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24.08.2017

Experten fordern Reform des Heilpraktikerberufs

Der Heilpraktikerberuf sollte entweder abgeschafft oder durch die Einführung spezialisierter Fach-Heilpraktiker als Zusatzqualifikation für bestehende Gesundheitsfachberufe abgelöst werden. Das fordert eine Expertengruppe im „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“.
Heilpraktiker

Experten kritisieren die teilweise mangelhafte Qualifizierung von Heilpraktikern

Über den Sinn von alternativen medizinischen Methoden wird immer wieder diskutiert. Anhänger und Gegner stehen sich oft unversöhnlich gegenüber. Eines der Probleme: Für viele Methoden der Alternativen Medizin gibt es nicht genügend Studien oder deren Qualität entspricht nicht wissenschaftlichen Kriterien. Nun hat sich eine Expertengruppe gegen die ihrer Einschätzung nach „unangemessene Ausbildung und die meist unhaltbaren Krankheitskonzepte“ von Heilpraktikern gewandt. Der Münsteraner Kreis, eine Initiative, die sich um Bettina Schöne-Seifert, Professorin für Medizinethik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), gebildet hat, hat Vorschläge erarbeitet, wie das Heilpraktikerwesen zum Nutzen der Patienten reformiert werden sollte.

Experten kritisieren Parallelwelten in der deutschen Medizin

In dem sogenannten „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ werden zwei Lösungsvorschläge skizziert. So soll entweder der Heilpraktikerberuf abgeschafft werden, oder der Beruf soll durch die Einführung spezialisierter Fach-Heilpraktiker als Zusatzqualifikation für bestehende Gesundheitsfachberufe abgelöst werden. Die Begründung: Nach Meinung der Expertengruppe existieren im deutschen Gesundheitswesen zwei Parallelwelten - die Welt der akademischen Medizin und die Welt der Heilpraktiker. Während die akademische Medizin auf wissenschaftlichen Fakten beruhe und nach begründetem Fortschritt strebe, seien Heilpraktiker in der sogenannten "Komplementären und Alternativen Medizin (KAM)" verankert. Auch der Ausbildungsgang ist verschieden: Während Mediziner ein langes Studium absolvieren, ist die Ausbildung zum Heilpraktiker kurz und weitgehend unreguliert. Da Heilpraktiker gleichwohl das Etikett "staatlich anerkannt" bekämen, könnten Patienten leicht den Eindruck gewinnen, dass es sich bei Medizinern und Heilpraktikern um gleichwertige Alternativen handele.

 

Forderung nach grundlegender Reform

Genau dagegen wendet sich der Münsteraner Kreis. „Im Lauf der Jahre ist bei meinen Mitarbeitern und mir das dringende Bedürfnis entstanden, der Problematik von Alternativmedizin auf den Grund zu gehen“, betont Bettina Schöne-Seifert. Aus diesem Grund hatte sie bereits im Juni 2016 ausgewiesene Experten zur Komplementären und Alternativen Medizin, die aus verschiedenen Fachrichtungen stammten, nach Münster eingeladen, um über KAM und das Heilpraktikerwesen zu diskutieren. Einige Experten des daraufhin gegründeten Münsteraner Kreises brachten dazu ihre eigenen Forschungsergebnisse zu den von Heilpraktikern angebotenen Verfahren sowie der Motivation der Patienten ein. „Wir wollten ausloten, wie ein solidarisches Gesundheitswesen verantwortlich und fair mit dem Clash zwischen gefährlicher Pseudowissenschaft und Selbstbestimmung umgehen sollte“, unterstreicht die Medizin-Ethikerin. „Um es deutlich zu sagen: Wir wollten den gegenwärtigen Irrsinn nicht länger hinnehmen.“

Die Autoren sind überzeugt, dass ihre Lösungsvorschläge das Vertrauen in das deutsche Gesundheitswesen stärken und die Versorgung verbessern werden. Das Label "staatlich anerkannt" wäre in Folge einer Reform wieder ein echtes Qualitätsmerkmal, an dem sich Patienten orientieren könnten. Der Münsteraner Kreis ruft Institutionen und Einzelpersonen auf, sich dem Statement anzuschließen. Dadurch sollen auch Politiker motiviert werden, das Heilpraktikerwesen nicht nur oberflächlich, sondern grundlegend zu reformieren.

Heilpraktiker monieren mangelnde Dialogbereitschaft

Wie zu erwarten stoßen die Forderungen des Münsteraner Kreises unter Heilpraktikern auf Widerspruch. So warnt der Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände (DDH) vor Kollateralschäden der Aktion für alle Ärzte, die ihren Patienten Therapieoptionen der Alternativmedizin offerieren. Die Heilpraktiker monieren zudem, dass sich die Gruppe einem Dialog verweigere. Der DDH-Vorsitzende Christian Wilms erklärte gegenüber der Ärzte Zeitung: „Eine Gruppe von nicht im Heilpraktikerberuf stehenden Menschen urteilt ohne das Einholen ausreichender Sachkenntnis über eine gesamte Berufsgruppe und kommt auf wenigen Seiten zu dem Schluss, diesen Beruf abschaffen zu wollen.“

Es kann also davon ausgegangen werden, dass sich nun eine heftige Diskussion über die Zukunft des Heilpraktikerberufs entspinnen wird. Bereits vor etwa einem Jahr hatte die Bundesregierung erklärt, die Zulassungsregeln für Heilpraktiker überprüfen zu wollen. Dies war eine Reaktion auf mehrere Todesfälle bei Patienten eines alternativen Krebszentrums am Niederrhein. Auch der diesjährige Deutsche Ärztetag in Freiburg hatte sich für eine grundlegende Reform der Heilpraktikerausbildung ausgesprochen.

Foto: © Björn Wylezich - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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