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Fast jeder zehnte Schulanfänger ohne Masern-Impfung

Montag, 10. November 2014 – Autor:
Masern könnten längst ausgerottet sein, wenn alle Eltern ihre Kinder gegen Masern impfen lassen würden. Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts zeigen jedoch, dass in Deutschland knapp acht Prozent der Schulkinder ohne Impfschutz sind. Bei Erwachsenen sind die Impflücken noch größer.
Fast jeder zehnte Schulanfänger ohne Masern-Impfung

Eine Masern-Impfung kann in jedem Alter nachgeholt werden

Deutschland verfehlt weiterhin das WHO-Ziel, die Masern in Europa bis zum Jahr 2015 auszurotten. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz braucht, um dieses Ziel zu erreichen. Deutschland kommt aber gerade mal auf 92,4 Prozent bei den Schulkindern und bescheidene 38,1 Prozent bei den Erwachsenen. Bei den 60-bis 64-Jährigen liegt der Impfschutz sogar bei nur noch knapp vier Prozent. Das geht aus der Berichterstattung des Robert Koch-Instituts hervor, den das Bundesinstitut im Oktober der WHO vorgelegt hat. 

Erst nach zwei Masern-Impfungen besteht vollständiger Impfschutz

Für den Bericht hat das RKI zwischen 2010 und 2012 den Impfstatus der Schulanfänger bei der Schuleingangsuntersuchung anhand der vorgelegten Impfausweise erhoben. Demnach waren knapp acht Prozent der Kinder entweder nur unzureichend oder überhaupt nicht gegen die hochansteckende Infektionskrankheit geimpft. Ein ausreichender Impfschutz besteht erst nach zwei Masern-Impfungen. Nur zwei Bundesländer haben die angestrebte Impfquote von 95 Prozent erreicht: Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern, letzteres hat mit 95,8 Prozent die Quote sogar übertroffen.

Impflücken in der Bevölkerung führen auch in Deutschland immer wieder zu regionalen Masernausbrüchen. Laut RKI hat es in 2013 in Deutschland 1.770 Masernfälle gegeben, fast alle Maserninfektionen traten bei Umgeimpften auf. Nach den WHO-Vorgaben dürften in Deutschland aber insgesamt nur 80 Maserfälle auftreten.

Nicht-immunisierte Mütter können ihren Säuglingen keinen Nestschutz bieten

Dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind, zeigt aktuell der tragische Fall der vierjährigen Aliana aus Hessen. Das Mädchen leidet an einer chronischen Maserngehirnentzündung. Die so genannte subaktute sklerosierende Panenzephalitis(SSPE) ist eine Spätfolge einer Maserninfektion und verläuft immer tödlich. 

Alle Menschen, aber insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene sollten ihren Masernimpfschutz überprüfen, appelliert der Kinderarzt Dr. Martin Terhardt von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Gerade in der Generationen 1980er und 1990er Jahren Geborenen gebe es jetzt viele junge Frauen, die keinen Schutz gegen Masern hätten, berichtet der Kinderarzt auf der Internetseite www.kinderaerzte-im-netz.de. Somit sei auch ihr Nachwuchs in den ersten Lebensmonaten nicht gegen die Infektionskrankheit gefeit. „Eine sehr gefährliche Situation, denn wenn diese Frauen Kinder bekommen, sind auch diese Kinder schutzlos und können sich schon im frühen Säuglingsalter anstecken. Deshalb empfehlen wir allen Frauen mit Kinderwunsch unbedingt die Impfung gegen Masern, sonst kann das schlimme Folgen für den Nachwuchs haben“, warnt Terhardt. Im Fall der vierjährigen Aliana war die Mutter offenbar nicht gegen Masern immunisiert. Das Mädchen hatte sich im Alter von drei Monaten mit Masern angesteckt. Obwohl die Erkrankung zunächst komplikationslos verlief, ist es Jahre später an der fatalen Maserngehirnhautentzündung erkrankt.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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