. Extremkostenbericht des InEK

Extremkostenfälle verhageln Unikliniken das Ergebnis

Unikliniken sind bei Extremkostenfällen unterfinanziert. Der am Dienstag veröffentlichte "Extremkostenbericht" des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) bestätigt das nun.
Extremkostenbericht des InEK: Universitätskliniken besonders von Kostenausreißern betroffen

Extremkostenbericht des InEK: Universitätskliniken besonders von Kostenausreißern betroffen

Unikliniken behandeln im Vergleich zu anderen Krankenhäuern wesentlich mehr Patienten mit besonders schweren und komplexen Erkrankungen. Für diese Extremkostenfälle müssen sie eine besonders aufwändige medizinische Infrastruktur vorhalten. Die entsprechenden Zusatzkosten werden jedoch über die DRG-Fallpauschalen nicht ausreichend abgedeckt. Denn DRGs sind auf Standardfälle ausgelegt und basieren auf einer Mittelwertkalkulation über alle Krankenhäuser.

Das Dilemma der Universitätskliniken bestätigt nun der Extremkostenbericht, den das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) am Dienstag veröffentlicht hat. Die Unterdeckungen machten bezogen auf einzelne Universitätsklinika teils höhere einstellige Millionenbeträge aus, heißt es in dem Bericht. Bestätigt wird auch, dass Universitätskliniken überproportional viele Extremkostenfälle versorgen.

Extremkostenfälle reißen zum Teil millionenschwer Löcher in die Kassen der Unis

Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) begrüßte den Bericht, weil er endlich das zeigt, was die Hochschulmedizin schon lange bemängelt. „Extremkostenfälle tragen zur aktuellen wirtschaftlichen Notlage der Universitätsklinika bei“, sagt VUD-Generalsekretär Ralf Heyder. „Das Gutachten zeigt, dass Universitätsklinika im Fallpauschalen-System nicht immer ausreichend finanziert sind, weil sich außergewöhnlich aufwändige Fälle in den Uniklinika häufen. Dafür brauchen wir eine Lösung.“

VUD fordert Extremkostenzuschläge

Aus Sicht von Ralf Heyder wären Änderungen im Fallpauschalen-Katalog ein denkbarer Weg. Allerdings dürfe dadurch das DRG-System nicht noch komplizierter werden. „Sollte eine Lösung alleine über den Katalog nicht gelingen, dann dürfen pauschale Extremkostenzuschläge als Belastungsausgleich kein Tabu sein“, so Heyder.

Das InEK hat den Extremkostenbericht für das Jahr 2015 erstmalig veröffentlicht. Auftraggeber waren der GKV-Spitzenverband, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Im November hatten die Universitätskliniken mit der Aktionswoche „Wir leisten mehr“ auf die Problematik aufmerksam gemacht. Zuvor waren sie mit der Forderung nach einem Systemzuschlag bei Bundesgesundheitsminister Herman Gröhe abgeblitzt.

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Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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