. Luftverschmutzung

Feinstaub schädigt Gehirn

Feinstaub schadet nicht nur der Lunge und erhöht die Rate tödlicher Herzinfarkte, sondern sorgt auch dafür, dass Hirngefässe verstopfen - und das schon bei Konzentrationen, die weit unter den bisher geltenden Grenzwerten liegen.
Feinstaub schädigt Gehirn

Kurt/pixelio.de

Dass Feinstaub der Gesundheit schadet, ist mittlerweile allgemein bekannt. Studien beweisen, dass der Dreck aus Fabrikschornsteinen und Autoauspuffen das Leben in stark belasteten Gebieten statistisch um eineinhalb Jahre verkürzt. Dabei sind nicht nur Lunge und Herz betroffen, sondern auch das Gehirn, indem unter anderem das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht wird. Nun zeigen zwei aktuelle Studien, dass auch schon bei bisher als harmlos eingestuften Feinstaubwerten die Hirngefässe massiv geschädigt werden.

Feinstaub und Schlaganfall

Amerikanische Wissenschaftler haben die Daten von 1700 Schlaganfallpatienten aus dem Grossraum Boston über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgewertet und parallel dazu die die Feinstaubkonzentrationen in der Gegend betrachtet. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Schlaganfälle anstieg, je höher die Feinstaubwerte lagen. Am häufigsten wurden Menschen 12 bis 14 Stunden nach einem Anstieg der Werte mit verstopften Hirngefässen in Krankenhäuser eingeliefert. Das Interessante daran ist, dass dies auch an Tagen der Fall war, an denen die Feinstaubkonzentration trotz des Anstiegs noch weit unter dem Grenzwert von 40 µg/m3 lag. An vielen Tagen lagen die Werte sogar unter 15 µg/m3, was als gute Luftqualität gilt. Insgesamt zeigte sich, dass mit einem Anstieg der Feinstaubwerte um 10 µg/m3 eine Erhöhung des Schlaganfallrisikos von etwa 17 Prozent einhergeht.

 

Demenz und Feinstaub

Eine andere amerikanische Studie zeigt, dass Feinstaub auch Demenz begünstigt. Hierzu wurden 20.000 Frauen im Alter von über 70 Jahren regelmässigen Kognitionstests unterzogen, deren Ergebnisse mit den jeweiligen Feinstaubkonzentrationen verglichen wurden. Es zeigte sich, dass die kognitive Leistung der Frauen bei höherer Belastung der Luft deutlich abnahm. Auch hier genügte schon eine moderate Erhöhung der Feinstaubbelastung, um das Gehirn deutlich altern zu lassen.

Kritik an den Studien

Kritiker der Studien wenden ein, dass die Ergebnisse nur auf eine Assoziation, nicht auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Hirnschädigung und Luftbelastung schliessen lassen. Auch andere Faktoren des urbanen Lebens wie Stress oder soziale Unterschiede könnten Ursache der schnelleren Hirnalterung sein. Allerdings weisen Tierversuche auf ähnliche Ergebnisse wie die Studien hin. Sie beweisen zudem, dass Feinstaub die Bluthirnschranke beeinträchtigen und Entzündungsprozesse im Gehirn ankurbeln kann.

Die bisher geltenden Grenzwerte für Feinstaubbelastung richten sich nach dem Risiko für Atemwegserkrankungen. Nach den aktuellen Studien müssten die Werte neu berechnet und dazu auch die Wahrscheinlichkeiten für Schlaganfall und Demenz mit einbezogen werden. Insgesamt müssten dann sehr viel niedrigere Werte angesetzt werden als bisher.

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