. Charité

Externes Experten-Gremium hat Arbeit aufgenommen

Nach den Missbrauchsvorwürfen an der Charité hat ein externes Experten-Gremium seine Arbeit aufgenommen. Die Experten sollen die Vorgänge aufklären und Kommunikationsabläufe in Europas größtem Universitätsklinikum prüfen.
Externes Experten-Gremium hat Arbeit aufgenommen

Die Aufklärer wollen herausfinden, wie die Charité Abläufe verbessern kann

Unter der Leitung der ehemaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat ein externes Experten-Gremium am Montag, 26. November, an der Charité seine Arbeit aufgenommen. Neben Brigitte Zypries gehören Julia von Weiler vom Kinderschutzverein „Innocence in Danger“, Sigrid Richter-Unger von der Beratungsstelle „Kind im Zentrum“, Hamburgs Ex-Innensenator Udo Nagel, der Kinderchirurg Sylvester von Bismarck und der Gesundheitsberater Günther Brenzel dem Experten-Gremium an.

Umfangreiche Reformen sollen folgen

In seiner Auftaktsitzung führte das Gremium zunächst ein Gespräch mit der Leitung der Charité und der Leitung der Klinik und wurde über den aktuellen Fall mit seinen Auswirkungen auf den Klinikbetrieb informiert. Zunächst wollte sich das sechsköpfige Team ein Bild von den „Zuständen“ an der Charité machen. Längerfristig sollen umfangreiche Reformen an der Charité eingeleitet werden. Hierzu zählen etwa die Verbesserung von Kommunikationsabläufen innerhalb der Kliniken und von Informationskaskaden: Wer informiert wen wann? Ferner werden Fragen der verbesserten Prävention, des Kinderschutzes und der Fortbildung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Rolle spielen.

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte es als „unerklärlich“ bezeichnet, dass ein Pfleger, der bereits auffällig geworden war, weiterhin in der Kinderklinik tätig sein konnte und am 14. November eine 16-Jährige missbraucht haben soll. Die Senatorin forderte „ein tragfähiges Kinderschutz- und Präventionskonzept an der Charité.“ Wie andere Politiker kritisierte auch Scheeres, dass die Charité den Fall nicht früh genug bekannt gegeben hatte. Gegen den Pfleger hatte das Universitätsklinikum zunächst keine Anzeige erstattet, ihn aber sofort vom Dienst suspendiert.

Nach der ersten Sitzung am Montag legte die Charité einen Bericht über die Ereignisse seit dem angezeigten Missbrauch vor. Sandra Scheeres erklärte nach der Lektüre, die Mitarbeiter der Station hätten offenbar schnell und richtig gehandelt – dann aber sei die Informationskette abgerissen. „Das zeigt, dass verbindliche Verfahren für solche Fälle fehlen.“

Charité hat eine Telefon-Hotline eingerichtet

Für die Charité geht es jetzt vor allem darum, das Vertrauen in der Öffentlichkeit wieder herzustellen. Das externe Experten-Gremium war vom Vorstand der Charité einberufen worden.  Inzwischen hat das Universitätsklinikum eine Telefon-Hotline geschaltet hat, in der Patienten, Eltern, Angehörige und auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Charité durch psychologisch geschulte Fachkräfte beraten werden. Charité Vorstand Karl-Max Einhäupl hatte außerdem die Einführung eines erweiterten Führungszeugnisses von Pflegekräften in sensiblen Bereichen der Patientenversorgung angekündigt und einen „Kommunikationsmanager an der Spitze der Klinik“ in Aussicht gestellt.

Parallel zur Arbeit des Expertenteams wird der Verein „Kind im Zentrum“ mit der Charité ein Präventions- und Maßnahmenpaket erarbeiten, mit dessen Hilfe Missbrauchsfälle verhindert oder – falls sie doch auftreten – schnellstmöglich aufgeklärt werden können.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Charité

Weitere Nachrichten zum Thema Charité

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.