Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
05.02.2021

Ethikrat sieht keine Sonderrechte für Geimpfte – mit Ausnahmen

Der Deutsche Ethikrat hat eine klare Meinung, wenn es um die Frage von Sonderregelungen für Geimpfte geht. Am Donnerstag hat das Gremium eine ausführliche Ad-hoc-Empfehlung dazu veröffentlicht.
Dürfen Geimpfte bald wieder ohne Maske einkaufen gehen? Der Deutsche Ethikrat spricht eine Empfehlung aus

Dürfen Geimpfte bald wieder ohne Maske einkaufen gehen? Der Deutsche Ethikrat spricht eine Empfehlung aus

Sollen Geimpfte mehr Freiheiten bekommen? Zum Beispiel keinen Mund-Nasen-Schutz mehr tragen müssen oder wieder große Feste feiern dürfen? Solche Fragen kamen noch vor dem Start des Impfprogramms auf.

Nun hat der Deutsche Ethikrat eine Ad-hoc-Empfehlung dazu veröffentlicht. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verbietet sich die individuelle Rücknahme staatlicher Freiheitsbeschränkungen nach Ansicht des Ethikrates schon deshalb, weil die Möglichkeit einer Weiterverbreitung des Virus durch Geimpfte nicht hinreichend sicher ausgeschlossen werden kann", heißt es in dem Papier.

Mund-Nasenschutz weiterhin zumutbar

Anders jedoch, wenn sich herausstellen sollte, dass die Impfung mit Gewissheit auch vor einer Übertragung schützt. In diesem Fall sei eine individuelle Rücknahme von Freiheitsbeschränkungen für geimpfte Personen zu rechtfertigen. Dabei wären allerdings auch Fragen der Gerechtigkeit sowie der Folgen für die Akzeptanz der Impfstrategie zu berücksichtigen. „Das Befolgen vergleichsweise weniger eingriffsintensiver Maßnahmen wie Abstandsregeln und Maskenpflicht kann man auch Geimpften in jedem Fall weiterhin zumuten“, schreibt der Deutsche Ethikrat.

 

Vertragsfreiheit ist auch ein hohes Gut

Doch wie sieht es bei privaten Anbietern aus, etwa Geschäften oder Hotels? Können diese Unternehmen zum Beispiel Ungeimpften den Zutritt verwehren und nur noch Geimpfte bedienen? Hier sei grundsätzlich die Vertragsfreiheit privater Anbieter zu berücksichtigen, schreibt der Ethikrat. Die Vertragsfreiheit meint: Private Unternehmen können ihre Dienstleistungen und Waren verkaufen, an wen sie wollen. Ein Restaurantbesitzer etwa kann frei entscheiden, dass er bestimmte Personen nicht bewirten möchte. Einschränkungen dieser Freiheit können nach Ansicht des deutschen Ethikrats jedoch gerechtfertigt sein bei Angeboten, „die für eine prinzipiell gleichberechtigte, basale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unerlässlich sind.“

Neue Freiheiten für Heimbewohner

Explizit mehr Freiheiten für Geimpfte fordert der Ethikrat für eine bestimmte Personengruppe: Bewohner von Pflege-, Senioren-, Behinderten- und Hospizeinrichtungen. Die in solchen Einrichtungen geltenden Ausgangsverbote bzw. -einschränkungen und Beschränkungen von Besuchs- und Kontaktmöglichkeiten sollten für die dort Lebenden aufgehoben werden, sobald sie geimpft wurden. „Angesichts der erheblichen Belastungen, welche diese Personengruppe bereits im Verlauf der Pandemie erlebt hat, kann dies ethisch gerechtfertigt werden.“

Interessant ist, was das Gremium grundsätzlich zu den staatlichen Freiheitsbeschränkungen sagt: Die tiefgreifender Einschränkungen des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens seien ohnehin nur solange gerechtfertigt sind, wie die Versorgung schwer erkrankter Covid-19-Patienten das Gesundheitssystem akut zu überlasten drohe.

Foto: © Adobe Stock / Ljupco Smokovski

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema COVID-19-Impfung

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten


Bei der Bewältigung der Coronakrise in Deutschland sind deutliche Schwächen erkennbar geworden. Insbesondere die Digitalisierung des Gesundheitssystems und eine bessere Nutzung medizinischer Daten zur Versorungssteuerung müssen vorangetrieben werden. Eine erste Bewertung zur Bewältigung der Pandemie hat Gesundheitsstadt Berlin in einem Podcast mit dem Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, vorgenommen.
 
Kliniken
Interviews

Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin