. Raumbelüftung

Experten stellen Luftfiltergeräten gegen Corona-Viren ein schlechtes Zeugnis aus

Luftfiltergeräte gegen Corona-Viren für den Privatgebrauch halten nicht das, was sie versprechen. Das ist das Ergebnis einer Stichprobe des Verbrauchermagazins SUPER.MARKT. Kernproblem: Das Volumen an gereinigter Raumluft ist viel zu gering, als dass es wirklich vor einer COVID-19-Infektion schützen könnte.
Luftfiltergeräte sollen vor Corona-Viren schützen. Doch Experten sind skeptisch

Luftfiltergeräte sollen vor Corona-Viren schützen. Doch Experten sind skeptisch

„Mobile Luftreiniger schützen vor COVID-19.“ Mit solchen oder ähnlichen Slogans werben Hersteller von mobilen Luftfiltergeräten für eine virenfreie Luft in geschlossenen Räumen. Angaben wie 2-stufiges Filtersystem oder eine 99prozentige Abscheideleistung sind für den Verbraucher nur schwer zu bewerten. Drum hat das Verbrauchermagazins SUPER.MARKT Experten um Einschätzung gebeten. Untersucht wurden vier mobile Luftreiniger für den Privatgebrauch, die versprechen, mithilfe unterschiedlicher Techniken die Innenraumluft von Corona-Viren bis zu 99,99 Prozent zu reinigen.

Risikoreduktion unter 1 Prozent

Doch keines der Geräte hält, was es verspricht. Zwar könne man mit eingebauten hochwertigen Filtern eine Reinigung der Luft auch von Corona-Viren erreichen. Entscheidend sei aber viel mehr die Menge an Luft, die ein einzelnes Gerät filtern könne, erklärte Professor Martin Kriegel von der TU Berlin. Der Experte befasst sich seit Jahren mit der Verbreitung von Luftpartikeln und seit Corona auch mit Viren in der Atemluft. "Also 100 Kubikmeter ist nichts“, sagte Kriegel. „Wenn das Gerät 100 Kubikmeter schafft, dann kann ich damit vielleicht 0,5 Prozent Änderung im Gesamtrisiko erwirken, aber nicht wirklich einen Effekt erreichen."

 

1000 Kubikmeter schafft kein Gerät für den Privatgebrauch

Selbst wenn 400m³ gereinigt würden, habe gründliches und regelmäßiges Lüften den gleichen Effekt wie teure Geräte, deren Preise von mehreren hundert bis über 1.000 Euro variierten. Dem Experten zufolge sollten bei einem 30m² großen Zimmer zum Beispiel 1000m³ gereinigt werden. Diese Leistung bietet jedoch keines der Geräte.

Vorsicht vor UV-Lampen

Und wie sieht es mit Geräten aus, die UV-Licht nutzen, um Viren in der Luft abzutöten? Dass ultra-violette Strahlen Viren neutralisieren können, ist schon lange bekannt und wird bei der Desinfektion von Oberflächen oder zur Entkeimung von Schwimmbädern genutzt. In Zeiten von Corona lässt sich so - theoretisch - auch die Luft in Innenräumen reinigen. Das Umweltbundesamt aber warnt, denn es geht um UV-Licht mit geringer Wellenlänge, sogenannte UV-C-Strahlen. Bei direkter Einstrahlung auf Haut und Augen sind diese gesundheitsschädlich. Professor Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamtlegt betont deshalb, "...dass verhindert werden muss, dass da irgendwelche Kinder an den Geräten rumspielen und in Kontakt mit der UV-Lampe geraten."

Fazit der Recherchen: Wichtig sind hochwertige Filter und eine größtmögliche verarbeitete Luftmenge. Unter diesem Aspekt kann keines der Geräte aus der Stichprobe wirklich überzeugen - trotz der hohen Anschaffungskosten. Professor Moriske vom Umweltbundesamt resümiert: "Sinnvoll sind diese Luftreiniger ergänzend oder in Räumlichkeiten, wo ich schlichtweg nicht über Fenster lüften kann, aus welchen Gründen auch immer und auch keine Lüftungsanlage zentral gesteuert vorhanden ist. Da kann das im Einzelfall Sinn machen. Aber bitte nicht als Ersatz für das aktive Lüften."

Die Sendung wurde am 21. September 2020 um  20:15 Uhr im rbb-Fernsehen ausgestrahlt. Im Netz ist sie noch unter www.rbb-online.de/supermarkt zu finden.

Foto: © Adobe Stock/veerapong

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Prävention und Reha
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