. Umfrage

Finanzen der Gesundheitseinrichtungen zeigen keine Entspannung

Laut einer repräsentativen Umfrage der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft gibt es auch im Jahr 2014 keine Entwarnung, wenn es um die finanzielle Lage der Gesundheitseinrichtungen des Landes geht. Besonders dramatisch ist die Situation bei geriatrischen Reha-Einrichtungen.
Rote Zahlen bei vielen Krankenhäusern

Finanzen der Gesundheitseinrichtungen zeigen keine Entspannung

„Bei der finanziellen Situation der Krankenhäuser, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen im Land ist keine Entspannung in Sicht“, fasst der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Thomas Reumann, die zentralen Ergebnisse des aktuellen BWKG-Indikators zusammen.

47,8 Prozent der Reha-Einrichtungen und 39,7 Prozent der Pflegeeinrichtungen haben das Jahr 2013 mit roten Zahlen abgeschlossen. Für den Bereich der Krankenhäuser liegt der Prozentsatz bei 48,7 Prozent. Um Gegenzusteuern benötige man eine faire und verlässliche Finanzierung der Gesundheitseinrichtungen, mahnt Reumann.

Finanzen der Gesundheitseinrichtungen: Drei Viertel aller geriatrischen Reha-Einrichtungen schreiben rote Zahlen

Besonders gelte dies für die Reha-Einrichtungen, für die Matthias Einwag, Hauptgeschäftsführer der BWKG, einen Rechtsanspruch auf eine angemessene Finanzierung einfordert. Bei den geriatrischen Reha-Einrichtungen schrieben sogar 76,2 Prozent der Einrichtungen 2013 rote Zahlen, auch wenn sich damit deren finanzielle Situation im Vergleich zu den Vorjahren leicht verbessert habe. „Um die wohnortnahe Versorgung langfristig zu sichern, werden die erfolgten Vergütungssatzsteigerungen der Krankenkassen nicht ausreichen“, betont Einwag.

Auch die wirtschaftliche Situation der Pflegeeinrichtungen ist nach wie vor schwierig, geht aus dem BWKG-Indikator hervor. 39,7 Prozent der Pflegeeinrichtungen haben das Jahr 2013 mit roten Zahlen abgeschlossen. Damit lag man rund 3,5 Prozent besser als im Vorjahr. Leicht entspannt habe sich die Situation vor allem durch die jüngste Rechtsprechung des Bundessozialgerichts und die Entscheidungen der Schiedsstelle. Danach haben die Einrichtungen einen Anspruch auf die Finanzierung der tariflichen Personalkosten.

Alarmierend sind die großen Schwierigkeiten, Altenpflegeschüler zu finden

„Es bleibt aber abzuwarten, ob diese Entspannung von Dauer sein wird“, so Reumann. Denn die kommenden Herausforderungen seien enorm. So rechne das Statistische Landesamt bis 2030 mit einem Anstieg der Pflegebedürftigen im Land um 37 Prozent, was zu einem weiteren Anstieg der Zahl der benötigten Pflegekräfte führt.

Verwunderlich ist es jedoch, dass dennoch knapp jede fünfte Pflegeeinrichtung (19,9 Prozent) von einer Absenkung der Beschäftigtenzahl in den nächsten 12 Monaten ausgeht. Nur rund 6,3 Prozent erwarten eine Steigerung.

„Alarmierend“, so Reumann, „sind die großen Schwierigkeiten, Altenpflegeschüler zu finden“. 46,9 Prozent der Pflegeeinrichtungen haben nach den aktuellen Zahlen hier Probleme. „Damit die Ausbildung in der Altenpflege eine Zukunft hat, muss eine solide Finanzierung aller Pflegeberufe sichergestellt werden.“ Ansonsten sei der demografische Wandel in der Altenpflege genauso wenig zu bewältigen wie in den Krankenhäusern und den Reha-Kliniken, mahnt der Vorstandsvorsitzende der BWKG.

Generell beziffern 71,7 Prozent aller Pflegeeinrichtungen die Stellenbesetzung im Pflegebereich als schwierig. Nur 7 Prozent aller befragten Einrichtungen haben damit kein Problem.

Bei der Umfrage zum BWKG-Indikator befragt die BWKG die Geschäftsführer der Mitgliedseinrichtungen (Krankenhäuser, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen) halbjährlich zu ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Situation und der Arbeitsmarktentwicklung. Von den Pflegeeinrichtungen haben 287 von 421 Mitglieder (68,2 Prozent) an der Umfrage teilgenommen.

Foto: © dilynn - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Krankenhausfinanzierung

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.