. Infektiologische Studie

Fernreisende importieren multiresistente Erreger

Reisen nach Indien oder Südostasien haben oft einen unerwünschten Nebeneffekt: Fast ein Drittel der Reisenden kommt mit einem multiresistenten Keim zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Universitätsklinikums Leipzig.
Fernreisende importieren multiresistente Erreger

ESBL-bildende Bakterien: Leipziger Studie belegt erstmals die Import-Häufigkeit für Deutschland

Multiresistente Keime stellen Krankenhäuser vor große Probleme. Neben MRSA treten in Deutschland zunehmend auch so genannte ESBL-bildende Bakterien auf, das sind Darmkeime, die gegen die Mehrzahl der verfügbaren Antibiotika resistent sind. Eine Besiedlung mit diesen Darmbewohnern ist in den meisten Fällen für Gesunde ungefährlich und verursacht keine Symptome. Ein Gesundheitsrisiko besteht allerdings im Falle einer Erkrankung des Trägers oder bei Kontakt mit immungeschwächten Mitmenschen. Woher die gefährlichen Erreger kommen, haben Infektiologen vom Universitätsklinikums Leipzig untersucht. Ihr Fazit: Die Erreger werden oftmals von Fernreisen mit nach Hause gebracht.

Indien ist Hochburg für ESBL – Zwei Drittel der Reisenden fangen sich den Keim dort ein

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler 225 Menschen vor und nach einer Fernreise in Gebiete mit einer besonders hohen Erregerdichte. Dazu gehören Indien, Südostasien, Afrika und Südamerika. “Wir konnten dabei erstmals für Deutschland in einer größeren Kohorte zeigen, dass fast ein Drittel der Reisenden nach der Heimkehr aus diesen Gebieten tatsächlich Träger multiresistenter Erreger ist“, erklärt Dr. Christoph Lübbert, Leiter des Fachbereichs Infektions- und Tropenmedizin am UKL. Am häufigsten wurden die Erreger nach Indien-Reisen (mehr als 70% der Reisenden) festgestellt, gefolgt von Reisen nach Südostasien (fast 50% der Reisenden).

Von den untersuchten 225 gesunden Probanden mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren war nach der Reise bei 30,4 Prozent eine Besiedlung mit ESBL-bildenden Bakterien zu beobachten. Dieser Wert bestätigt ähnliche aktuelle Untersuchungen in Skandinavien und den Niederlanden und ist laut Lübbert höher als bislang angenommen. Frühere Studien gingen von Raten zwischen 14 und 25 Prozent aus.

Die gute Nachricht: Keiner der Studienteilnehmer erkrankte im 12-monatigen Untersuchungszeitraum aufgrund der Besiedlung mit den multiresistenten Keimen. Nach sechs Monaten waren nur noch 8,6 Prozent der Studienteilnehmer besiedelt, wie die Folgeuntersuchung zeigte. Vor Reiseantritt erhobene Daten lassen auf eine Besiedelungshäufigkeit mit ESBL-Bildnern von immerhin 6,8 Prozent im Großraum Leipzig schließen.

 

ESBL Screening nach Fernreise könnte Ansteckungsrisiko mindern

„Unsere Studie zeigt, dass der Kampf gegen multiresistente Erreger ein globales Herangehen erfordert, um künftig erfolgreich sein zu können“, resümiert Lübbert. Anderenfalls würden fortwährend auftretende Importe alle lokalen Bemühungen um eine MRE-Bekämpfung verhindern.

Aus den Daten leiten die Wissenschaftler nun Empfehlungen für Krankenhäuser ab. So sollten Patienten, die innerhalb der letzten sechs Monate in Indien oder Südostasien waren, vor der Aufnahme in ein Krankenhaus oder Pflegeheim unbedingt auf ESBL gescreent werden „Auch ein Screening für Beschäftigte in der Lebensmittelindustrie und Gastronomie nach solchen Reisen könnte eine vorbeugende Maßnahme für die Zukunft darstellen“, sagt Dr. Lübbert. So könne das Übertragungsrisiko signifikant verringert werden.

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