienten mit Myokardinfarkt, instabiler Angina pectoris, Schlaganfall, transitorisch ischämischer Attacke, dekompensierter Herzinsuffizienz (stationäre Behandlung erforderlich) oder New York Heart Association (NYHA) Klasse III/IV-Herzinsuffizienz in den vorhergehenden sechs Monaten.
  • Patienten mit schweren Herzrhythmusstörungen, bei denen eine anti-arrhythmische Behandlung mit Antiarrhythmika der Klasse Ia (wie Chinidin, Procainamid, Disopyramid) und Klasse III (Kaliumkanalblocker, wie Amiodaron, Sotalol, Ibutilid, Dofetilid) erforderlich ist.
  • Patienten mit einem AV-Block 2. Grades Typ Mobitz II oder einem AV-Block 3. Grades, oder Sick-Sinus-Syndrom, wenn sie keinen Herzschrittmacher tragen.
  • Patienten mit einem bestehenden QTc-Intervall von 500 Millisekunden oder darunter.
 

Fingolimod erhöht auch das Infektionsrisiko

Auch bezüglich des immunsuppressiven Effekts von Fingolimod wurden die Warnungen angepasst. Der Wirkstoff darf unter anderem bei bestehendem Immundefizienzsyndrom oder schweren aktiven Infektionen und aktiven chronischen Infektionen nicht eingesetzt werden. Bereits im Januar 2016 war vor Risiken im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf das Immunsystem gewarnt worden, darunter vor Lymphomen und Basalzellkarzinomen, die während einer Behandlung als Nebenwirkungen auftreten können. Eine weitere schwerwiegende Nebenwirkung, für die ebenfalls die immunsuppressive Wirkung verantwortlich gemacht wird, ist die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML).

PML ist eine seltene Gehirnentzündung, die durch den JC Virus (JCV) ausgelöst wird und in etwa 20 Prozent der Fälle tödlich endet oder zu schweren Behinderungen führt. Fast alle Menschen tragen den JC Virus in sich, aber erst bei einer starken Schwächung oder Unterdrückung des Immunsystems kann es zu einer Reaktivierung des Virus und zu einer PML kommen.

Foto: © Sagittaria - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose , Autoimmunerkrankungen , Neurologie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wie viel Intensivbetten und Beatmungsgeräte brauchen wir am Tag X, wenn die Infektionszahlen weiter steigen wie bisher? Forscher der Uni Saarbrücken haben einen Corona-Simulator entwickelt, mit dem anhand aktueller Daten präzise Prognosen zum Pandemiegeschehen für Bund und Länder erstellt werden können. Sie liefern das Material für Entscheidungen in der Politik und im Gesundheitswesen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.