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01.09.2021

Fast jeder zweite COVID-19-Intensivpatient künstlich beatmet

Intensivstationen in Deutschland versorgen mittlerweile wieder mehr als 1.000 Covid-19-Patienten. Davon muss knapp die Hälfte künstlich beatmet werden. Intensivmediziner hoffen auf Impfeffekt.
Wieder mehr als 1.000 COVID-19-Patienten auf Deutschlands Intensivstationen

Wieder mehr als 1.000 COVID-19-Patienten auf Deutschlands Intensivstationen

Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden auf Deutschlands Intensivstationen knapp 130.000 Covid-19-Patienten behandelt. Aktuell befinden sich 1.008 Menschen wegen Covid-19 in intensivmedizinischer Behandlung. Davon muss knapp die Hälfte (458 Personen) invasiv beatmet werden. Die Zahlen gehen aus dem DIVI-Intensivregister hervor, Stand 29. August. Einen Wert von rund 1.000 Covid-19-Intensivpatienten meldete das Register zuletzt am 18. Juni. Danach sanken die Zahlen auf rund 354 am 22. Juli.

Zum Vergleich: Am 29. August vergangenen Jahres hatte die Zahl bei gerade einmal 241 gelegen, erst zu Ende Oktober hin war sie im Zuge der zweiten Welle auf über 1.000 gestiegen.

5.000 Intensivfälle gelten als rote Linie

Rund 5.000 Fälle gelten bundesweit als Belastungsgrenze für die Kliniken, wobei dann bereits planbare Operationen verschoben werden müssen. Anfang Januar war mit 5.700 Covid-19-Intensivpatienten ein Spitzenwert erreicht.

„Seit gut einem Monat steigen die Patientenzahlen wieder an – noch ist die Situation auf den Intensivstationen aber zu bewältigen“, sagt Professor Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Noch zeichnet sich also keine Überlastung der Intensivstationen ab, jedoch steigen die Inzidenzen. Andererseits dürften aber die Impfungen die Zahl der schwer Erkrankten drücken. Eine Simulation von DIVI-Wissenschaftlern zeigt, dass die Steigerung der Impfquote – und sei es nur um wenige Prozentpunkte – schon eine große Auswirkung auf die Zahl intensivpflichtiger COVID-19-Patienten haben kann.

 

Impfeffekt zögert Überlastung des Gesundheitssystems hinaus

„Im Unterschied zu den vorangegangenen Pandemiewellen braucht es in diesem Herbst eine höhere Inzidenz, bis die Intensivbetten vergleichbar stark belegt sind“, sagt Studienautor und Mathematiker Professor Andreas Schuppert, Leiter des Instituts für Computational Biomedicine an der RWTH Aachen. „Und nur eine zehnprozentige Steigerung der Impfquoten bei den über 35-Jährigen sowie den über 60-Jährigen führt zu einer erheblich verringerten Intensivbettenbelegung.“

„Nur wenige Prozentpunkte in der Impfquote haben eine erhebliche Auswirkung auf die potenzielle Intensivbelegung im Herbst“, sagen auch die beiden medizinisch-wissenschaftlichen Leiter des DIVI-Intensivregisters Professor Christian Karagiannidis von der Lungenklinik Köln-Merheim und Professor Steffen Weber-Carstens, von der Charité. Für die Intensivmedizin sei die Impfquote der über 35-Jährigen von entscheidender Bedeutung. „Deswegen müssen wir alles daransetzen, die Impfakzeptanz in den kommenden Wochen deutlich zu steigern“, sagen die Intensivmediziner.

Aktuell sind in Deutschland 60,6 Prozent vollständig geimpft, 65,3 Prozent haben mindestens eine Impfung erhalten. Die Impfquote steigt seit Wochen jedoch nicht mehr so stark an wie zu Beginn der Impfkampagne.

„Wer sich jetzt impft, kann die Mortalitäts- und Morbiditätsraten verringern – also die Häufigkeit der Erkrankungen, die Zahl der schweren Verläufe und die daraus resultierenden Todesfälle“, betont Intensivmediziner Marx Mediziner. Leben retten zu können oder schwere COVID-19-Fälle zu verhindern, das sei ein sinnvoller Anreiz für eine Impfung.

Foto: © Adobe Stock/ Taechit

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin , Gesundheitspolitik
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