Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Fehlanreize im Gesundheitssystem belohnen Menge und nicht Qualität der Behandlung

Dienstag, 4. Dezember 2012 – Autor:

Psychiatrische Versorgung auf dem Prüfstand


Ein weiteres wichtiges Thema auf dem Qualitätskongress war die Frage, wie sich die Versorgung in der Psychiatrie verbessern lasse. Einig war man sich darin, dass ein Qualitätssicherungssystem in der Psychiatrie dringend nötig sei. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) arbeitet derzeit daran, Indikatoren für die Beurteilung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität zu entwickeln, Maßnahmen zur Sicherung der Qualität einzubringen und Empfehlungen für die Ausstattung der stationären Einrichtung mit therapeutischem Personal zu erarbeiten.

Professor Wolfgang Gaebel, Ärztlicher Direktor des LVR-Klinikums Düsseldorf sowie Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, betonte, dass es wichtig sei, sektoren-, disziplinen- und diagnoseübergreifende Indikatoren zu erarbeiten. Gerade in der Psychiatrie stellt sich dies allerdings oft als besonders schwierig dar. Diskutiert wurde auch, ob Routinedaten dazu geeignet seien. Dabei wurde von den Rednern betont, dass in der stationären Psychiatrie viele Leistungen der Ärzte gar nicht codier- und abrechenbar seien. Hier bestehe ein großer Nachholbedarf an einer Überarbeitung des Entgeltsystems.

Hygienestandards in den deutschen Kliniken


Professor Franz Daschner aus Freiburg und führender Klinikhygieniker in Deutschland betonte, dass nur rund 30 Prozent der Krankenhausinfektionen verhindert werden können, 70 Prozent der Infektionen seien die Folgen der modernen Medizin. Generell nehme die Gefahr durch Infektionen zu, je größer der medizinische Fortschritt sei. Die Krankenhausinfektionen haben, so Daschner, in Deutschland jedoch nicht zugenommen und die Kliniken im Bundesgebiet liegen bei den Krankenhausinfektionen im Vergleich zu anderen Industrienationen im Mittelfeld. Allerdings habe Deutschland eine viel zu große Häufigkeit bei den MRSA-Infektionen – hier gebe es viel zu tun.

Dr. Bernd Metzinger, Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, hält drei Maßnahmen zur Reduzierung von Infektionen im Krankenhaus für zentral: Es müsse der Antibiotikaeinsatz im ambulanten Bereich und in der Tiermedizin verringert werden. Zudem hätte das Personal im Krankenhaus durch die Leitungen die Möglichkeit zu erhalten, Hygieneprozesse einzuüben und verbindlich durchzuführen. Überdies müsse die Arbeitsverdichtung in der Pflege reduziert werden. Eine bessere Pflege und damit Infektions-verhinderung erfordere mehr Personal. Dr. Metzinger verwies darauf, dass in Deutschland 850 ausgebildete Krankenhaushygieniker fehlen. Dr. Gerhard Schillinger, Geschäftsführer beim AOK Bundes¬verband, stellte kritisch fest, dass sich z.B. nicht alle deutschen Krankenhäuser an der „Aktion saubere Hände“ beteiligen. Kliniken mit gutem Hygienemanagement müssten in der Öffentlichkeit sichtbarer werden.  
        

Deutscher Qualitätspreis Gesundheit geht an Franz Daschner


Erneut verlieh der Veranstalter des Kongresses, Gesundheitsstadt Berlin, den Deutschen Qualitätspreis Gesundheit – in diesem Jahr erstmals in Kooperation mit dem Tagesspiegel. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ist die bundesweit bedeutendste Auszeichnung im Bereich Qualität in der Gesundheitsversorgung und würdigt  vorbildliches Engagement für die Entwicklung und Umsetzung innovativer Konzepte zur Qualitätssicherung und Patientensicherheit in der Gesundheitsversorgung. In diesem Jahr ging der Deutsche Qualitätspreis Gesundheit an den o.g. Freiburger Arzt Professor Franz Daschner, einen der profiliertesten Klinikhygieniker Deutschlands.

Verantwortlich: 
Dr. Franz Dormann
Geschäftsführer
Gesundheitsstadt Berlin GmbH
Französische Str. 23
10117 Berlin

 

Weitere Nachrichten zum Thema Qualität und Gesundheit

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Der Ukraine-Krieg führt uns vor Augen, dass auch Mitteleuropa verwundbar ist. Wie real ist die Gefahr durch militärisch oder terroristisch missbrauchte Krankheitserreger? Und wer könnte sie einsetzen? Der Chef-Virologe der Bundeswehr zeichnet im Interview mit uns ein Lagebild.


 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin