Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
04.04.2021

Fasten senkt den Blutdruck und kurbelt das Immunsystem an

Menschen mit metabolischem Syndrom profitieren erheblich von einer Fastenkur. Das haben Forscher um Andreas Michalsen jetzt in einer Studie zeigen können. Blutdruck und Gewicht gehen runter, Stoffwechsel und Immunsystem werden angekurbelt – und das nachhaltig.
Mit Fasten kann man tatsächlich den Blutdruck senken

Mit Fasten kann man tatsächlich den Blutdruck senken

Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité ist schon lange ein Verfechter des Fastens. Seiner Ansicht nach ist der temporäre Nahrungsentzug das einzige Mittel, das lebensverlängernd wirkt – zumindest in den Industrienationen.

Nun hat der Mediziner zusammen mit Forschern des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und des Experimental and Clinical Research Centers (ECRC) an der Charité den Effekt des Fastens auf das metabolische Syndrom untersucht. Bei diesem „tödlichen Quartett“ treten Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Diabetes mellitus gleichzeitig auf. Betroffene sind stark gefährdet, Gefäßverschlüsse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle zu erleiden.

Fünf Tage keine feste Nahrung macht den Unterschied

Neben zahlreichen Medikamenten, etwa Tabletten gegen Bluthochdruck oder Diabetesmedikamente, bekommen die Patienten üblicherweise Sport und eine Mittelmeer-Diät verordnet. Die Umstellung auf gesundes Essen wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus. In einer Studie mit 71 Patienten konnten die Forscher nun zeigen, dass sich dieser Effekt erheblich verstärkt, wenn der Ernährungsumstellung eine fünftägige Fastenkur vorausgeht. Die Arbeit ist gerade im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen.

 

Dann drei Monate DASH-Diät

In der Studie wurden die Teilenehmer – alle litten am metabolischem Syndrom und erhöhtem systolischen Blutdruck –in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe begann sofort mit der DASH-Diät, die speziell gegen Bluthochdruck wirkt und viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte und Fisch enthält. Die andere Gruppe fastete fünf Tage lang, bevor sie mit der DASH-Diät begann. Beide Gruppen standen drei Monate lang unter Diät.

„Bei den Probandinnen und Probanden, die mit einer fünftägigen Fastenperiode in die gesunde Ernährung eingestiegen sind, blieben der Body Mass Index, der Blutdruck und der Bedarf an blutdrucksenkenden Medikamenten dauerhaft niedriger“, erläutert MDC-Professor Dominik Müller eines der zentralen Studienergebnisse.   

Immunsystem und Darmmikrobiom verändern sich zum Positiven

Weitergehende Untersuchungen zeigten, dass sich durch das Fasten im Körper einiges zum Positiven verändert. So bleibt das angeborene Immunsystem während des Fastens stabil, während sich das adaptive Immunsystem herunterfährt. „Dabei nimmt insbesondere die Anzahl von entzündungsfördernden T-Zellen ab, während sich regulatorische T-Zellen vermehren“, erläutert Erstautor Andras Maifeld die Ergebnisse der Immunphänotypisierung.

Positive Effekte hatte das Fasten offenbar auch auf das Mikrobiom des Darms. Die Darmbakterien stehen in engem Kontakt mit dem Immunsystem. So verstoffwechseln einige Bakterienstämme Ballaststoffe zu entzündungshemmenden kurzkettigen Fettsäuren, die das Immunsystem begünstigen. Während des Nahrungsverzichts verändert sich die Zusammensetzung des Ökosystems der Darmbakterien stark, wie Untersuchungen von Stuhlproben ergaben. „Dabei vermehren sich vor allem die gesundheitsfördernden Bakterien, was die Blutdrucksenkung fördert“, so Maifeld. Da einige dieser Veränderungen auch nach erneuter Nahrungsaufnahme bestehen blieben, habe Fasten „eine nachhaltige Wirkung.“

Fazit der Forscher: Fasten wirkt wie ein Katalysator für die schützenden Mikroorganismen im Darm. Die Gesundheit verbessert sich sichtbar sehr schnell, die Patienten können ihre Medikation reduzieren oder oftmals ganz auf Tabletten verzichten. „Deshalb empfiehlt es sich, eine Diät mit einer Fastenkur zu kombinieren.“

Foto: © Adobe Stock/forma82

Autor: ham
Hauptkategorien: Umwelt und Ernährung , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bluthochdruck , Ernährung , Immunsystem
 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Krebs: Eine halbe Million Menschen werden in Deutschland jedes Jahr mit dieser Diagnose konfrontiert. Die Deutsche Krebshilfe, die Betroffenen und ihren Familien seit 1974 hilft, verdankt ihren Erfolg auch den Prominenten, die ihren Glanz für die gemeinnützige Organisation in die Waagschale werfen. Gründerin war Mildred Scheel, populäre First Lady der Bundesrepublik und Ärztin. Neue Präsidentin ist Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Um Schmerzen zu bekämpfen oder vorzubeugen und ihre Leistung zu steigern, greifen immer mehr Sportler zu Schmerzmitteln. Vor allem der „prophylaktische“ Gebrauch ist dabei gefährlich, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin