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Experten zur Covid-Impfung unter MS-Therapie: Besser eine geringe Immunantwort als keine

Forscher aus Israel berichten, dass MS-Patienten unter Fingolimod und Ocrelizumab keine ausreichende Impfantwort haben. Experten des Kompetenznetzes Multiple Sklerose teilen die Bedenken nicht. Sie raten zur Impfung.
Wie hoch ist die Impfantwort unter laufender Immuntherapie? Eine Studie aus Israel weckt Zweifel an der Wirksamkeit der Impfung

Wie hoch ist die Impfantwort unter laufender Immuntherapie? Eine Studie aus Israel weckt Zweifel an der Wirksamkeit der Impfung

Eine Publikation aus Israel sorgt in neurologischen Fachkreisen für Aufsehen. Die Gruppe um Anat Achiron hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, wonach es unter Fingolimod und Ocrelizumab keine oder eine nicht ausreichende Impfantwort gibt. Begründet wird dies durch die ELISA- Messung mit Antiköpern gegen das rekombinant hergestellte Spikeprotein des SARS CoV 2. Auch werden in der Publikation weitreichende Behandlungs- und Umstellungsempfehlungen für Patienten mit Multipler Sklerose gegeben.

Kompetenznetz MS rät stark zur Impfung

Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKMS) teilt die Sorge nicht, dass insbesondere bei Behandlung mit S1P Modulatoren kein Impfschutz bestehen könnte.

„In der Impf-Empfehlung des KKNMS haben wir bereits ausgeführt, dass bei den bislang auf dem Markt befindlichen Impfstoffen gegen SARS CoV 2 – wie bei anderen Impfungen – bei bestimmten Medikamenten eine verringerte Immunantwort auftreten könnte, grundsätzlich aber stark zur Impfung gegen SARS CoV2 geraten wird “, so KKNMS-Vorstandsmitglied Prof. Zipp, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Mainz. „Selbst ein verringerter Schutz ist wichtig und besser als kein Schutz“, so Zipp.

 

Frankreich empfiehlt MS-Patienten eine dritte Impfung

Seitens der Grippe-Impfung sei bekannt, dass die Immunreaktion sowohl unter Ocrelizumab als auch unter S1P-Modulatoren verringert, aber durchaus vorhanden sei. Daher würden aktuell bereits für alle Impfungen und für die SARS CoV2 Immunisierung bestimmte Abstände zur letzten oder ersten (vor Initiierung einer neuen) Medikamentengabe empfohlen. In Frankreich werde zudem bereits empfohlen, dass Transplantierte und Immunsupprimierte 3 bis 4 Wochen nach der zweiten eine dritte Dosis eines mRNA-Impfstoffs erhalten sollen.

Immunantwort vielfältiger als messbare Antikörper

„Grundsätzlich wissen wir mittlerweile, dass die Immunantwort auf eine SARS CoV 2 Infektion vielfältig sein kann, es sind Antikörper sowie B- und T-Zellen involviert“, sagt KKNMS-Sprecher Prof Wiendl. Dabei korrelierten nach den bisherigen Erkenntnissen Antikörper- und zelluläre Immunantwort eher gering. Die Messung von Antikörperantworten nach Impfung bilde die Kompetenz der Immunantwort gegen SARS CoV2 nicht vollständig ab. Der Neurologe hebt hervor, dass die klinische Impfantwort in der israelischen Arbeit gar nicht untersucht worden sei.

Eine aktive Therapieumstellung oder auch ein verzögerter Beginn einer Therapie bei Patienten mit hochaktiver MS aufgrund von Bedenken zur Impfung bzw. Impfantwort wird von der KKNMS nicht empfohlen.

Foto: © Adobe Stock/ Prostock-studio

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
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