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21.11.2017

Experten fordern Nationalen Sepsisplan

In Deutschland sterben nach wie vor zu viele Menschen an Sepsis. Nach Expertenmeinung wären zwischen 15.000 und 20.000 Todesfälle pro Jahr vermeidbar. Sie fordern nun von der nächsten Bundesregierung einen Nationalen Sepsisplan.
"Blutvergiftung"

Eine schwere Sepsis führt in 40 Prozent der Fälle zum Tod

Jährlich sterben in Deutschland zigtausende Patienten an Sepsis, im Volksmund auch „Blutvergiftung“ genannt. Eine Sepsis ist meist die Folge einer unbeherrschten Infektion der Atemwege, des Harntrakts, des Bauchraums, des Gehirns oder des Haut- und Muskelgewebes. Wenn sich die Infektion im Körper ausbreitet, kommt es ohne Behandlung häufig zu irreparablen Organschäden und in vielen Fällen sogar zum Tod. Die einzige mögliche Behandlung ist dann eine hochdosierte Antibiotikatherapie, die so schnell wie möglich nach der Diagnose einsetzen sollte.

Tausende Todesfälle vermeidbar

An einer Sepsis bzw. schweren Sepsis erkranken pro Jahr in Deutschland rund 320.000 bzw. 136.000 Menschen. Zwischen 20 und 40 Prozent sterben daran noch im Krankenhaus, viele der Überlebenden erleiden dauerhafte Schäden. Experten sind der Ansicht, dass zwischen 15.000 und 20.000 Sepsis-Todesfälle pro Jahr vermeidbar wären. Zu den notwendigen Strategien gehören die Steigerung der Impfraten, eine Reduzierung vermeidbarer Krankenhausinfektionen und vor allem eine bessere Früherkennung und Behandlung der Sepsis. Nun fordert ein Bündnis aus Betroffenen, Fachgesellschaften und Experten die nächste Bundesregierung auf, einen Nationalen Sepsisplan als Ziel im Koalitionsvertrag zu verankern.

 

Sterblichkeit durch Sepsis in Deutschland zu hoch

Seit Jahren liegt die Krankenhaussterblichkeit der schweren Sepsis und des septischen Schocks in Deutschland 10 bis 20 Prozent höher als in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Australien, den USA oder England. „Die im internationalen Vergleich hohe Sepsissterblichkeit in Deutschland ist inakzeptabel“ sagt Professor Konrad Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung.

Dabei scheint es nicht an materiellen Ressourcen zu fehlen. „Es fehlt an interdisziplinärer und transsektoraler Zusammenarbeit und an einem fach- und sektorenübergreifenden Qualitätsbewusstsein“, erklärt Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. (APS). „Es ist deshalb sehr erfreulich, dass die zentralen medizinischen Fachgesellschaften sich bereit erklärt haben, die Forderung für einen Nationalen Sepsisplan zu unterstützen und an seiner Entwicklung und Umsetzung mitzuwirken.“

Thema Sepsis wird bisher vernachlässigt

In England, Irland und im Staat New York wurden bereits wichtige Elemente eines Nationalen Sepsisplans implementiert. In England wird jede Familie bei der Geburt eines Kindes mittels einer Broschüre über die Verdachtssymptome einer Sepsis aufgeklärt und über eine Notfallnummer Hilfe angeboten. Und im Staat New York wurde erst kürzlich ein Gesetz vorgestellt, welches die Unterrichtung der Schüler über Sepsis regelt.

In Deutschland ist die Sepsis hingegen zurzeit weder in der Gesundheitsberichtserstattung des Bundes noch bei der Arbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung berücksichtigt. Nur wenige Krankenhäuser haben bisher krankenhausweite Qualitätsinitiativen zu Diagnose und Behandlungsstandards etabliert. Für weit weniger häufig vorkommende Krankheitsbilder wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sind diese seit Jahrzehnten Standard.

Foto: © Kateryna_Kon - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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