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Fasten lindert Symptome bei Multipler Sklerose

Dienstag, 28. Juni 2016 – Autor:
Intermittierendes Fasten oder eine ketogene Ernährung können bei Multipler Sklerose Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Charité-Forscher Dr. Markus Bock leitete.
Saft-Fasten

Saft-Fasten wirkt sich positiv auf MS-Patienten aus – Foto: Printemps - Fotolia

An der sechs Monate dauernden Untersuchung nahmen 60 Patienten teil, von denen 48 bis zum Schluss beobachtet wurden. Sie wurden auf drei Gruppen aufgeteilt: Die Kontrollgruppe erhielt eine Mischkost. Die zweite Gruppe kombinierte ein siebentägiges Saft-Fasten mit anschließender Mischkost. Die dritte Gruppe erhielt eine ketogene Ernährung. Das berichtet die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in einer Pressemitteilung.

Fasten und ketogene Ernährung führten zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Lebensqualität - gemessen mit dem Multiple-Sclerosis-Quality-of-Life-Fragebogen. Zudem sanken in der ketogenen Gruppe zum Studienende die LDL/HDL-Cholesterin-Werte.

Bevor die neuen Erkenntnisse eventuell Eingang in die Behandlung finden, müssen sie in einer klinischen Studie mit größeren Patientenzahlen und MRT als Endpunkt abgesichert werden. Diese neue Studie ist für Ende 2016 geplant.

Fasten lindert Symptome bei  Multipler Sklerose

Multiple Sklerose ist die häufigste chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Ihre Ursache ist bislang ungeklärt. Hauptsächlich sind junge Erwachsene, Frauen häufiger als Männer, der westlichen Welt betroffen. Bisher gibt es keine Heilungsmöglichkeit.

Im Mausmodell hatte sich bereits eine positive Wirkung des Fastens auf die Krankheitsentstehung und den klinischen Verlauf gezeigt. Für eine in der Fachzeitschrift Cell veröffentlichte Studie setzten Forscher eine Gruppe von Mäusen mit der Autoimmunerkrankung auf eine dreitägige Fasten-Diät. Diese wurde nach jeweils sieben Tagen noch zweimal wiederholt. Die Kontrollgruppe erhielt normale Nahrung.

 

Fasten födert die Regeneration des Myelin

Fasten reduzierte bei allen Versuchstieren die Krankheitssymptome, 20 Prozent der Tiere erholten sich sogar ganz von der Erkrankung. Bei den Mäusen, die gefastet hatten, war der Pegel des Steroidhormons Corticosteron erhöht und der der Entzündung verursachenden Zytokine verringert.

Die Forscher fanden heraus, dass die Fasten-Diät die Regeneration des Myelin fördert - die Hülle aus Proteinen und Fetten, die die Nervenfasern schützet. Myelin ist entscheidend für die Leitung von Nervenimpulsen durch das Nervensystem. Bei Patienten mit Multipler Sklerose greifen körpereigene T-Zellen das Myelin an und schädigen die Nervenfasern.

Fasten hilft auch bei rheumatoider Arthritis

Kurzzeitiges (7-10 Tage), modifiziertes therapeutisches Fasten ist ein etabliertes Therapieverfahren zur Behandlung chronisch entzündlicher Erkrankungen. Klinisch wird die Fasten-Therapie bei rheumatoider Arthritis, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowie arteriosklerotischen Folgeerkrankungen mit gutem Erfolg eingesetzt.

Positive Effekte einer reduzierten Nahrungszufuhr sind auch bei anderen neurologischen Erkrankungen zu beobachten. In retrospektiven Studien zeigte sich, dass phasenweises Fasten mit einem verringerten Auftreten von Alzheimer und Parkinson einhergeht. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass Nervenzell-Degeneration durch Fasten verhindert beziehungsweise verlangsamt werden könnte.

Ketogene Ernährung mindert Anfälle bei Epilepsie

Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist bekannt, dass die die Anfallshäufigkeit bei an Epilepsie Erkrankten während des Fastens stark abnimmt. Da mit der Rückkehr zu normaler Ernährung die Symptome rasch wieder auftreten, wurde eine dauerhaft durchführbare Ernährungs-Form gesucht, welche den Fastenzustand imitiert. So wurde das Konzept der ketogenen Ernährung mit einer Umstellung auf einen hohen Fettgehalt (80 Prozent) bei äußerst geringem Zuckeranteil entwickelt.

Dem Gehirn werden dabei anstatt Glukose, die aus Fettsäuren in Leber und Gehirn gewonnenen Keton-Körper als alternative Energiequelle angeboten, wie es auch im Hungerzustand der Fall ist. Ähnlich dem Fasten ernähren sich nun die Zellen überwiegend von Fetten.

Auch ketogene Ernährung wirkt positiv auf MS

Die zuckerarme, kohlenhydrat-reduzierte Ernährung kann gut in den Alltag integriert werden. Ähnlich dem Fasten sind hier nervenzellschützende Eigenschaften wahrscheinlich. Die grundlegenden Veränderungen des Gehirnstoffwechsels unter ketogener Kost führen zu vermehrter Energieproduktion und verringerter Bildung von schädlichen freien Radikalen, heißt es weiter bei der DGMS.

Nach wie vor werde die ketogene Ernährung bei Patienten mit Epilepsie, bei denen die medikamentöse Therapie zuvor versagte, erfolgreich angewandt. MS-Patienten könnten von der erhöhten Energieversorgung des Gehirns, aus dem sich auch ein verbesserter Nervenzellschutz ergibt, profitieren.

Foto: Printemps

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