. Welt-Parkinson-Tag am 11. April

Experten prophezeien neue Parkinson-Therapien

Gibt es bald neue Medikamente, die dem Nervenzellsterben bei Parkinson ein Ende machen? Zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April zeigen sich Experten optimistisch: Die Parkinson-Therapie stehe am Beginn einer neuen Ära.
Parkinson: Neue Therapien sollen das Nervenzellsterben stoppen

Parkinson: Neue Therapien sollen das Nervenzellsterben stoppen

Parkinson ist neurodegenerative Erkrankung, bei der die Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn absterben. Der Botenstoff Dopamin steuert unter anderem die Motorik. Durch Medikamente kann der Dopaminmangel zwar ausgeglichen werden, doch das Zellsterben in der grauen Substanz geht weiter. Im Langzeitverlauf kommt es daher fast immer zu schweren Behinderungen, zum Teil auch zu Persönlichkeitsveränderungen.

Doch nun machen Experten der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG) Mut. Die Parkinsontherapie stünde am Beginn einer neuen Ära, hieß es im Vorfeld des Welt-Parkinson-Tags am 11. April.

„Jüngste Erfolge der Forschung rücken Therapien in sichtbare Nähe, die nicht nur die Symptome lindern, sondern den Krankheitsprozess beeinflussen“, erklärte der DPG-Vorsitzende Prof. Dr. Georg Ebersbach auf einer Pressekonferenz.

Parkinson-Diagnose immer noch schwierig

In Deutschland und international werden derzeit innovative Therapieansätze erforscht, die Parkinson an der Ursache therapieren und den Nervenzelluntergang aufhalten sollen. Eine Schwierigkeit, Parkinson an der Wurzel zu packen, ist jedoch die Diagnose. Die ist nämlich schwieriger als man denkt. Bis heute lässt sich die Parkinsonsche Krankheit erst nach dem Tod des Patienten mit Sicherheit bestimmen.

„Eine derartige diagnostische Unsicherheit erschwert nicht nur die Behandlung von Parkinsonpatienten, sie behindert auch die Forschung“, erklärt Prof. Dr. Jens Volkmann, erster Vorsitzender der DPG. Bei der klinischen Prüfung von Medikamenten müsse man beispielsweise sehr genau wissen, an welcher Krankheit genau die Patienten erkrankt seien, um mögliche Behandlungseffekte von neuen Substanzen nicht zu verpassen. „Darüber hinaus wissen wir, dass zum Zeitpunkt der ersten motorischen Symptome bereits etwa 50 Prozent der dopaminergen Neurone im Mittelhirn abgestorben sind“, so der Parkinson-Experte. Für eine erfolgreiche ursächliche Behandlung käme die Diagnose daher viel zu spät.

Ein Eiweiß als diagnostischer Biomarker

Biomarker, zum Beispiel im Blut, könnten die Diagnostik erleichtern. Die Suche danach läuft auf Hochtouren. Große Hoffnung wird aktuell auf den Nachweis von Alpha-Synuclein-Ablagerungen außerhalb des Gehirns gesetzt. Diese Eiweiß-Ablagerungen sind etwa durch Hautbiopsien relativ einfach zu gewinnen. Hinweise, dass das Eiweiß Alpha-Synuclein ein diagnostischer Biomarker sein könnte, lieferten kürzlich Neurowissenschaftler aus Marburg und Würzburg. Bei Risikopatienten konnte bereits vor Ausbruch der motorischen Symptome pathologisches Alpha-Synuclein in der Haut nachgewiesen werden. Der Test wird mittlerweile in Studien eingesetzt, die eine Verhinderung der Krankheitsprogression zum Ziel haben.

„Damit ist man der Frühdiagnose einen entscheidenden Schritt näher gekommen“, betonte Volkmann, „und es bricht eine neue Ära bei der Suche nach Therapien an.“

Parkinsonimpfung im Test

Derzeit wird in zwei Studien in Wien ein Antikörper gegen das Eiweiß Alpha-Synuclein untersucht. Die Hoffnung ist, mit dem „Parkinsonimpfstoff“, die Ausbreitung der Krankheit im Keim zu ersticken.

Ein anderer Ansatz, der Parkinson an seiner Ursache packen soll, ist das vermehrte Eisen zu binden, dass sich bei Parkinson in bestimmten Gehirnregionen anreichert. Eisen verstärkt den oxidativen Stress und damit den Zelluntergang.

„Wir haben in den letzten Jahren viele entscheidende Mechanismen verstanden, wie Parkinson entsteht und warum die Krankheit schleichend fortschreitet“, ergänzte Prof. Daniela Berg ebenfalls von der DPG. „Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung.“

Foto: © goanovi - Fotolia.com

Autor: ham

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Parkinson

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Keine Altersgruppe wächst so schnell wie die der Hochbetagten. Viele, die auf die 100-Jahre-Marke zusteuern, verfügen über eigene Ideen und Strategien für ein gutes Altern. Die Wissenschaft, kritisiert jetzt eine der wenigen Altersforscherinnen, habe dies bisher aber so gut wie übersehen.
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Betroffene haben unter anderem Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion und neigen zu stereotypen Verhaltensmustern. Nun hat eine Studie gezeigt, dass der Einsatz von Neurofeedback dazu beitragen kann, die Symptome zu lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.