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Experten: Vierlinge der 65-Jährigen sind Hochrisiko-Patienten

Den Vierlingen der 65-jährigen Berlinerin geht es den Umständen entsprechend. Eine Woche nach der Geburt zeigen sich die behandelnden Ärzte mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Doch die kritische Phase ist noch nicht überstanden.
Charité-Experten: Vierlinge kommen immer zu früh zur Welt

Als Hochrisiko-Patienten stufen die Charité-Professoren Christoph Bührer (links) und Wolfgang Henrich die Vierlinge der 65-Jährigen Berlinerin ein.

„Die Kinder benötigen viel Aufmerksamkeit und eine intensive Behandlung“, so Professor Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie der Charité. Dort werden die drei Jungen und das Mädchen seit ihrer Geburt am Dienstag vor einer Woche betreut. Das Mädchen musste bereits operiert werden. Im Darm hatten sich kleine Löchlein gebildet. Die Kinderchirurgin der Charité hat sie am Dienstag zugenäht. Das Baby hat die Operation überstanden.

Die Verdauung ist neben der Atmung eine der besonders kritischen Vitalfunktionen bei Frühgeborenen. Auch selbstständig Atmen müssen die Babys erst lernen. Zwei von ihnen werden noch künstlich beatmet. Alle vier werden noch rund drei Monate auf der Neugeborenen-Intensivstation der Charité bleiben müssen. Die Mutter hat sich dagegen gut erholt und ist entlassungsfähig. Sie besucht ihre Babys mehrmals täglich.

Vierlinge sind als Frühgeborene gefährdet

Die vier Babys kamen nach einer künstlichen Befruchtung per Kaiserschnitt in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt. Sie wogen bei der Geburt zwischen 655 und 960 Gramm und waren zwischen 30 und 35 Zentimeter groß. „Das Mädchen ist das kleinste von den vieren, aber das fitteste“, sagt Bührer. Mädchen haben unter diesen besonders frühgeborenen Babys nach seinen Angaben die besseren Überlebenschancen.

Generell gelten Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 100 Gramm als Hochrisikopatienten. „Das sind Kinder, die sterben können, die sich schwere Krankheiten einfangen können und das sind Kinder, die auch durchaus Folgeschäden davontragen können“, sagte Bührer. Das hängt nach seinen Angaben aber weder damit zusammen, dass es Vierlinge sind noch damit, wie sie entstanden sind. „Die Besonderheit ist, dass es sehr unreife Frühgeborene sind“, sagte Bührer.

 

Alter der Mutter ist kein Risikofaktor

Auch das vieldiskutierte Alter der Mutter spielt dabei keine Rolle. Darauf wies der Direktor der Klinik für Geburtsmedizin der Charité, Professor Wolfgang Henrich hin. Jede Mehrlingsschwangerschaft verkürze die Schwangerschaftsdauer. Durchschnittlich kommen Vierlinge nach seinen Angaben in der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt. „Es gibt auch bei jüngeren, ganz gesunden Frauen Vierlinge mit 25 Wochen“, sagte Henrich.

Der Charité-Experte appellierte daher an die Reproduktionsmediziner, bei künstlichen Befruchtungen Vorsicht mit Mehrlingsschwangerschaften walten zu lassen. „Eine Mehrlingsschwangerschaft ist per se eine Risikoschwangerschaft“, so Henrich. Sein Appell richtet sich vor allem an Ärzte in anderen Ländern, die künstliche Befruchtungen vornehmen. Denn die 65-jährige Berlinerin hatte sich in der Ukraine befruchtete Eizellen einpflanzen lassen. „Die deutschen Reproduktionsmediziner versuchen höhergradige Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden. Das gelingt auch in den meisten Fällen. Die Fälle, die uns jetzt vermehrt begegnen, sind im Ausland entstanden“, sagte Henrich.

Foto: Mißlbeck

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorien: Berlin , Demografischer Wandel
 

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