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Fehlende Medikations-Pläne gefährden Klinik-Patienten

Der Barmer-Arzneimittelreport 2020 berichtet über gravierende Informationslücken bei Aufnahme und Entlassung aus dem Krankenhaus: Fehlende Medikations-Pläne gefährden die Klinik-Patienten
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Bei der Aufnahme in die Klinik fehlt oft eine Liste der Medikamente, die die Patienten bislang einnehmen

Der Barmer-Arzneimittelreport 2020 berichtet über gravierende Informationslücken bei Aufnahme und Entlassung aus dem Krankenhaus: Fehlende Medikations-Pläne gefährden die Klinik-Patienten

Ein besonders großes Risiko besteht für Polypharmazie-Patienten, die mindestens fünf Arzneimittel zugleich einnehmen. Allein im Jahr 2017 betraf das 2,8 Millionen Personen am Tag ihrer Klinik-Aufnahme.

Fehlende Medikations-Pläne gefährden Klinik-Patienten

Gerade bei dieser besonders gefährdeten Gruppe kommt es bei der Aufnahme ins und der Entlassung aus dem Krankenhaus häufig zu Informationsdefiziten mit schlimmstenfalls lebensbedrohlichen Folgen aufgrund von Behandlungsfehlern, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

So hatten nur 29 Prozent dieser Patienten bei der Klinikaufnahme den bundeseinheitlichen Medikationsplan. 17 Prozent verfügten über gar keine aktuelle Aufstellung ihrer Medikamente. Dies ergab eine Umfrage unter rund 2.900 bei der Barmer versicherten Polypharmazie-Patienten über 65 Jahren. Vorhandene Pläne waren zudem häufig unvollständig. Die fehlenden Medikations-Pläne gefährden die Klinik-Patienten

 

Medikamenten-Therapie vom Klinik-Arzt nicht erklärt

Wie aus dem Barmer-Report weiter hervorgeht, fließen die Informationen zur Arzneimitteltherapie auch während des Klinikaufenthalts nur bruchstückhaft. So gaben über 30 Prozent der Befragten an, dass ihnen die Arzneitherapie vom Arzt nicht erklärt worden sei. Jeder dritte Patient mit geänderter Therapie habe zudem vom Krankenhaus keinen aktualisierten Medikationsplan erhalten.

"Eine Arzneitherapie kann nur erfolgreich sein, wenn der Patient sie versteht und mitträgt. Dazu muss er sie entsprechend erklärt bekommen. Informationsdefizite dürfen auch deswegen nicht auftreten, weil die Therapie nach einem Krankenhausaufenthalt häufig noch komplexer wird", sagte der Autor des Arzneimittelreports, Prof. Daniel Grandt, Chefarzt am Klinikum Saarbrücken.

Hausärzte unzufrieden mit Übergabe-Daten

Auch nach Entlassung aus der Klinik würden Patient und weiterbehandelnde Ärzte nicht ausreichend über Therapie-Änderungen informiert. Indizien dafür liefert eine Umfrage für den Arzneimittelreport unter 150 Hausärzten. Demnach waren 40 Prozent der befragten Allgemeinmediziner mit den Informationen durch das Krankenhaus unzufrieden oder sehr unzufrieden.

So seien nur bei jedem dritten betroffenen Patienten Therapie-Änderungen begründet worden. Wie die Routinedatenanalyse zeigt, hatten 41 Prozent der Versicherten, also fast 484.000 Personen, nach Entlassung mindestens ein neues Arzneimittel bekommen.

Nicht altersgerechte Arzneimittel-Therapie

Zudem werden die Medikationsrisiken im Krankenhaus nicht  geringer. Laut Arzneimittelreport sei die Anzahl der Patienten, die nach der sogenannten PRISCUS-Liste eine nicht altersgerechte Arzneimitteltherapie erhalten, nach der stationären Behandlung höher als zuvor. Weiter habe jeder zehnte Patient nach dem Krankenhausaufenthalt Arzneimittel von einem Arzt verordnet bekommen, bei dem er im halben Jahr zuvor nicht in Behandlung war.

Ursache der Informationsdefizite sei weniger der einzelne Arzt, als vielmehr der unzureichend organisierte und nicht adäquat digital unterstützte Prozess einer sektorenübergreifenden Behandlung, sagte Barmer-Chef Prof. Dr. Christoph Straub.

Barmer startet Optimierungs-Projekt

Daher startet die Barmer mit zahlreichen Partnern im Oktober das Projekt TOP (Transsektorale Optimierung der Patientensicherheit). Das stellt den behandelnden Ärzten aus Krankenkassen-Daten alle behandlungsrelevanten Informationen zur Verfügung, sofern der Patient sein Einverständnis gegeben habe. Dazu gehörten Vorerkrankungen und eine Liste aller verordneten Arzneimittel.

Im Krankenhaus werde der Medikationsplan des Patienten vervollständigt oder erstellt, sofern noch nicht vorhanden, und die Therapie erklärt. "TOP ermöglicht zudem einen Informationsaustausch zwischen dem Krankenhaus und den einweisenden Ärzten ohne Reibungsverluste. Das Projekt hat das Potenzial, die Risiken sektorenübergreifender Behandlung in der Routineversorgung zu minimieren", sagte Straub.

Foto: Adobe Stock/H_Ko

Autor: bab
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