. Welttag der Suizidprävention

Experten: Dreimal soviel Tote durch Suizid wie Verkehrstote

Jedes Jahr sterben in Deutschland dreimal soviel Menschen durch einen Suizid wie im Straßenverkehr. Besonders betroffen sind Ältere und Migranten. Auch Flüchtlinge weisen ein hohes Suizidrisiko auf. Das Nationale Suizid Präventionsprogramm (Naspro) fordert deshalb mehr Anstrengungen in der Suizidprävention.
Mehr Suizidprävention könnte viele Leben retten, meinen Experten.

Letzter Ausweg Suizid? Prävention kann Leben retten, meinen Experten

Rund 10.000 Menschen sterben in Deutschland laut Naspro jedes Jahr infolge eines Suizids. Etwa zehnmal so viele Suizidversuche schätzt das Bündnis. „Es gibt fast dreimal soviele Suizide wie Verkehrstote, aber nicht dreimal so viel Geld“, kritisierte der Naspro-Vorsitzende Professor Armin Schmidtke im Vorfeld des Welttages der Suizidprävention.

Schmidtke zeigte sich erfreut, dass die Politik das Thema endlich aufgegriffen hat. „Wir sind froh, dass das Thema nach Jahren der Anstrengung in den Bundestag gekommen ist und wünschen uns eine überfraktionelle Erklärung“, sagte Schmidtke. Er warnte jedoch davor, dass die parlamentarische Initiative für mehr Suizidprävention im Zwist der Parteien zerlegt werden könnte.

Naspro: Suizidprävention wirkt

Die Initiative zur Stärkung der Suizidprävention haben die Grünen im Rahmen der Bundestagsdebatten zur Sterbehilfe im Frühsommer gestartet. „Wir wollen nicht, dass das Thema dem parteipolitischen Gezänk zum Opfer fällt“, so der Naspro-Vorsitzende weiter. Er kritisierte aufs Schärfste, dass in der Bundestagsdebatte alte Vorurteile laut geworden seien, wie etwa, dass man niemand davon abhalten könne, der den Entschluss zum Suizid gefasst habe.

„Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Personen, denen über Krisen geholfen wird, selten einen Suizidversuch wiederholen“, stellte Schmidtke klar. Er widerlegte auch das Argument, dass Suizidenten einen anderen Ort wählen würden, wenn die Brücke oder das Eisenbahngleis, das sie aufsuchen wollten, plötzlich gesichert ist.

Naspro fordert daher, dass Suizidprävention nicht nur im Sozialgesetzbuch, sondern unter anderem auch in Lehrplänen und Bauvorschriften verankert wird. „Suizidprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Schmidtke.

Motive für einen Suizid sind laut Naspro unter anderem soziale Isolierung, Zukunftsangst und Hoffnungslosigkeit. Deshalb sind auch immer mehr ältere Menschen unter den Suizidenten. Jeder zweite Suizid einer Frau in Deutschland sei der einer über Sechzigjährigen, so Schmidtke. Auch Angst vor unheilbaren Erkrankungen, Fremdbestimmung und Autonomieverlust spiele dabei eine Rolle.

 

Migranten haben hohes Suizidrisiko

Ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko weisen den Naspro-Angaben zufolge aber auch Migranten und besonders Flüchtlinge auf. „Auch die Flüchtlinge und Asylbewerber zählen zu den Hochrisikogruppen für Suizide und Suizidversuche. Auch sie dürfen nicht allein gelassen werden“, so Privatdozentin Dr. Meryam Schouler-Ocak von der psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im Berliner St. Hedwig-Krankenhaus.

Die Rate für posttraumatische Belastungsstörungen ist laut Schouler-Ocak bei Flüchtlingen um das zehnfache höher als in der Allgemeinbevölkerung, zugleich würden auch andere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen gehäuft auftreten. Sie sind ebenfalls Risikofaktoren für einen Suizid.

Schouler-Ocak appellierte daher, Netzwerke zur Versorgung dieser Patienten bei Suizidgefahr zu bilden. Ärzten empfahl sie, suizidgefährdete Flüchtlinge im Zweifelsfall zur Krisenintervention in die Klinik einzuweisen.

Foto: eyetronic - fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
 

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