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10.10.2020

Falsche Lesegewohnheiten machen Kinder kurzsichtig

Je länger junge Menschen Schulen und später Hochschulen besuchen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie kurzsichtig werden. Auf diesen Zusammenhang weist die Stiftung Kindergesundheit hin. Der Grund: Ungesunde Sehgewohnheiten und Lesebedingungen wie schlechtes Licht, zu wenig Abstand und zu wenig Pausen.
Schuljunge mit dicker, schwarzer Brille, in ein Buch vertieft, links und rechts Bücherstapel

Bei der Geburt sind Kinderaugen weitsichtig – wie die von alten Menschen. Dann wachsen sie und erreichen im Alter zwischen sechs und neun Normalsichtigkeit. Bei gesunden Lesegewohnheiten bleibt das so – bei ungesunden nicht.

 Bei der Geburt sind Kinderaugen in der Regel weitsichtig. Das ändert sich dann im Laufe des Größenwachstums des Augapfels. Dieses Wachstum endet bei der sogenannten Normalsichtigkeit um das sechste bis neunte Lebensjahr. Wächst das Auge aber weiter in die Länge, kommt es zu Kurzsichtigkeit, fachlich „Myopie“ genannt. Kurzsichtigkeit kann in der Familie liegen und von den Eltern geerbt werden. „Wichtiger jedoch als die genetische Veranlagung erweisen sich Umwelteinflüsse wie Bildung, Beruf und Freizeitgestaltung auf die Entwicklung von Kurzsichtigkeit“, betont die Stiftung Kindergesundheit und beobachtet ein klaren Trend: „Je länger ein Kind eine Schule besucht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu werden. Damit nicht genug: Je höher der Abschluss der Ausbildung in Schule, Studium und Beruf, desto kurzsichtiger werden die Menschen.“

Mehrheit der Kinder in Deutschland trägt Brillen

Nach Erkenntnissen der Stiftung Kindergesundheit trägt die Mehrzahl der Kinder in Deutschland eine Brille aufgrund von Kurzsichtigkeit. Bis zum Ende der Grundschulzeit werden in Deutschland heute rund 15 Prozent aller Kinder kurzsichtig. Der Anteil der Kurzsichtigen steigt bis zum Alter von 25 Jahren auf rund 45 Prozent.

 

Gift für die Augen: keine Pausen, wenig Abstand, schlechtes Licht

Beim Wachstum des Auges und der möglichen Entstehung einer Kurzsichtigkeit spielen Sehgewohnheiten eine entscheidende Rolle. „Menschen, die im Kindesalter und als junge Heranwachsende über Jahre hinweg viel lesen, haben ein größeres Risiko, kurzsichtig zu werden“, heißt es bei der Stiftung Kindergesundheit weiter. Dabei spielen sowohl die Lesedauer, als auch der Leseabstand und die Beleuchtung beim Lesen eine Rolle. Als ungünstig gelten das ununterbrochene Lesen über 30 Minuten hinweg und das „Lesen mit der Nase“ mit einem Abstand der Augen vom Text von weniger als 30 Zentimetern.

Augenreiben, Kopfschmerzen, Augen zusammenkneifen

Eine Kurzsichtigkeit fällt meistens erst dann auf, wenn ein Kind Gegenstände oder Personen in der Ferne immer später als andere erkennt. Es schreibt zum Beispiel falsch von der Wandtafel ab, verwechselt Zahlen oder Buchstaben, reibt sich oft die Augen und klagt über Kopfschmerzen. Im Körper passiert dabei Folgendes: Ist der Augapfel zu lang, schneiden sich die Strahlen, die aus der Ferne kommen, dann nicht auf, sondern schon vor der Netzhaut und werden als verschwommenes Bild ins Gehirn weiter gemeldet. Kurzsichtige Kinder versuchen deshalb, die unscharfen Bilder, die ihre Augen ihnen liefern, mit einem einfachen Kunstgriff zu verbessern: Sie kneifen die Augen zum besseren Sehen zu. Erwiesenermaßen hilft das, denn: Durch die zugekniffenen Lider verkleinert sich die Pupille und die Trennschärfe steigt an, etwa so wie beim Fotografieren die Tiefenschärfe durch Verkleinerung der Blende erhöht wird.

Viel Tageslicht und Spielen im Freien verhindert Kurzsichtigkeit

Eine besondere Rolle bei der Entstehung und Fortschreiten der Kurzsichtigkeit spielt die Frage, wie viel Tageslicht junge Menschen zu Gesicht bekommen. Eine Reihe von Untersuchungen belegt, dass Kinder umso seltener kurzsichtig werden, je weniger Lichtmangel und je mehr Tageslicht sie erleben und mehr sie im Freien spielen. Beim längeren Aufenthalt an der frischen Luft schaut das Auge meist in die Ferne und nicht auf Objekte in der Nähe.

Tipps, um Kurzsichtigkeit bei Kindern vorzubeugen:

  • Die „30-10-Regel“ befolgen: Alle 30 Minuten das Nahsehen für zehn Minuten unterbrechen.
  • Schon zwei Stunden tägliche Aktivitäten bei Tageslicht können das Auftreten von Kurzsichtigkeit halbieren, ergeben Studien.
  • 40 Minuten zusätzlicher Aufenthalt im Freien vermindern die Zunahme der Kurzsichtigkeit um etwa 20 Prozent.
  • Weniger die Intensität der Sonnenstrahlung spielt eine Rolle als die Dauer des Aufenthalts unter freiem Himmel.

 Kurzsichtigkeit: Nicht heilbar, aber mit Brille gut korrigierbar

„Heilen“ lässt sich eine Kurzsichtigkeit nicht, betont die Stiftung Kindergesundheit: Ist der Augapfel zu lang, schrumpft er nicht wieder. Ist Kurzsichtigkeit einmal vorhanden, bleibt sie bestehen und nimmt sogar bis ins Erwachsenenalter zu. Korrekturen per Laserbehandlungen werden kontrovers diskutiert. Mit Brillen oder Kontaktlinsen lässt sich Kurzsichtigkeit aber gut korrigieren und kann in einem gewissen Umfang auch eingedämmt werden. „Eltern sollten das Kind stets zum Tragen der Brille ermuntern“, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit: „Es kann mit der Brille erwiesenermaßen konzentrierter Arbeiten und ermüdet weniger schnell, wenn es gut sieht.“

Foto: AdobeStock/candy1812

Autor: zdr
 

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