. Klimawandel

Experten warnen: Deutschland ist auf Hitzewellen nicht vorbereitet

Aktuell steht uns eine Hitzewelle bevor. Doch Deutschland ist für die bevorstehenden hohen Temperaturen nicht gerüstet. Das betonen drei Klima-Organisationen in einer gemeinsamen Mitteilung.
Hitze

Deutschland steht eine Hitzewelle bevor; für viele Menschen kann das gesundheitsgefährdend sein

Eis essen, Schwimmen gehen, abends lange im Biergarten sitzen – Viele Menschen genießen den Hochsommer. Andere wiederum leiden unter der aktuellen Wetterlage, vor allem, wenn sie lange anhält und es auch in den Nächten kaum abkühlt. Und die Hitze kann nicht nur unangenehm sein, sondern auch die Gesundheit gefährden und sogar zu Todesfällen führen.

Bei Hitzewellen wie in diesen Tagen würden regional „bis zu rund 60 Prozent der Bevöl­ke­­rung kritischen Grenzwerten ausgesetzt“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen und des Aktionsbündnisses Health for Future. Die Hitze bedrohe Menschenleben. Gefährdet seien vor allem chro­nisch Kranke, Kleinkinder, alleinstehende und ältere Menschen.

Nationaler Hitzeschutzplan fehlt

Obwohl das Umweltbundesamt schon 2014 Handlungsbedarf angemeldet habe und die Bundesregierung 2017 die Länder aufgefordert habe, Hitzeaktionspläne aufzustellen, sei so gut wie nichts passiert. „Deutschland ist für Hitzewellen nicht gerüstet!“ kritisiert Dr. Martin Herrmann von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), einem bundesweiten Zusammenschluss von Ärzt*innen, Pflegeberufen und weiteren im Gesundheitssektor Beschäftigten. „Es gibt kein für alle verbindliches Alarmsystem, keine Identifizierung von Gefahrenzonen und Risikogruppen, keine Hitzeleitstellen, keine Kühlzonen und keine Fortbildung für Niedergelassene, Krankenhaus- und Pflegeheim-Angestellte, mit ganz wenigen Ausnahmen.“

Die Folgen seien gravierend. „Während Hitzewellen sterben acht bis zwölf Prozent mehr Menschen“, betont KLUG-Mitglied Ralph Krolewski, Vorstand im Hausärzteverband Nordrhein. „Dass man viele der Hitzetoten verhindern kann, zeigt das Beispiel Frankreich. Dort lösen Temperaturen ab 32 Grad schon die erste Alarmstufe in Kommunen und Gesundheitswesen aus, ab 38 Grad wird der Zivilschutz aktiv. Die einzelnen Präfekturen reagieren dann auf der Basis eines nationalen Hitzeschutzplanes. Warum geht das nicht in Deutschland?“

 

Hitzewarnsysteme in Deutschland nicht ausreichend

Zwar gibt es in Deutschland seit 2005 ein bundesweites Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit Kanälen zu Alten-und Pflegeeinrichtungen, Landesministerien oder zuständigen Gesundheits- und Aufsichtsbehörden. In der Praxis funktioniere es aber nur eingeschränkt und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gut, kritisiert Prof. Dr. Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes.

Patienten und medizinisches Personal leiden unter Hitzewellen

Auch Aufklärung und Verhaltensempfehlungen für Risikogruppen fehlen in Deutschland fast vollständig, zum Beispiel für Eltern von Säuglingen und Kleinkindern oder Betreuer*innen in Schulen und Kindertagesstätten, so die Experten der Klima-Organisationen. Zudem gebe es nur selten Gebäudeanpassungen in Kliniken, Heimen und Arztpraxen – wie Thermoschutz, Begrünung oder Trinkwasserspender.

Dr. Eckart von Hirschhausen, Gründer der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, erklärt: „Auch die Innentemperaturen in vielen älteren Gebäuden von Altenheimen und Krankenhäusern steigen brutal, wenn es draußen heiß wird. Hohe Außentemperaturen sind ein medizinischer Notfall für Patienten und Profis. Wie soll jemand für einen Patienten da sein, wenn er selber kurz vor dem Umkippen steht?“

Foto: Adobe Stock / Quality Stock Arts

Autor: anvo
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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