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Finanzkrise macht EU-Bürger krank

Seit der Finanzkrise 2008 haben Gemütskrankheiten und Selbstmorde in Europa zugenommen. Auch aus Europa verdrängte Krankheiten kehren zurück. Das geht aus eine jetzt publizierten Untersuchung hervor.
Finanzkrise macht EU-Bürger krank

Sparpolitik vieler EU-Länder macht soziale Netze kaputt

Griechenland ist das dramatischste Beispiel, wie sehr die Finanzkrise Menschen krank machen kann. Dort hat die Zahl der Selbstmorde in 2011 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zugenommen. In 2012 hat es in Griechenland zudem eine exponentielle Zunahme von HIV-Erkrankungen gegeben – unter anderem, weil Drogensüchtige nach der Streichung von Hilfsprogrammen wieder häufiger kontaminierte Spritzen untereinander teilen. Zudem traten in der Hellenischen Republik Fälle von Malaria, Dengue-Fieber und dem West-Nil-Fieber auf - Krankheiten, die man Experten zufolge „normalerweise nicht mehr in Europa sieht.“

In Griechenland hat die Selbstmordrate um 40 Prozent zugenommen

All diese besorgniserregenden Nachrichten gehen aus einer Studie von Martin McKee, Professor für Europäische Öffentliche Gesundheit an der Londoner Schule für Hygiene und Tropenmedizin, hervor, die der britische Gesundheitswissenschaftler soeben im renommierten Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht hat. McKee und Kollegen untersuchen die Auswirkungen der seit der Finanzkrise 2008 verfolgten Politik. Fazit: Durch harte Sparmaßnahmen hat sich der Gesundheitszustand vieler Europäer verschlechtert. Dies sei nicht nur auf steigende Arbeitslosigkeit zurückzuführen, sondern auch auf das grobmaschiger werdende soziale Netz in den am härtesten betroffenen EU-Staaten wie Griechenland, Portugal und Spanien. „Menschen müssen die Hoffnung haben, dass die Regierung ihnen durch diese schwierige Zeit hilft“, so McKee. Diese Hoffnung sei in den betroffenen Ländern oftmals verlorengegangen. So haben den Wissenschaftlern zufolge Selbstmorde und Gemütskrankheiten insbesondere in den Krisenländern wie Griechenland, Spanien und Portugal erheblich zugenommen.

„Sparmaßnahmen haben die wirtschaftlichen Probleme nicht gelöst und sie haben in vielen europäischen Ländern große Gesundheitsprobleme hervorgerufen“, schreiben die Wissenschaftler um McKee im Lancet und gehen scharf mit der EU-Kommission ins Gericht. Die Kommission ignoriere die gesundheitlichen Folgen der Sparpolitik für die Bürger und gebe stattdessen den Mitgliedsländern Spartipps.

 

Isländer heute gesünder als vor der Euro-Krise

Offenbar sind aber nicht alle Krisenländer Europas von der Problematik betroffen. Anders als in Griechenland ist das hoch verschuldete Island laut McKee nämlich nicht kränker geworden, ganz im Gegenteil: Die Gesundheit der isländischen Bevölkerung habe sich sogar verbessert –und die Zahl der Selbstmorde sei nicht gestiegen, so die Wissenschaftler. In Ländern mit harten Sparprogrammen registrierten die Forscher darüber hinaus einen Rückgang von Verkehrsunfällen. Die Ursachen liegen auf der Hand. Viele Europäer können sich das Auto nicht mehr leisten und nutzen jetzt öffentliche Transportmittel.

Unterdessen riet Hans Kluge, Sprecher des Europäischen Büros der WHO, von radikalen Gesundheitsreformen während einer Wirtschaftskrise ab. Krankenhausbetten sollten in unruhigen Zeiten besser nicht gestrichen werden, in jedem Gesundheitssystem gebe es andere Stellen, die zum Sparen besser geeignet seien.

Foto: © pojoslaw - Fotolia.com

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