. Behandlung von Schizophrenie

FDA lässt erste digitale Pille zu

In den USA ist soeben die erste digitale Pille zugelassen worden. Sie besteht aus einem bekannten Wirkstoff gegen Schizophrenie und einem digitalen Sender, der die Einnahme ans Smartphone sendet. Das System soll die Therapietreue verbessern.
Digitale Pille gegen Schizophrenie: Die Therapiekontrolle ist mit eingebaut

Digitale Pille gegen Schizophrenie: Die Therapiekontrolle ist mit eingebaut

Es klingt wie die totale Überwachung: Eine Pille, die über einen Sender verfügt und so Arzt und Patient über die Medikamenteneinnahme informiert. Doch in diesem Fall könnte die digitale Überwachung sinnvoll sein. Patienten, die an Schizophrenie und bipolaren Störungen leiden, nehmen ihre Medikation oft nicht regelmäßig ein – mit schweren Konsequenzen.

Genau da setzt das neue und soeben von der amerikanische Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Medizin-System Abilify MyCite an. Der darin enthaltene Wirkstoff Aripiprazol besitzt bereits seit längerem eine Zulassung zur Behandlung von bipolaren Störungen und Schizophrenie. Bei der aktuellen Zulassung ging es daher lediglich um den zugesetzten Sender. Der funkt über ein Pflaster auf der Brust des Patienten an eine Smartphone-App, sobald die Magensäure das Medikament zersetzt hat, damit der Patient seine Tabletteneinnahme nachverfolgen kann. Nach Herstellerangaben dauert das im Schnitt 30 Minuten. Mit Zustimmung der Patienten können die behandelnden Ärzte, die Einnahme über eine digitale Plattform ebenfalls überwachen. Das System soll darüber hinaus auch Stimmungsschwankungen und Aktivitätslevel registrieren können.

Mehr Therapietreue erhofft

Psychiater Dr. John Kane von der Donald and Barbara Zucker School of Medicine in Hofstra/Northwell (USA) glaubt, dass das neue System hilfreich ist. „Bis jetzt fehlte in der Behandlung von ernsten psychiatrischen Erkrankungen ein systematischer Ansatz, um sicherzugehen, dass der Patient seine Medikamente eingenommen hat. Ich denke, das neue System ist ein innovativer Weg, Patienten und ihre Betreuer über das Therapiemanagement zu informieren“, wird er in einer Medienmitteilung zitiert.

Für den Pharmakonzern Otsuka, der seit 25 Jahren Arzneimittel für psychische Erkrankungen entwickelt, ist eine derartige Behandlung ebenfalls neu. Die Einführung von Abilify MyCite solle daher ganz behutsam mit einigen ausgewählten Gesundheitsanbietern erfolgen, teilte das Unternehmen mit. Diese Partner würden dann ihrerseits eine kleine Anzahl von Patienten mit Schizophrenie, bipolaren Störungen und schweren Depressionen identifizieren. Daraus wolle man erst einmal Erfahrungen sammeln, wie sich das System in der Praxis bewähre.

Das Smartphone ist doch überall

Abilify MyCite ist eine gemeinsame Entwicklung von Otsuka Pharmaceutical und Proteus Digital Health. „Die Zeit ist reif für eine neue Kategorie von digitaler Medizin, um das Therapiemanagement von ernsthaft erkrankten Menschen zu verbessern“, sagte Andrew Thompson von Protheus mit Blick auf andere technische Entwicklungen wie online-Banking oder online-Shopping. Das Smartphone habe doch schon das tägliche Leben erobert, warum sollte man es nicht für die psychiatrische Behandlung nutzen?, so der Softwareexperte. 

Foto: © Antonioguillem - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Psychische Krankheiten , Psychopharmaka

Weitere Nachrichten zum Thema Psychopharmak

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KZV Berlin, großer Sitzungssaal, Georg-Wilhelm-Straße 16, 10711 Berlin
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.